Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyerer Stützen im Überlebenskampf an der Ahr

Arbeiten in Schlamm: Speyerer Helfer bei der Schadenbeseitigung in Bad Neuenahr.
Arbeiten in Schlamm: Speyerer Helfer bei der Schadenbeseitigung in Bad Neuenahr.

Das Technische Hilfswerk (THW) Speyer nennt seine Hochleistungspumpe „Hannibal“ gerne „Hanni“. Im Kriseneinsatz in der Eifel verdient sie sich derzeit jede Form der Wertschätzung. Auch weitere Speyerer helfen.

Neben der Feuerwehr ist auch das THW Speyer im Krisengebiet an der Ahr im Einsatz. Vergangene Woche waren schon drei THWler zur Unterstützung der Einsatzführung ausgerückt, am Samstag kamen zwölf Kräfte der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen hinzu, am Tag darauf neun aus der Fachgruppe Notversorgung/Notinstandsetzung. „Sie sind in Bad Neuenahr im Epizentrum der Krise. Dort ist eigentlich nichts mehr ganz“, berichtet Jan Görich, THW-Ortsbeauftragter in Speyer.

Die Speyerer Ausrüstung ermögliche eigentlich 25.000 Liter Pumpenleistung pro Minute. An der Ahr sei das wegen des vielen Schlamms anders: „Hier ist nur Hannibal stark genug“, so Görich. 5000 Liter pro Minute schaffe dieser Schmutzwasser-Experte immerhin. Das THW Speyer pumpe damit im Ortskern von Bad Neuenahr Keller und Tiefgaragen leer. Das nächste Problem dabei sei der Abtransport des Wassers. In die Kanalisation dürfe es derzeit nicht fließen. Einzige Lösung: über ein System von Zwischenbecken in die drei Tage zuvor Tod bringende, nun wieder schmaler gewordene Ahr.

Warten auf dem Nürburgring

Die am Sonntag angeforderten Helferinnen und Helfer fanden sich zunächst zur Bereitstellung auf dem Nürburgring ein und warteten dann auf ihren Abruf zum Aufbau einer Stromversorgung. Aggregate, Zelte, Beleuchtungsmaterial, aber auch Holz und Platten, um beschädigte Gebäude vor möglichen Plünderern zu schützen, gehörten zu ihrer Ausrüstung, wie Görich berichtet.

Zu den Speyerer Feuerwehrleuten im Katastrophengebiet hielt Stadtfeuerwehrinspekteur Peter Eymann Kontakt. „Telefonisch war das kaum möglich“, teilt er auf Anfrage mit. Er habe Lageberichte per E-Mail erhalten. Speyerer Technik habe zum Beispiel dem Bürgermeister der besonders stark betroffenen Ahr-Gemeinde Mayschoß Außenkontakt ermöglicht. Das Dorf war zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Es habe Stunden gedauert, die Speyerer Wehrleute dorthin zu bringen, berichtet Eymann. Unter anderem hätten sie eine Brücke repariert.

Hilfe in Mayschoß

„Es geht dort ums nackte Überleben“, so der Speyerer Katastrophenschützer. Aus Mayschoß stammten die Berichte von der fünfköpfigen Familie, die aufs Dach geklettert sei, als ihr gesamtes Haus von der Flut weggerissen wurde. Es gebe weitere Todesopfer. Die zwölf ersten Wehrleute wurden am Sonntag kurz nach 14 Uhr in der Domstadt zurückerwartet. Sechs weitere sind schon in Mayschoß, wo sie zusammen mit Kameraden aus Frankenthal arbeiten, wie Eymann mitteilt. Mit sechs Speyerern und sechs Frankenthalern, die je 48 Stunden bleiben, sei Hilfe vor Ort bis Freitag gesichert.

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Angepackt

„Wir schwätzen nicht lange, wir handeln und wir packen an.“ Das hat am Sonntag der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau zur Bundeskanzlerin gesagt und den Einsatz „seiner“ Eifeler in der Katastrophe vor Ort gemeint. Für die Helfer aus Speyer, der Pfalz und weiten Teilen des Landes gilt dasselbe. Sie haben nicht gezögert, als sie trotz Hochwassers auch zu Hause um Hilfe gebeten wurden. Es ist unglaublich, was Ehrenamtler leisten!

„Hannibal“ im Einsatz: Speyerer Pumpe links bei der Wasserbeseitigung.
»Hannibal« im Einsatz: Speyerer Pumpe links bei der Wasserbeseitigung.
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