Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Stefans Woche: Nachwirkungen und Vorahnungen

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Brezelfest: Ersatz bleibt Ersatz

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, mehrere auch nicht unbedingt. Aber ein Brezelfest macht definitiv den Sommer in Speyer erst zum Sommer. So gesehen, ist der Sommer 2020 in Speyer schon vorbei. Weder zu heiß, noch zu kalt. Weder zu nass, noch zu trocken, und es ist auch völlig egal, wie das in diesem Jahr noch wird. Das Coronavirus hat uns Speyerern das Brezelfest und damit den Sommer genommen. Da beißt die Maus keinen Faden mehr daran ab. Aber die Speyerer wären keine Speyerer, würden sie das einfach so mit sich machen lassen. Von wegen. Lassen sie nicht. Weil der Speyerer im Sommer sein Brezelfest einfach braucht, gab es etliche Ersatz-„Brezelfestchen“ rund um die Feiertage. Mit allem, was dazugehört: Bieranstich, Brezelfestbild, Friedensradler, Metall-Brezelbu, Brezelfeststimmung im Seniorenstift. Alles mit mehr oder weniger Abstand oder gleich virtuell. Sogar eine Versteigerung läuft noch. So sind die Speyerer, und das ist so schön an der Stadt und an ihren Menschen. Aber Ersatz ist nun mal kein Original.

FahnenmastenTücher bleiben untenWaschechte „Speyerer Brezelbuwe und –mädle“ lassen sich also selbst von einer Corona-Pandemie nicht abbringen, das größte Volksfest am Oberrhein zu feiern. Aber Brezelbuwe und Brezelmädle sind auch kritisch mit ihrer Stadt. So hat es ein Speyerer Brezelmädel, das lange Jahre in Stuttgart – im „Ausland“, wie sie sagt – zubringen musste, und jetzt heilfroh ist, dass sie wieder am Rhein ist, kritisiert, dass die Fahnen auf der Hauptstraße fehlen zur Brezelfestzeit. Kann man so sehen, darf es aber eigentlich nicht. Das wäre doch Vorspiegelung falscher Tatsachen. Wo es doch tatsächlich das Fest in der Stadt gar nicht und damit nichts gibt, worauf mit Flaggen hinzuweisen wäre. Dafür groß Fahnen wehen zu lassen, haben die Speyerer doch nun auch nicht nötig. Außerdem hingen ein paar Fähnchen an ein paar Häusern auf Balkonen und an Fenstern. Zugegeben, etwas versteckt. Wer genau hingeschaut hat, konnte sie entdecken.

Feuerwehr: Im Einsatz bleiben

Heute wäre zu normalen Zeiten nicht nur Ausruhen von den Strapazen eines Brezelfestes fällig gewesen. Heute würde zu normalen Zeiten schon die nächste Fete steigen: ein Hochfest der Selbstlosigkeit, Kameradschaft und des Gemeinschaftssinns. Anlass: Kommandowechsel bei der Feuerwehr. Michael Hopp wird morgen 60 Jahre alt und gibt heute den Stab weiter an seinen Nachfolger, Peter Eymann. Hopp hat 15 Jahre lang eine Einheit geführt, die sich nicht nur mit Bergen, Retten, Löschen auskennt. Sie liebt auch Hunde, Igel, Schlangen, Hasen und alles Federvieh. Sie öffnet Türen und Schlösser, holt Menschen aus Aufzügen, die sich nicht mehr bewegen ,und sie liefert Lebensmittel zur Tafel, damit die in Corona-Zeiten den Betrieb aufrechterhalten kann. Aus der geplanten Fete mit allen rund 140 Männern und Frauen sowie ihren Familien und Bürgern wird heute nichts. Das Coronavirus hat es versaut. Dabei hatte die Chefin, OB Stefanie Seiler, schon die chronisch leere Schatulle der Stadt weit geöffnet für das Fest. Aber heute dürfen gerade mal 50 Menschen, Offizielle und ein paar Familienangehörige in den historischen Ratssaal. Auf Abstand. Ob da die richtige Stimmung aufkommt? Könnte auch sein, dass die trotz des an sich freudigen Anlasses sich eher an ein paar Einsätze erinnert aus allerjüngster Zeit: etwa den mit der Katze auf dem Dach, die nicht mehr runterkam, aber doch weg war, als die Wehrmänner hochkamen. Oder die zwei gemeldeten Flächenbrände, die einfach nicht aufzufinden waren, als sie gelöscht werden sollten. Künstlerpech. Aber Grund genug, anzustoßen. Am besten mehrfach.

Gastronomie: Der Appetit bleibt

Wegen, trotz und mit Corona: In der Stadt Speyer wird schon immer gut gegessen und getrunken. In der Domstadt ist auch die Lebensfreude zuhause. Leider hat der Corona-Lockdown Gastronomie und Hotellerie auch gebeutelt. Sehnlicher Wunsch ist es, dass alle Betriebe überleben. Umso schöner ist deshalb, dass just in diesen Tagen auch gute und spannende Nachrichten aus dem Bereich auf den Tisch kommen. Sogar in drei Varianten. Im Alten Engel geht ein neuer Wirt an den Start, im Klosterstübchen bereitet ein altbekannter Wirt seinen kompletten Neustart gerade noch vor, und in der Auestraße lässt ein Neuspeyerer die italienische Lebensart am neuen Standort aufleben. Das alles macht doch einfach Appetit!

Weihnachtsbaum: Eine Frage bleibt

„Ja, ist denn scho Weihnachten?“, fragte jahrelang der Kaiser von des Fußball-Fans Gnaden zur Unzeit aus jedem TV-Gerät, das eingeschaltet war. Die Frage ist aktuell auch in Speyer angebracht. Mitten im Sommer sucht die Stadtverwaltung nämlich Spender von mindestens zwei stattlichen Weihnachtsbäumen. Einer mit einer Größe von mindestens zehn bis zwölf Metern oder größer für den Domplatz, einer mit drei bis vier Metern für anderswo. Wo genau, daraus macht die Stadt noch ein Geheimnis. Das bleibt also eine weitere unbedingt zu klärende Frage. Und eine Dritte muss nun sehr, sehr bald allen Ernstes gestellt und beantwortet werden. „Ja, gibt’s denn no a Weihnachtsmarkt heuer?“ Die Antwort wissen weder der Wind, noch Marlene Dietrich, noch der Fußball-Kaiser. Die Antwort weiß ganz allein das Virus namens Corona. Hoffnung besteht. Aber sie wird bei mir persönlich täglich kleiner. So wie all die Jahre bisher dürfte er kaum möglich sein. In Schwetzingen ist der Weihnachtsmarkt abgesagt. Vielleicht ist das kommende Schausteller-Angebot im Domgarten das Modell der Zukunft mit Corona. Schade wär’s.

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