Speyer
Einzelhändler klagen über Verlängerung des Lockdowns
Michael Schmitt, Geschäftsführer Modehaus Schmitt: „Ich habe kein Verständnis dafür. Wir haben ein ausgefeiltes Hygienesystem, wir haben Plexiglasscheiben, Desinfektionsmittel, FFP2-Masken. Und wir sind nicht so nah am Kunden wie Friseure, obwohl ich für diese vollstes Verständnis habe. Wenn jetzt nach der Schulöffnung die Inzidenz wieder stiege, ginge das nach der neuen Regel zu unseren Lasten. So geht der Handel zugrunde. In meinem Geschäft kann auf 600 Quadratmetern so viel Abstand gehalten werden, wie in keinem Supermarkt. Und Supermärkte dürfen ja auch Textilien verkaufen. Es ist bitter.“
Ulrich Strobel, Inhaber 2-Rad Strobel: „Erst hieß es, ein Inzidenzwert von 50 sei nötig, jetzt sind es 35, und es gibt Hintertürchen: Bei diesem Wert kann es nämlich Lockerungen geben, muss aber nicht. So wird die wirkliche Lage kaschiert. Das hat einen faden Beigeschmack. Ich gehe davon aus, dass das den Lockdown weiter verlängert. Wenn vielleicht Ende Februar das Wetter besser wird, gehen uns so enorme Umsätze verloren. Gerecht ist das nicht.“
Andrea Leibig, Inhaberin Ars-Ludi: „Es wird hart, hart, hart. Man lebt ein Stück weit ins Ungewisse hinein. Irgendwann geht es nicht mehr. Bei uns gibt es immer ein bisschen Geschäft, weil etwa Spielzeug für ein Geburtstagsgeschenk bestellt wird. Zudem sind wir einfallsreich und packen jetzt Beschäftigungstüten. Es muss nur der Wunschbetrag und das Alter der Kinder genannt werden. Probleme bereitet vor allem, dass ich teure Ware für den Weihnachtsmarkt bezahlen musste, der nicht stattgefunden hat. Das ging nur über einen Kredit. Trotzdem respektiere ich die Maßnahmen.“
Matthias Schalk, Inhaber Piaggio-Point Speyer: „In unserem Laden kann es zu keinem Infektionsrisiko kommen, wenn man maximal zwei Personen aus einem Haushalt oder eine Einzelperson reinlassen würde. Das sehen auch mehrere Autohäuser in Speyer so. Denken Sie an die Firma Neubeck, die hat 2500 Quadratmeter und darf nicht verkaufen. Ich darf hier zwar die Werkstatt betreiben, aber nicht mal beraten oder eine Probefahrt ermöglichen. Hohe Warenwerte stehen herum. Wir sind verzweifelt. Viele Geschäfte werden über die Wupper gehen.“
Beatrice Benz-Zacharias, Inhaberin Bea Benz Mode: „Ich habe deswegen heute mit vielen Geschäftskollegen telefoniert, bin sehr skeptisch, ob am 8. März wieder geöffnet werden darf. Präsenzunterricht und Friseure sind jetzt wichtig, das verstehe ich. Kein Verständnis habe ich dafür, dass kleiner Einzelhandel wie bei mir anders behandelt wird als Lebensmittel- und Drogeriemärkte, wo viele nah beisammen sind.“
Patrick Seidel, Geschäftsführer EP-Seidel: „Schwierig zu bewerten. Man hat sich die ganze Zeit an den 50er-Wert geklammert, und jetzt wird plötzlich die 35 aus dem Hut gezaubert. Ich verstehe auch die Politik, weil ja auch das Infektionsgeschehen unklar bleibt. Zum Glück haben wir uns vorbereitet, beraten per Telefon und Whatsapp, haben eine Werkstatt, deren Angebote gut genutzt werden. So können wir es noch eine Zeit lang aushalten, auch wenn wir nicht bei 100 Prozent der normalen Umsätze sind.“