Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Kita Flohkiste: Es geht um die Existenz

Spielen und Entdecken in freier Natur: wichtiger Bestandteil der Flohkiste-Arbeit mit ihren Waldgruppen.
Spielen und Entdecken in freier Natur: wichtiger Bestandteil der Flohkiste-Arbeit mit ihren Waldgruppen.

Die „Flohkiste“ ist als Krippe und Waldkindergarten seit zwei Jahrzehnten eine Besonderheit in Speyer: Sie hat als Träger einen gemeinnützigen Verein, hinter der überwiegend die Eltern der betreuten Kinder stehen. Von ihnen kommt jetzt ein Alarm, der die Finanzen betrifft.

Inflation, Energiekrise, Kita-Gesetz – das Kinderhaus Flohkiste mit Standorten in der Winternheimer Straße und im Stadtwald steht derzeit vor vielen Herausforderungen. Ohne vermehrten Arbeitsaufwand und mehr Spenden sind die nicht mehr zu stemmen: „Wir sind ein privater Verein, das heißt, die Kinderbetreuung wird privat organisiert durch den Verein“, erklärt Paul Philipp Schäfer, der wie Elias Glatzle im Vorstand der Elterninitiative der Flohkiste tätig ist.

„Die Personalkosten werden von der Stadt getragen, allerdings müssen die restlichen Kosten des Kita-Betriebs über die Mitgliedsbeiträge und Spenden generiert werden“, so Schäfer. Das ergebe ein strukturelles Minus von 20.000 bis 30.000 Euro pro Jahr. Und genau da liegt der Hund begraben, denn durch die Energiekrise und die Inflation kämen weniger Spenden herein als benötigt. „Dieses Jahr ist es spürbar, dass die Spendenbereitschaft der Firmen etwas nachlässt“, sagt Schäfer. Glatzle erinnert daran, dass in der Pandemie Veranstaltungen des Kinderhauses wie Feste und Flohmärkte weggefallen seien. „Deshalb haben wir bei Spendenaktionen mitgemacht, die von Großfirmen veranstaltet wurden. Eine große Spende haben wir auch von privat bekommen.“ Außerdem gab es eine Spende von der „Herzenssache“ des Südwestrundfunks. Das alles sei aber in der aktuellen Lage nicht genug.

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Strukturelles Defizit

„Die Schwierigkeit ist, dass diese Spenden zweckgebunden sind, denn die Firmen wollen ja damit werben. Wir brauchen aber auch Spenden für das Großprojekt Flohkiste, um die Defizite zu decken“, so Schäfer. Deshalb starte man einen allgemeinen Aufruf. Es gehe um alles: „damit die Flohkiste weiter bestehen kann“. Letzte Konsequenz für den Fall, dass weiter Geld fehlt oder die administrativen Aufgaben die Möglichkeiten ehrenamtlicher Arbeit übersteigen, wäre laut Glatzle die Übergabe der Trägerschaft an die Stadt: „Das wäre aber auch der Worst Case.“ Der Trägerverein bliebe gerne in der Verantwortung.

Was die Kosten angeht, habe es zuletzt weitere Hiobsbotschaften gegeben. Stichwort: Vandalismus. „Es gab einen Einbruch ins Hauptgebäude“, berichtet Glatzle. Die Kita sei nicht gegen Einbruch versichert. „Es wurde nichts gestohlen, nur beschädigt.“ Allein die beschädigten Türen kosteten rund 5000 Euro. Auch in der Waldgruppe wurde an den Bauwagen randaliert. „Passiert regelmäßig“, bedauern die Väter. Man habe nichts dagegen, wenn die Sitzgelegenheiten mal von Passanten benutzt werden. Die Folgen könnten allerdings teuer werden: Immer wieder seien Müll und Glasscherben zu beseitigen. „Außerdem wurden vor ein paar Tagen die Bänke und der Wagen eingetreten. Die Sonderkosten summieren sich.“

Bürokratie belastet

Hinzu kommt vermehrt Bürokratie. „Durch das neue Kita-Gesetz ist der Aufwand extrem gestiegen“, beklagt sich Schäfer. Das empfohlene EDV-System habe am Anfang massive Fehler aufgewiesen. „Der Aufwand ist extrem, extrem groß geworden.“ Heute funktioniere es ein wenig besser. Der Aufwand bleibe aber so hoch, dass ungefähr eine halbe Stelle für die Bearbeitung nötig sei – das mache eine Frau der Elterninitiative ehrenamtlich, neben ihrer eigentlichen Arbeit. Außerdem sei das System unflexibel. „Wenn zu wenige Kinder da sind, weil etwa Eingewöhnungen laufen, dann gibt es weniger Geld. Wenn zu viele Kinder da sind, ist der Mindestbetreuungsschlüssel nicht gegeben.“ Die Eltern-Kritik: „Das nimmt Ausmaße an, die das Ehrenamt komplett beerdigen, und bedroht die Existenz einer Trägerschaft in Elternhand.“

Schäfer und Glatzle unterscheiden bezüglich ihrer Problemschilderung streng zwischen dem Kita-Gesetz, das auf Landesebene beschlossen wurde und das die Schwierigkeiten in den Kitas verschärft habe – und der Stadt Speyer. Denn die Stadt müsse die Fehler des Landes ja ebenfalls ausbaden. „Die Ursache liegt nicht bei der Stadt Speyer. Bei der Stadt sind wir sehr gut aufgehoben.“ Trotzdem müsse sich etwas ändern. Schäfer: „Einen Plan B gibt es nicht – wir sind zuversichtlich, die Mittel auftreiben zu können.“

Spendenkonto

Kinderhaus Flohkiste Speyer, Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz, Iban: DE42 5479 0000 0000 2156 51.

Zusatzkosten: Vandalismusschaden am Bauwagen.
Zusatzkosten: Vandalismusschaden am Bauwagen.
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