Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Verkehrswende: Welche Veränderungen die Pendler-Radroute mit sich bringt

Fahrradstraße: Im Bereich der Vincentiusstraße am Schwerd-Gymnasium (rechts) wäre ein „Durchstich“ zur Dudenhofer Straße nötig.
Fahrradstraße: Im Bereich der Vincentiusstraße am Schwerd-Gymnasium (rechts) wäre ein »Durchstich« zur Dudenhofer Straße nötig.

Raus aus dem Auto, rauf aufs Rad: Der endgültige Verlauf der geplanten Pendler-Radroute durchs Stadtgebiet steht fest. Um die Strecke fit zu machen, sind zum Teil erhebliche bauliche Eingriffe nötig. Für manche Anwohner könnte das Unannehmlichkeiten mit sich bringen. Klar ist: Es dauert noch.

Der Stadtentwicklungsausschuss hat in dieser Woche den Weg für den endgültigen Verlauf einer Pendler-Radroute im Speyerer Stadtgebiet freigemacht. Folgt der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag, 18. April (17 Uhr, Stadtratssitzungssaal), der einhelligen Empfehlung des Gremiums, könnten künftig deutlich mehr Fahrräder über die Trasse Schifferstadter Straße – Landwehrstraße – Kurt-Schumacher-Straße – Theodor-Heuss-Straße – Vincentiusstraße – Holzstraße – Wimphelingstraße durch die Domstadt rollen. Um den Hauptbahnhof mit dieser Nord-Süd-Verbindung zu verknüpfen, soll die Josef-Schmitt-Straße in West auf 1,2 Kilometern Länge für den Radverkehr ertüchtigt werden.

Die rund 4,7 Kilometer lange Strecke ist Teil der überörtlichen Pendler-Radroute, die nach den Überlegungen des Landes in ferner Zukunft Ludwigshafen mit Wörth verbinden soll. Die Idee dahinter: Ein besonders gut ausgebautes und komfortables System von ausreichend breiten und sicheren Radwegen soll Anreize für Pendler bieten, das Auto daheim stehenzulassen und sich stattdessen mit dem Drahtesel zur Arbeit zu begeben.

Es waren ursprünglich auch andere Strecken-Varianten in Betracht gezogen worden, etwa entlang der B9 unter Umgehung des Stadtgebiets oder geradewegs mitten durch die Innenstadt über Wormser Landstraße und Bahnhofstraße. Beide Alternativen habe man entweder wegen ihrer abseitigen Lage oder wegen mangelnden Platzes im Straßenraum verworfen, wie Planer Otto-Andreas Goger aus der Abteilung Tiefbau der Stadtverwaltung ausführte.

300 Meter schon fertig

Die jetzige Route sei ein „Kompromiss“ aus einer „möglichst störungsfreien Streckenführung und der Anbindung verkehrsrelevanter Ziele“. Denn es bringe ja wenig, wenn ein Angebot, das gerade für Berufspendler gedacht ist, zu weit entfernt von deren möglichen Zielorten verlaufe. Zugleich müsse ein solches Angebot auch baulich umsetzbar sein, erläuterte Goger das Dilemma der Planer.

Immerhin: Ein erster, rund 300 Meter langer Abschnitt der vorgesehenen Route wurde bereits parallel zur Sanierung der Schifferstadter Straße zwischen dem Ortseingang am Rewe-Markt und der Kreuzung am Wartturm ausgebaut. Nun soll nach dem Willen der Verwaltung der Abschnitt Landwehrstraße bis zur Kurt-Schumacher-Straße angegangen werden.

Landwehrstraße: Kommt die Pendler-Radroute, sollen „schnelle“ Radler auf die Fahrbahn dürfen. Das soll auch das Tempo der Autos
Landwehrstraße: Kommt die Pendler-Radroute, sollen »schnelle« Radler auf die Fahrbahn dürfen. Das soll auch das Tempo der Autos bremsen.

Denkbar sei hier, die Benutzungspflicht der bestehenden Geh- und Radwege aufzuheben und dem „schnellen Radverkehr“ etwa durch Schutzstreifen die Nutzung der Fahrbahn zu gestatten, erläuterte Goger. Damit ließen sich schnellere und langsamere Radler trennen. Zugleich würde durch die Maßnahme das von Anwohnern oft angemahnte zu hohe Tempo des Verkehrs in der Landwehrstraße gebremst.

Je nachdem, welche Eingriffe erforderlich seien, könne man hier rasch tätig werden, meinte der Planer. Jedoch werde der barrierefreie Umbau von Bushaltestellen, der in dem Zug ebenfalls erfolgen könnte, mehr Zeit beanspruchen.

Schwierig umzubauen: Die Kreuzung am Wartturm ist der am meisten befahrene Knotenpunkt in Speyer.
Schwierig umzubauen: Die Kreuzung am Wartturm ist der am meisten befahrene Knotenpunkt in Speyer.

Knifflige Kreuzung

Knifflig sei die Kreuzung am Wartturm, die von bis zu 2600 Kraftfahrzeugen pro Stunde passiert werde. Damit sei sie der „am höchsten belastete Knotenpunkt in Speyer“, betonte Goger. Hier sollten die bisher freien Rechtsabbiegespuren mit Ampeln versehen werden, um die Sicherheit für Radler und Fußgänger zu erhöhen. Ein Umbau zu einem Kreisel sei aufgrund von dessen geringerer Kapazität und seines großen Platzbedarfs nicht möglich. Grundsätzlich werde die Kreuzung im Speyerer Norden für Radfahrer ein Hindernis bleiben, bilanzierte Goger: Die Ampelschaltung bringe Wartezeiten mit sich.

Im weiteren Verlauf der geplanten Radroute gebe es weitere „Knackpunkte“ zu bedenken, sagte Goger. So bestehe auf dem Abschnitt der Kurt-Schumacher-Straße zwischen Berliner Platz und Friedrich-Ebert-Straße eine „Engstelle“. Um diese zu beseitigen, könnte der Parkstreifen auf der Westseite der Straße wegfallen. Das würde allerdings den Parkdruck vergrößern. Auch über Tempo 30 könne man an dieser Stelle nachdenken.

Die Kreuzung von Dudenhofer Straße und Theodor-Heuss-Straße müsse „zwingend umgebaut“ werden. Ein „Durchstich“ sei nötig, damit Radfahrer geradeaus in die Vincentiusstraße gelangen könnten. Um Autos draußen zu halten, sollten Poller die Fahrbahnbreite begrenzen, schlug Goger vor. Auch sei hier prinzipiell ein Kreisverkehr denkbar. Dies bedürfe jedoch näherer Betrachtung.

Neue Brücke erforderlich

Erforderlich sei zudem, die Fußgängerbrücke über den Gießhübelbach zwischen Holz- und Wimphelingstraße durch einen fahrradgerechten Neubau zu ersetzen. Das sei eine aufwendige Baumaßnahme, gab Goger zu bedenken. Die Kosten sowie der Zeitrahmen für das gesamte Projekt seien aktuell noch nicht abzuschätzen. Ein Vorteil: Das Land bezuschusse die notwendigen Maßnahmen zu 90 Prozent. Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) sprach von einem Zeithorizont von „sicher zehn Jahren“ bis zur Fertigstellung, je nach Dimension der baulichen Eingriffe.

Johannes Jaberg (Grüne) mahnte an, dass die Umsetzung der Pendler-Radroute nicht andere dringende Projekte im restlichen Stadtgebiet blockieren dürfe. Auch dort müsse viel für die Radinfrastruktur getan werden. Seiler verdeutlichte, dass die Realisierung nur in Abschnitten erfolgen könne. Sie diene allerdings auch der Sicherheit des Schülerverkehrs, gerade im Bereich des Bildungszentrums in West. Goger erinnerte daran, dass die vorgesehene Route bereits heute durchgängig mit dem Fahrrad befahrbar sei. Doch könne sich die Situation durch die Neugestaltung eigentlich nur verbessern.

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