Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Im Impfzentrum soll vor der Schließung viel Betrieb herrschen

Zuletzt vergleichsweise selten geworden: Termine im Impfzentrum Speyer.
Zuletzt vergleichsweise selten geworden: Termine im Impfzentrum Speyer.

Das Impfzentrum in der Stadthalle Speyer ist nur noch bis zum 30. September geöffnet. Die Stadt muss also einerseits seine Schließung vorbereiten und will andererseits verstärkt fürs Impfen werben. „Normale“ Veranstaltungen werden in der Stadthalle aber noch nicht gleich im Oktober stattfinden können.

378 Impfungen waren es in den vergangenen sieben Tagen in der Stadthalle. Von der Kapazität her wären so viele an einem Tag möglich. Das Tempo der Impfungen hat sich verringert. Immerhin: 89 Erst- und 289 Zweitimpfungen haben dazu beigetragen, dass die 30.000er-Marke übersprungen wurde. 30.226 Mal hat es im Impfzentrum seit Eröffnung im Januar Piks gemacht.

Die Speyerer Einrichtung ist eine der kleineren im Vergleich der Kreise und kreisfreien Städte im Land. Zu den neun Zentren, die laut Ministerium über den 30. September hinaus in Bereitschaft bleiben sollen, gehört sie nicht. Dazu zählen etwa Ludwigshafen, Neustadt, Wörth und Kaiserslautern. Auch das Speyerer Mobiliar werde aber griffbereit bleiben, sagt Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) auf Anfrage: „Wir lagern es voraussichtlich im Keller der Stadthalle ein.“ Das habe auch mit den Diskussionen über Auffrischungs- oder „Booster“-Impfungen gegen das Coronavirus zu tun, die erforderlich werden könnten.

Personelle Herausforderungen

Die Stadt war zunächst von einem Betrieb bis Jahresende ausgegangen. Das Aus zum 30. September bringt nun auch personelle Herausforderungen mit sich. Neun Kräfte hatte sie für die Organisation vor Ort eingestellt, weitere kamen aus dem Rathaus-Personal hinzu. Drei der „Neuen“ haben laut Seiler Verträge bis 30. Dezember, die anderen flexibler zu handhabende bis Betriebsende. Es werde nun geprüft, wer wie sinnvoll weiterbeschäftigt werden könne. Die Einstellungen seien damals aus Branchen von Schmuckdesign bis Eventgastronomie erfolgt. Wer früher andere Aufgaben in der Stadtverwaltung hatte, nehme diese teilweise schon wieder wahr.

In der letzten Juliwoche werde es nochmals recht ruhig werden in der Stadthalle, im August womöglich belebter, so die Oberbürgermeisterin. Dann gebe es nämlich die Möglichkeit, ohne Termin geimpft zu werden. „Ich bin überzeugt, dass das etliche Interessenten nutzen werden“, informiert sie. Die Stadt plane verstärkte Werbung dafür, um Speyerer, „die noch unschlüssig sind“, vom Impfen zu überzeugen.

Sonderimpfaktionen geplant

Außerdem werde es weitere Sonderimpfaktionen geben, kündigt die Oberbürgermeisterin an. Ideen dafür würden gerade entwickelt. Sie denke etwa an Impfzelte auf dem Wochenmarkt oder bei Veranstaltungen. Das Land wolle zudem mobile Impfteams in die Kommunen schicken und werde dafür nächste Woche einen Fahrplan erstellen. Es sei etwa an „Besuche“ auf Supermarktparkplätzen gedacht. Speyers Stadtchefin sagt, sie habe den ergänzenden Vorschlag gemacht, Impfaufklärung in Schnelltestzentren zu betreiben. Die Entscheidungen dazu beim Land dauerten wohl noch einige Tage, weil die Hochwasserfolgen an der Ahr viele Kräfte binden.

Auch wenn das Impfzentrum weg ist, wird die Stadthalle noch nicht gleich wieder wie „früher“ bespielt werden, so die OB auf Anfrage. Einerseits seien ohnehin bis Jahresende keine externen Termine vergeben worden. Andererseits wolle die Stadt die schon länger geplante Sanierung des Fußbodens in der Halle nachholen. Vorausgesetzt, dass für den gewünschten Zeitraum Handwerker gefunden werden, würden diese bis Jahresende laufen. Seiler: „Und hoffentlich könnten wir dann mit dem Neujahrsempfang 2022 als erster Veranstaltung starten.“

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Zwei Punkte gegen die Rückkehr

Wird Speyer nochmals sein Impfzentrum öffnen müssen? Hoffentlich nicht.

Es ist okay, dass die Stadt jetzt das rund um Weihnachten 2020 eilig beschaffte Mobiliar für ihr Zentrum in der Stadthalle nicht allzu weit wegräumt. Noch besser wäre es, wenn sie es tatsächlich irgendwann anderswo einsetzen oder gar verkaufen könnte. Dann wäre nämlich erstens entweder die Pandemie im Griff oder das Impfen gegen Corona über den Einsatz niedergelassener Ärzte zu regeln. Und zweitens wäre die Phase der zwar überwiegend gut organisierten, aber vor allem teuren Impfzentren vorbei: Deren Personal- und Raumkosten liefen auch in den vielen Wochen weiter, in denen sie nicht ausgelastet waren.

Am Rande: Kritik an Impf-Bürokratie

„Nicht normal, das Ganze“ – Bert Münzer aus Speyer ärgert sich über die Bürokratie im Impfzentrum. Seine Frau Emmy habe sich im April über die Hotline des Landes für die Corona-Impfung angemeldet. Anfang Juni kam ein Anruf vom Impfzentrum, das ihr einen Termin über die Warteliste der Stadt angeboten habe. Münzer lehnte ab – sie war damals schon bei ihrem Hausarzt geimpft worden – und bat darum, von der Liste genommen zu werden. „Die Mitarbeiterin hat dann einfach aufgelegt, ohne noch weiter nachzufragen“, berichtet ihr Ehemann.

Am Dienstag sei nun ein zweiter Anruf vom Impfzentrum gekommen, bei dem man ihr einen Termin am Mittwoch angeboten habe. Und ein Brief, der am Mittwoch ankam, teilte ihr mit, dass sie sich am Donnerstag impfen lassen könnte. Weil sie sich ursprünglich telefonisch angemeldet hatte, bekam Emmy Münzer keine Registrierungsnummer, um die Anmeldung zu stornieren. Die kam jetzt erst mit dem Brief. „Wir hoffen, dass sie sich damit endlich abmelden kann“, so Bert Münzer, den die plötzliche Flut an Terminangeboten verwundert.

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