Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Land: Keine Gnade bei Corona-Fällen in der Asylunterkunft

Umfassende Corona-Auflagen: gelten in Speyer wegen der hohen Inzidenz.
Umfassende Corona-Auflagen: gelten in Speyer wegen der hohen Inzidenz.

Das Landesgesundheitsministerium lässt die Stadt Speyer abblitzen: Es wird bei der Berechnung der Corona-Inzidenz für sie keine Sonderregelung wegen der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) geben.

Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) hatte nach Mainz geschrieben. Ihre Bitte: Die Infektionsfälle in der AfA bei der Inzidenz-Berechnung gesondert zu behandeln, denn sie steigerten den Wert deutlich und machten so unter Umständen verschärfte Allgemeinverfügungen für die ganze Stadt erforderlich, obwohl es sich bei den Betroffenen um einen klar begrenzten, in überwachte Quarantäne genommenen Personenkreis handle. Die Stadt äußerte ihre Sorge, dass „die Stimmung kippen“ könnte.

„Wir können nicht für eine Stadt oder einen Kreis die Inzidenz anders berechnen. Die Berechnung orientiert sich an den Vorgaben des Robert Koch-Instituts und wird bundesweit einheitlich so umgesetzt“, sagt auf Anfrage Kathrin Rümpelein, Sprecherin des Landesgesundheitsministeriums. Dass die Bewohner der AfA – derzeit rund 700 – nicht als Speyerer Einwohner erfasst sind, sei dabei unerheblich. Es gehe nämlich darum, dass „jede infizierte Person sowohl ein individuelles Risiko hat, schwer zu erkranken – verbunden mit einem möglichen Erfordernis einer stationären Krankenhausbehandlung – als auch eigene Kontakte zu anderen Menschen hat, wodurch sich die Dynamik des Infektionsgeschehens verschärft“.

Sonderrolle für US-Militär

Das Speyerer Argument, dass es auch Ausnahmen für Kreise mit vielen stationierten US-Soldaten gegeben habe, greift laut Ministerium ebenfalls nicht: Es seien zwar zwei verschiedene Inzidenzen ausgewiesen worden – eine auf Basis der Einwohnerzahl und eine, bei der dieser Wert um die Soldaten erhöht war –, aber ausschlaggebend sei die erstgenannte Inzidenz gewesen.

In der Speyerer AfA gab es am Freitag 35 infizierte Bewohner, so die stellvertretende Leiterin Tanja Scülfort auf Anfrage. Bis auf zwei Personen, die schon länger in der Unterkunft seien, handle es sich um Neuankömmlinge, die ohnehin von Beginn an in eine zweiwöchige Quarantäne müssten. Betroffen seien mehrere Großfamilien. 33 der 57 Personen im für Neuzugänge reservierten Bereich seien betroffen. Es handle sich dabei oft um Personen, die morgens mit unbekannter Herkunft vor der AfA stünden und Asyl beantragten. Teils würden Einreisen über Frankreich oder Griechenland vermutet. Die zwei Infizierten aus anderen Häusern seien in der Turnhalle isoliert. Schlimme Krankheitssymptome zeige kein Betroffener.

Inzidenz steigt auf 158

Für die Stadt Speyer meldete das Land am Freitag 17 neue Corona-Fälle. Die Inzidenz steigt von 142,4 auf 158,2. Das Gesundheitsamt nennt die Kita Schatzinsel als von mehreren Infektionen betroffene Einrichtung (laut Stadt sechs Fälle).

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