Dudenhofen
Fußball: FV Hanhofen will nach Streit den JFV Ganerb verlassen
„Die Kommunikation mit dem JFV Ganerb ist gestört. Wir möchten die Zusammenarbeit beenden“, erklärt Rainer Horländer, Vorsitzender des FV Hanhofen. Horländer hatte im vergangenen Sommer den Vorsitz beim Fußballverein übernommen. „Der Verein war am Boden. Wir wollten hier wieder etwas aufbauen“, erklärt Horländer. Nachdem die finanzielle Schieflage des Vereins wieder gerade gerückt war, nahm der Vorstand verschiedene Projekte auf. So ließ er die Umkleiden und Duschen renovieren und einen Geräteschuppen errichten. Arbeit, die laut Horländer der Verein „zumeist in Eigenleistung“ vollbrachte.
Bei der Durchsicht der Unterlagen fiel der Blick auch auf den Jugendförderverein, dem der FV Hanhofen als Gründungsmitglied angehört. „Wir wollten wissen, wie viele Jugendliche aus Hanhofen dort Mitglied sind. Schließlich sollen wir ja eine Abgabe zahlen“, erläutert Horländer. Dabei seien ihm andere Unstimmigkeiten aufgefallen: „Der JFV Ganerb hat seit 2014 keine Mitgliederversammlung mehr einberufen. Das verstößt klar gegen die Satzung.“
Austritt beschlossen
Als er diese Informationen mit dem JFV-Vorsitzenden Jürgen Hook habe klären wollen, sei ihm versichert worden, dass dies alles nachgeholt werde, erzählt Horländer. Bis heute habe er allerdings keine Zahlen erhalten. Auf mehrfache Nachfrage habe ihm Hook dann mitgeteilt, dass er keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit sehe. Daraufhin zog der FV Hanhofen Konsequenzen. Ende Oktober beschloss der Vorstand, aus dem JFV Ganerb auszutreten. Im kommenden Sommer soll die Trennung vollzogen werden. Gleichzeitig hat der Verein eine neue G-Jugend installiert und will seine Nachwuchsarbeit selbst in die Hand nehmen.
„Richtig ist, dass wir 2015 die letzte Wahl abgehalten haben“, bestätigt Hook auf Anfrage. Damals sei Ullrich Kühn, Zweiter Vorsitzender des FV Hanhofen, in den JFV-Vorstand gewählt worden. Kühn ist laut Hook 2019 von diesem Amt zurückgetreten. Dass der Jugendförderverein seit 2015 keine Mitgliederversammlung mehr abgehalten habe, sei „ein Fehler“. „Eigentlich war 2020 eine Zusammenkunft geplant, um die vakanten Posten zu besetzen, aber aufgrund der Pandemie konnten wir nicht einladen“, erläutert Hook. Laut seiner Aussage sind die Vereine selbst dafür zuständig zu erfassen, welche jungen Mitglieder beim Jugendförderverein spielten. „Der FV Hanhofen hat seit Bestehen des JFV Ganerb keine Abgaben geleistet“, hält Hook dagegen.
Neue Räumlichkeiten
Roland Klaus, Vorsitzender des FV Dudenhofen, erinnert daran, dass vor allem seine Gelb-Schwarzen die Plätze und Trainingsmaterialien für die Jugendspielgemeinschaft zur Verfügung stellten. Dass der FV Hanhofen aus dem Verbund ausscheren will, bezeichnet er als „traurig“. Hook würde gerne die Zusammenarbeit mit dem FV Hanhofen fortführen, sieht die Basis für die Zusammenarbeit mit Horländer „nachhaltig beschädigt“. Der FVH-Vorsitzende habe interne Informationen verbreitet, das sei so nicht hinnehmbar.
„Beim JFV Ganerb hat sich in diesem Jahr einiges getan“, erklärt Hook. Der Verein hat im Obergeschoss der Dudenhofener Festhalle neue Büroräume bezogen. Der Verein will sich laut Vorsitzendem neu strukturieren. Mit Joel Vögele sei über den Bundesfreiwilligendienst eine Unterstützung gefunden worden. Nico Henrich, Sportlicher Leiter Junioren, ist für die Organisation zuständig. „Wir haben 20 Mannschaften mit rund 450 jungen Spielern, die wir alle unter einen Hut bringen müssen“, erklärt Henrich und verweist darauf, dass im Falle eines Auseinanderbrechens des JFV Ganerb die Arbeit der vergangenen acht Jahre verloren gehen würde. Einige Mannschaften spielen in der Verbandsliga, der höchsten Spielklasse auf Verbandsebene.
Harthausen will weitermachen
Die große Unbekannte in dieser Gemengelage war bis vor kurzem der Dritte im JFV-Verbund – der ASV Harthausen. Laut Statuten des Südwestdeutschen Fußballverbands sind Spielgemeinschaften oder Jugendfördervereine nur möglich, wenn sich mindestens zwei Vereine zusammenschließen. Sollte der FV Hanhofen austreten, bleiben nur noch der FV Dudenhofen und der ASV Harthausen übrig. „Wir wollen an dem Konzept des JFV Ganerb festhalten“, erklärt Nico Eisensteck. Er bezeichnet sich als „Koordinator Fußball“ beim ASV. „Wir haben aktuell keinen Abteilungsleiter“, stellt er fest. Auch beim ASV Harthausen stehen aufgrund der Corona-Pandemie noch Weichenstellungen im Verein aus. Eisensteck: „Für uns ist der JFV eine wichtige Säule im Jugendbereich. Wir wollen uns mehr einbringen.“ Und die Probleme der vergangenen Zeit? „Wir schauen vorwärts. Erst einmal wäre es schön, wenn wir wieder Fußball spielen könnten“, erklärt der Spieler der ersten ASV-Mannschaft.
Kommentar: Es wird eng
Das Tischtuch zwischen dem JFV Ganerb und dem FV Hanhofen ist zerschnitten. Viel ist schlecht gelaufen. Vor allem in der Kommunikation. Einen Schuldigen zu suchen, ist jetzt sinnlos. Anstatt sich auf persönliche Befindlichkeiten und den Austausch von Giftpfeilen zu konzentrieren, sollte der Fokus auf die Leidtragenden dieser Auseinandersetzung, die lange hinter den Kulissen geführt wurde, gerichtet sein: die 450 Kinder und Jugendlichen, die bald wieder Fußball spielen wollen. Hier tun sich bereits neue Probleme auf. 20 Mannschaften brauchen Trainingsmöglichkeiten. Und da die Plätze des FV Hanhofen in Zukunft wohl ausscheiden, wird es eng für den JFV Ganerb. Vielleicht sollte der Verein auch einen Blick in das regionale Umfeld werfen. Aufgrund der Pandemie müssen sich viele Vereine möglicherweise neu aufstellen. Da wäre es sicher nicht von Nachteil, die Fühler nach neuen Kooperationspartnern auszustrecken.
Zur Sache: Unterschiede von JSG und JFV
Während bei der Jugendspielgemeinschaft (JSG) die Spieler juristisch weiter bei ihren jeweiligen Vereinen spielen, ist ein Jugendförderverein (JFV) ein anderes Konstrukt. Wie Michael Monath, Geschäftsführer des Südwestdeutschen Fußballverbandes, auf RHEINPFALZ-Anfrage erklärt, liegen die Spielberechtigungen dann beim jeweiligen JFV. Daher sei eine Auflösung beispielsweise auch deutlich komplizierter. „Bei der JSG können sich die Mitglieder einigen, wer nach der Auflösung welche Mannschaften übernimmt“, erklärt Monath. Beim Jugendförderverein liege die Zuständigkeit für die Mannschaften aber anders. „Die Auflösung eines JFV kann dazu führen, dass alle Spielrechte in den jeweiligen Ligen verfallen“, sagt Monath. Allerdings könne dies im Vorfeld umgangen werden. „Wir appellieren an die Vereine, sich vorher mit uns in Verbindung zu setzen. Dann suchen wir nach möglichst passenden Lösungen für alle Beteiligten“, erläutert Monath.