Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Grüne fordern Tiny-Häuser für Obdachlose

Wird die Stadt Obdachlosen im Winter Tiny-Houses zur Verfügung stellen? Die Grünen-Fraktion schlägt genau das vor.
Wird die Stadt Obdachlosen im Winter Tiny-Houses zur Verfügung stellen? Die Grünen-Fraktion schlägt genau das vor.

Wenn es nach Saarbrückens Grünen-Fraktion geht, sollen Obdachlosen künftig Tiny-Häuser zum Schlafen in den Wintermonaten zur Verfügung gestellt werden. Ein Antrag dazu soll im Stadtrat diskutiert werden.

Viele Wohnungslose fallen laut Saarbrückens Grünen durch das Raster bestehender Obdachlosenhilfe oder nehmen aus persönlichen Gründen bestehende Angebot nicht wahr. Besonders kritisch wird das in den Wintermonaten. „Der Aufenthalt unter freiem Himmel kann aufgrund der Temperaturen lebensbedrohlich werden“, so der sozialpolitische Sprecher der Grünen im Stadtrat, Thomas Brass.

Die Idee der Fraktion ist es, kleine Häuser aufzustellen, in denen je eine Person wind- und wettergeschützt schlafen kann. Das Projekt soll auf drei Jahre angelegt sein, zunächst sollen zwei solche Tiny Häuser aufgestellt werden. „Die Kosten sind mit rund 30.000 Euro für zwei Häuser und 5000 bis 6000 Euro an laufenden Kosten überschaubar“, findet Brass. In der Winterzeit sollen die Schlafplätze jeweils ab 18 Uhr geöffnet werden, schlagen die Grünen vor. „Sobald ein solches Haus belegt ist, wird automatisch ein Signal übermittelt, sodass Sozialarbeiter über die Belegung informiert sind und die Schutzsuchenden am Morgen aufsuchen können“, führt Brass die Idee weiter aus.

Erste Projektergebnisse aus Ulm

Die Idee der Saarbrücker Grünen-Fraktion ist nicht neu. Brass verweist auf ein ähnliches Projekt in Ulm. Die Erfahrungen dort seien durchweg positiv. „Die Belegungsrate liegt zwischen 85 und 98 Prozent“, nennt Brass.

Wenngleich die Tiny Häuser in den Wintermonaten Wohnungslosen durchaus Schutz bieten, ist den Grünen klar, dass sie kein Dauerzustand sind. „Die Übernachtung in solchen Häusern kann ein selbstbestimmtes Leben in einer Wohnung nicht ersetzen. Daher muss die Stadt dafür Sorge tragen, dass weiterhin ausreichend Wohnraum für Obdachlose bereitgestellt und eine Unterbringung aller Schutzsuchenden in sicheren Wohnungen angestrebt wird“, kommentiert Brass.

Stadt ließ Obdachlosen-Zelte räumen

Es ist indes gar nicht lange her, dass die Stadt Saarbrücken mehrere Obdachlosenzelte an der Westspange räumen. Für die Stadt hagelte es Kritik. Ein obdachloser Mann, der sein Zelt räumen musste, sagte zu Saarbrückens OB Uwe Conradt, dass sich für ihn der Wert einer Gesellschaft daran messen ließe, „wie sie mit ihren Schwächsten umgeht“. Conradt reagierte auf die Kritik mit der Aussage, dass Saarbrücken eine menschenfreundliche Stadt sei und es sehr viele Unterkünfte für Obdachlose gebe. Eine Polizeiverordnung aus dem Jahr 2007 verbiete jedoch das Wildcamping.

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