Speyer
Neues japanisches Restaurant „Hinode“ eröffnet nach Corona-Zwangspause
Entspannt wirkt alles beim Besuch der RHEINPFALZ in der Kleinen Pfaffengasse 24. Es riecht nach neuen Möbeln, gestrichenen Wänden. Hell und freundlich sind die Räume eingerichtet, in dem früher das „Caminetto“ beheimatet war, viel Holz ist zu sehen, an den Wänden hängen Bilder mit japanischen Landschaftsmotiven. Der leere Raum strahlt Ruhe aus, ebenso wie Inhaberin Hongming Böhme, die freundlich lächelnd ihr neues Lokal präsentiert. Doch ruhig sei die Lage wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung keineswegs. „Es gibt noch viel zu tun“, sagt Böhme und deutet auf die Holztische. „Zwischen die kommen noch durchsichtige Trennwände“, sagt die 48-Jährige. Auch einige Bilder seien noch nicht geliefert.
Der geradlinige Stil setzt sich in den beiden abgetrennten Gruppenräumen fort – einer für bis zu acht Personen, der andere für bis zu 20. „Bitte Schuhe ausziehen“, steht an einem Schild. In Japan sei das üblich, erklärt Böhme. Für die Gäste würden Schlappen bereitgestellt. Den deutschen Laien erinnern die Gruppenräume vom Stil her an ein Tatami-Zimmer. Doch auf dem Boden muss niemand sitzen. „Das ist in Japan eher in Privathäusern verbreitet“, sagt die Inhaberin. „Dort kann man auch mal die Beine ausstrecken. Auf Dauer so zu sitzen, ist anstrengend.“ Im Restaurant hingegen können die Gäste die Beine unter den Tischen baumeln lassen – anders als in Lokalen in Japan üblich wurde zudem eine Fußbodenheizung eingebaut, so Böhme.
Corona verhinderte Einreise
Wenn sich am Samstag die ersten Gäste an die Tische setzen, müssen die Sitzplätze an der neuen Theke mit dem Sushi-Büffet leer bleiben. „Das geht momentan nicht wegen den Abstandsregeln“, sagt Böhme. Hinter der Theke werden die Mitarbeiter Sushi zubereiten sowie Getränke ausschenken.
Die von Edelstahl dominierte Küche ist noch kalt. Chefkoch Yoshihiro Ohshima steht endlich dort, wo er bereits seit Monaten arbeiten sollte. Am 18. März kam er mit Frau und Kindern am Frankfurter Flughafen an – und musste wieder zurück. Der Familie wurde wegen der Corona-Pandemie die Einreise verweigert (wir berichteten). Jetzt ist Ohshima zunächst alleine in Speyer, seine Familie soll nachkommen. In die Domstadt habe er sich sofort verliebt. „Eine Märchenstadt“, übersetzt Hongming Böhme für ihn.
Die westliche Küche ist dem japanischen Koch nicht fremd – in Tokio habe er unter anderem in französischen und italienischen Restaurants gearbeitet. Spezialisiert sei er jedoch auf Fleischgerichte, ein anderer der drei angestellten Köche wiederum auf Fischgerichte, erläutert die Inhaberin. Ihren Gästen will sie „authentische japanische Küche“ bieten. „Viele Deutsche kennen nur Sushi, aber das ist nur ein kleiner Teil“, sagt die gebürtige Japanerin, die mit ihrem Mann Richard Böhme, der ein Exportunternehmen betreibt, in Römerberg lebt.
Mit Menü experimentieren
Auf der Karte des „Hinode“ steht deshalb etwa auch „Tonkatsu“ – japanisches Schnitzel – sowie Grill- und frittierte Gerichte. Eine Besonderheit seien zudem die vielen selbstgemachten Soßen. Auch Fleisch vom in Japan beheimateten Wagyu-Rind – laut Böhme „das teuerste Fleisch der Welt“ – bietet das „Hinode“ an. Von einigen Gerichten, wie etwa vom frittierten Lachs, würde das Küchenteam zunächst nur eine bestimmte Anzahl von Portionen pro Tag anbieten. Hongming Böhme erklärt das mit der Zubereitung mancher Gerichte, die frisch in speziellen Soßen eingelegt und am selben Tag verzehrt werden müssten.
Auch beim Menü sei sie nicht festgelegt. „Vielleicht trifft nicht jedes japanische Gericht den deutschen Geschmack“, sagt die 48-Jährige. „Wir wollen das Menü ein, zwei Monate laufen lassen und dann schauen, was ankommt.“ Ein paar Gerichte habe sie aus der Take-away-Karte übernommen, mit dem das Restaurant-Team versucht hat, sich während des Corona-Lockdowns über Wasser zu halten. Der Renner: „Teriyaki Chicken“, sagt die Inhaberin lächelnd. Das Restaurant-Menü unterscheide sich jedoch „zu 90 Prozent“ vom Selbstabholer-Angebot. „Viele Gerichte müssen frisch im Restaurant zubereitet und sofort serviert werden“, erklärt sie. Ob sie den Selbstabholer-Service in Zukunft auch anbietet? „Ich sage nicht nein. Aber ich will, dass mein Team sich zunächst in Ruhe einarbeiten und dabei erstmal voll auf die Restaurant-Gäste konzentrieren kann“, so Böhme, die in ihrem Lokal fünf Japaner beschäftigt.
Mit dem Restaurant erfüllt sich die 48-Jährige, die über keine gastronomische Erfahrung verfügt, einen Traum. Nach 20 Jahren im Exportunternehmen, wo sie „sehr viel mit Computern“ zu tun gehabt habe, habe ihr der direkte Kontakt zu Menschen gefehlt. „Das Restaurant ist für mich die Möglichkeit, beides zu kombinieren“, sagt Böhme, die privat auch selbst sehr gerne kocht. Insbesondere freue sie sich auf ihre Gäste, sowohl auf diejenigen, die die japanische Küche erstmals entdecken wollten als auch auf die „Japan-Fans.“ „Von denen gibt es einige in Speyer“, sagt Böhme, die bereits nach bestimmten Gerichten gefragt worden sei. „Ramen“, nennt Böhme ein Beispiel. Die japanische Nudelsuppe wolle sie in der zweiten Woche nach der Eröffnung als Special anbieten. In der ersten Woche stehe „Yakiniku“ auf der Karte, nach japanischer Art auf dem Grill zubereitetes Fleisch.
Öffnungszeiten
- Eröffnung Samstag, 8. August, geöffnet montags 11.45 bis 14.15 Uhr, mittwochs bis sonntags 11.45 bis 14.15 Uhr und 17.30 Uhr bis 22 Uhr, dienstags Ruhetag.
- Telefon 06232 6665222