Neunkirchen RHEINPFALZ Plus Artikel Prozess gegen mutmaßlichen Bankräuber gestartet

Der 59-Jährige soll eine Sparda-Bank-Mitarbeiter aufgefordert haben, den Geldautomaten leerzuräumen. Das war jedoch nicht möglic
Der 59-Jährige soll eine Sparda-Bank-Mitarbeiter aufgefordert haben, den Geldautomaten leerzuräumen. Das war jedoch nicht möglich. Der Räuber floh ohne Beute vom Tatort des ersten Überfalls.

Er soll zweimal mit der gleichen Masche vorgegangen sein: Ein 59-Jähriger soll im Dezember erst die Neunkircher Sparda-Bank, im Januar dann die Saarbrücker Sparkasse überfallen haben. Seit Montag wird ihm der Prozess gemacht. Er hat schon wegen Banküberfällen zehn Jahre hinter Gittern gesessen.

Ein 59-Jähriger aus St. Wendel sitzt seit Montagvormittag in Saarbrücken vor Gericht. Der Vorwurf: Er soll die Neunkircher Sparda-Bank und die Saarbrücker Sparkasse überfallen haben. Beute: über 118.000 Euro. Der Staatsanwalt wirft dem 59-jährigen besonders schwere räuberischer Erpressung, erpresserischer Menschenraub und Verstoß gegen das Waffengesetz vor.

Montag, 13. Dezember 2021, 8.12 Uhr. Tatort: Sparda-Bank Neunkirchen.

Alles auf Anfang: Der 59-jährige Angeklagte wartete das Eintreffen der ersten Bankangestellten ab. Die Frau ging zum Hintereingang der Bank, wie immer. Der Angeklagte schlich ihr nach. Er passte das Zufallen der Hintertür ab und folgte der Frau. Schon war er in der Bank. Er bedrohte sie mit einer scharf geladenen Pistole, einer halbautomatischen Kurzwaffe, Kaliber neun Millimeter.

Kurz darauf kam die zweite Angestellte. Er bedrohte sie mit der Pistole und forderte sie wie die erste Dame auf, ihr Handy in den Mülleimer zu legen. Und so wartete er, bis alle fünf Angestellte in der Bank waren. Vier von ihnen drang er ins Büro. Dort mussten sie sich auf die Stühle in einer Reihe setzen. Sie mussten sich mit den Armen einhaken. Aus seinem Rucksack nahm er vorgefertigte Schleifen aus Kabelbinder und fesselte die vier Frauen. Der Bankräuber war höflich zu den Bankangestellten, siezte sie sogar.

Ruhig und bestimmt forderte er von der fünften Angestellten, den Tresor zu öffnen. Doch der war leer. Er wollte dann Geld aus dem Geldautomaten. Die Bank befüllt diese jedoch nicht selbst, dafür sei eine externe Firma zuständig, ließ er sich von einer der Angestellten aufklären. Weitere Versuche, in der Bank an Bargeld zu kommen, scheiterten. Die Angestellte musste sich an die vier Kolleginnen einhaken, wurde ebenfalls mit Kabelbinder gefesselt und aufgefordert, sich zwei Minuten ruhig zu verhalten. Um 08.32 Uhr verließ der Räuber die Bank ohne Beute.

Drei Wochen später, 4. Januar 2022. Tatort: Sparkassen-Filiale Saarbrücken St. Arnual.

Erneut soll der 59-Jährige die erste Bankangestellte abgepasst haben. Dieses Mal an der Sparkassen-Filiale in Saarbrücken St. Arunal. Der Bankräuber bedrohte die Sparkassen-Dame mit der geladenen Pistole, drückte ihr diese in den Rücken. Im Magazin befanden sich zwölf Patronen, wie beim Sparda-Überfall auch Kaliber neun Millimeter. Der Tatverdächtige soll mit der gleichen Art und Weise in der Saarbrücker Sparkasse vorgegangen sein: Nach und nach fesselte er die anderen vier Mitarbeiter und den Angestellten, der zuletzt kam, mit Kabelbinder an die am Arbeitsplatz befindlichen Sichtschutzwände. Die Kabelbinder nahm er aus seinem Rucksack. Sie waren bereits zu Schleifen, ähnlich Handschellen, vorbereitet.

Doch dieses Mal gelang es dem Räuber, an Bargeld zu kommen. Aus dem Tresor packte er Rollen mit 100-, 200- und 500-Euroscheinen in seine schwarze Sporttasche und verschwand mit über 118.000 Euro Beute. Nur wenige Minuten später wurde er jedoch von einer Polizeistreife gefasst, die Beamten verfrachteten den Tatverdächtigen ins Saarbrücker Gefängnis auf der Lerchesflur. Kein unbekannter Ort für den 59-Jährigen. Bereits in den Neunzigern saß er dort für zehn Jahre wegen einer Bankraubserie ein. Der Prozess wird Ende April fortgeführt.

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