Tennis
„Gut spielen können muss man für den Posten nicht“
Herr Deckert, wann und wie sind Sie zum Tennis gekommen?
Als Zehnjähriger habe ich mit dem Tennisspielen angefangen. In den 1980er-Jahren hatte der Tennissport in Deutschland gerade einen Boom mit Tennishelden wie Boris Becker und Steffi Graf erfahren. Vielerorts wurden Tennisvereine gegründet, 1982 auch in Harthausen. Meine Eltern waren Gründungsmitglieder. So haben wir damals auch als Kinder einen Großteil unserer Freizeit auf der Clubanlage verbracht.
Spielen Sie selbst noch aktiv?
Ja, ich spiele einmal pro Woche mit Freunden.
Was hat Sie gereizt, den Vorsitz im TC Harthausen zu übernehmen?
Das Gelände liegt einfach toll, und es macht mir nach wie vor großen Spaß, hier zu spielen. Außerdem hat der Verein Potenzial. Und gut Tennisspielen muss man für den Posten nicht können! Mein Vorgänger hatte länger einen Generationenwechsel in der Vorstandschaft gewünscht. Nachdem 2020 keine Mitgliederversammlung möglich war, konnte im letzten Frühling eine Wahl im schriftlichen Umlaufverfahren unter den Mitgliedern durchgeführt werden.
Sind alle Vorstandspositionen besetzt?
Nein, mehrere Positionen sind unbesetzt. Umso dankbarer bin ich, dass Gudrun Birkle weiterhin ihr Amt der Kassenwartin auszuführen bereit war und mir so mit ihrer langjährigen Erfahrung eine wertvolle Stütze ist. Besetzt werden soll der Vorstand demnächst noch mit einem Sportwart und – was mir besonders am Herzen liegt – einem Jugendwart.
Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage des Vereins im Blick auf Mitgliederanzahl und Spielbetrieb?
Während unser Verein in seiner Hochzeit weit über 200 Mitglieder zählen konnte, gibt es aktuell nur noch eine kleine Gruppe Aktiver. Ein Großteil der aktiven wie auch passiven Fördermitglieder ist zudem im Rentenalter, so dass die Gewinnung von Mitgliedern unsere große Herausforderung für die nächsten Jahre darstellt. Während der Pandemie ließ sich die Anzahl bereits um mehr als zehn Prozent steigern. Aktuell sind es 43 Mitglieder.
Wie wollen Sie neue Mitglieder gewinnen? Haben Sie dabei eine Zielzahl?
Dieses Jahr ist unser 40. Jubiläumsjahr. Wir wollen die Gelegenheit nutzen, tennisinteressierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Dorf auf uns aufmerksam zu machen. Eine Zielzahl habe ich dabei nicht. Ich bin zuversichtlich, dass sich durch eine attraktive Angebotspalette Menschen für den Tennissport begeistern lassen.
Gibt es denn neue Trainingsangebote oder Kurse?
Ab Anfang Mai werden wir an ein oder zwei Wochentagen nachmittags und abends mit Schnupperkursen für Anfänger starten. Wir werden unser Angebot im März auf unserer Website www.tcharthausen.de wie auch in der lokalen Presse veröffentlichen.
Haben Sie schon einen Trainer?
Ja. Stefan Hildebrand. Er ist lizenzierter B-Trainer des Deutschen Tennisbunds sowie des Deutschen Olympischen Sportbunds. Darüber hinaus Cardio-Fitness-Trainer und Ballschulleiter der Heidelberger Ballschule. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Tennisszene und seine Tennisbiografie ist mit dem Tennisclub Harthausen eng verwurzelt. Denn seine Eltern waren auch von Anfang an dabei und genau wie ich hat Stefan in seiner Jugendzeit im TC Harthausen Tennis gespielt – nur eben deutlich besser.
Wie ist die Anlage in Schuss?
Der Verein steht finanziell gut da. Im Herbst haben wir in eine neue Beregnungsanlage für die Plätze investiert, damit der Spielbetrieb gesichert bleibt. Sicherlich wird in den kommenden Jahren auch die ein oder andere Sanierung in unserem Clubheim erforderlich werden. Dem sehe ich aber recht gelassen entgegen, denn auch hier gibt es ein großes Gestaltungspotenzial.
Zwei der vier Plätze waren in den vergangenen Jahren verwaist. Das Gras wuchs darüber. Geben Sie die komplett auf?
Seit einigen Jahren hatte man sich dazu entschlossen, jeweils nur noch zwei Tennisplätze für den Spielbetrieb herrichten zu lassen. Von der Auslastung gab es damals wie heute keinen Bedarf mehr für vier Plätze. Die Lage mitten im Wald führt dann natürlich schnell dazu, dass die Natur sich die Fläche zurückerobern will. Wir halten sie vorerst als Spielfläche für die Kinder vor. Vielleicht ergibt sich in den nächsten Jahren wieder eine Reaktivierung oder man hat eine ganz andere Idee dafür.
Was ist Ihr Plan für den Verein in den nächsten Jahren?
Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, interessierten Menschen im Dorf einen Ort anzubieten, an dem sie ohne Aufwand und ohne weite Anfahrt in ihrer Freizeit ein Breitensportangebot haben und Tennis spielen können. Es ist doch die ureigene Aufgabe von Vereinen, Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung zu bieten und dabei die gebotene Verantwortung für Jugendarbeit wahrzunehmen.
Sie sagten schon, der TCH ist in diesem Jahr 40 Jahre alt. Wann und wie wird gefeiert?
Am 21. Mai wird es auf dem Clubgelände eine Jubiläumsfeier geben. Außerdem haben wir für den 15. Oktober wieder einen Sechs-Stunden-Lauf als Saisonabschlussveranstaltung geplant.
Spüren Sie noch Interesse am Tennis? Ist der Sport noch attraktiv?
Als Tennisidol macht Alexander Zverev doch derzeit einen guten Job. Sicherlich ist heutzutage die Vielfalt an Sportarten und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung sehr groß und nicht mit damals zu vergleichen, als es rund um Boris, Steffi und ein paar anderen den großen Tennis-Boom gab. Dennoch empfinde ich den Tennissport nach wie vor als attraktiv und als kontaktloser Frischluftsport in Pandemiezeiten ein klarer Krisengewinner.