Speyer
Patricks Woche: Das Bademaxx und andere Problemfelder
Bademaxx: Das lange Warten auf die Eröffnung
Mal ehrlich: Wer mag keine Elefanten? Zumindest solange man den Dickhäutern nicht in freier Wildbahn gegenüber steht, sind sie äußerst beliebt. Entsprechend gibt’s Geschichten über rosa Elefanten, über sprechende und fliegende Elefanten und in Speyer auch einen real existierenden roten Elefanten – als Rutschbahn im Erlebnisbad Bademaxx nämlich. Dieser ist jetzt in die Jahre und somit im übertragenen Sinn auf einen Gnadenhof gekommen: Für Kinder ist eine neue Rutsche aufgestellt worden. Allerdings: Es hat sie noch niemand bewundern dürfen, denn das Bad ist Corona-bedingt weiter gesperrt.Die Stadtwerke als Betreiber machen es geschickt. Auf Facebook halten sie die Kunden mit Verlosungen et cetera bei Laune, sodass die wenigen kritischen Kommentare über die andauernde Schließung wie der einer Frau, die schon Anfang Mai ihre Bademaxx-Sauna sehr vermisste, kaum auffallen. Oder im gedruckten Kundenmagazin, das diese Woche an alle Haushalte verteilt wurde: Da wird nicht nur über die Elefanten-Nachfolge-Rutsche, sondern auch über einen neuen Piratenturm für kletterfreudige Kinder im Freibad berichtet. Und über einen neuen Sieben-Meter-Schirm am Mutter-Kind-Becken. Und über ein Spielgerät im Becken. Und über mehr Mietschränke sowie neues Holz in der Sauna. Und, und, und.
Nur: Das Bad bleibt weiter geschlossen. Die Stadtwerke befinden sich da in bester Gesellschaft von Betreibern, für die die nach der Corona-Krise erlaubten Öffnungstermine 27. Mai (Frei-) und 10. Juni (Hallenbad) zu früh kamen. Sie sind aber inzwischen auch deutlich später dran als andere. Noch ist nicht mal ein möglicher Öffnungstermin genannt worden. An etlichen anderen pfälzischen Standorten darf hingegen längst geplanscht werden. Auch in Maikammer zum Beispiel, wo sich die Gemeinde rückversichert hat, dass nicht jedes Wort in den vom Land veröffentlichten Hygienevorschriften auf die Goldwaage gelegt werden müsse: Das „stets“ bei der Überwachung der Abstandsvorschriften sei etwa kein juristisches „stets“, heißt es dort.
Den Stadtwerken Speyer ist eine solche Vorgehensweise zu heikel. Geschäftsführer Wolfgang Bühring steht auch an der Spitze des Landesverbands der kommunalen Unternehmen (VKU), über den sich die Speyerer sehr kritisch mit den Landesvorschriften für Bäder auseinandergesetzt haben. Zuerst wurden die Haftungsrisiken als zu groß eingestuft, dann hat das Land nachgebessert, sodass es nun gehen könnte. Aber immer noch gebe es so viele Ungewissheiten, dass der Speyerer Aufsichtsrat keine Entscheidung treffen konnte. Er will jetzt kommende Woche bei einem Ortstermin klären, wie eine Öffnung konkret aussehen könnte.
Hoffentlich klappt es dann doch irgendwann – und die Öffnung wird nicht zur Halluzination wie der rosa Elefant, den die Engländer nach übermäßigem Alkoholkonsum angeblich sehen. Zumindest bis Freitag hat Petrus den Verantwortlichen in die Karten gespielt, denn in dieser Woche haben angesichts des trüben Wetters nur wenige den Sprung ins kühle Nass vermisst. Aber irgendwann kommt der Sommer mit Wucht, keine Frage. Und dann können nicht alle ins Binsfeld rennen, wo alles nur noch viel unkontrollierter abläuft. Ein Speyerer Bürger hat in einem Brief an die Redaktion diese Woche doch seinen Ärger über die lange Schließung zum Ausdruck gebracht: „Ein Armutszeugnis für eine ,Weltstadt’ wie Speyer. Wo bitte bleibt das Verantwortungsbewusstsein der Verantwortlichen für die Volksgesundheit?“
Bauamt: Die schwierige Zeit nach Bernd Reif
Noch so eine schwierige Aufgabe für die Stadt: Dass Bernd Reif als Leiter des Fachbereichs für Stadtentwicklung und Bauwesen die Verwaltung verlässt und zur Baugenossenschaft wechselt, ist ein schwerer Schlag. Die Oberbürgermeisterin sagt das nicht so offen, auch weil sie im Wahlkampf selbst einen personellen Neuanfang an dieser Stelle gefordert hat. Aber tatsächlich hat Reif über fast ein Jahrzehnt im Rathaus alle großen Stadtentwicklungsprojekte gut gesteuert. Und Experten in diesem Bereich sind eher rar gesät. Da wird es sicherlich Verzögerungen und Verwirrungen geben, bis und wenn eine neue Person übernimmt. Apropos: Nach Speyer umziehen will der Deidesheimer Reif wie auch der zweite neue Baugenossen-Vorstand Oliver Pastor nicht – obwohl er in der Domstadt im Oktober schon den zweiten wichtigen Job antritt: Er sei längst „mindestens zur Hälfte Speyerer“, betonte er schnell. Justizrat Rolf S. Weis, verbliebener Ur-Speyerer im Vorstand der Genossenschaft, grummelte im Scherz zurück: „Und überhaupt, da müsste er erst mal einen Antrag stellen.“
Federvieh: Der neue Job am Dom
Richtig schwierig gestaltet sich das Ankommen für allerlei Federvieh in Speyer. Und für die Feuerwehr bringt das wiederum große Aufgaben mit sich. Sie ist diese Woche nicht nur erneut ausgerückt, um auf einem Domturm geschlüpfte junge Uhus vor Feinden zu retten, sondern war auch wegen zweier Gänsegruppen und einer Entenfamilie gefragt. Der Einsatzschwerpunkt dabei: der Bereich rund um den Schützengarten, wo Speyerbach-Wasser und Speyer-Grün sich Wasservogel-verführerisch nahekommen. In der Feuerwache wundert sich wahrscheinlich längst keiner mehr, wenn wieder mal tierischer Einsatzbedarf gemeldet wird. Beim Domkapitel übrigens auch nicht: Die Speyerer hätten großen Anteil am Schicksal „ihrer“ Uhus genommen und das Bistum stets auch über Neues in Kenntnis gesetzt, heißt es dort. Die Domherren haben die damit verbundenen Aufgaben tapfer angenommen.
Fronleichnam: Das abgespeckte Fest
Noch schwieriger als die Uhu-Frage war diese Woche für das Domkapitel ganz gewiss die Fronleichnam-Frage. Wie kann sich eine singende Prozession in Corona-Zeiten durch Speyer bewegen? Bedauernde Antwort nach genauer Prüfung: gar nicht. Das Fest, bei dem die Katholiken traditionell rausgehen aus den Kirchen, wurde diese Woche trotzdem gefeiert – wenn auch in deutlich abgespeckter Form. Dem Vernehmen nach hat alles gut geklappt. Die Feuerwehr jedenfalls hat keiner rufen müssen, und das Domkapitel war eh schon vor Ort ...