Mutterstadt
Zwei neue Wohnungen für Flüchtlinge
Vor etwa sechs Jahren hat die Gemeinde Haus und Grundstück für etwa 250.000 Euro in der Ludwigshafener Straße 17 erworben. Es ist eines der wenigen noch verbliebenen alten Häuser in Mutterstadts Ortsmitte, die im Stadtvillenstil gebaut und ortsbildprägend sind. „Das sollte unbedingt erhalten werden. Das Gebäude war aber stark renovierungsbedürftig“, berichtet Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD).
Doch das war nicht der eigentliche Grund, warum die Gemeindeverwaltung ihr Vorkaufsrecht genutzt hat. Mit der Renovierung der Immobilie hat sie zwei weitere Wohnung in Gemeindeeigentum, die sie Flüchtlingen oder aus anderen Gründen in Not Geratenen zur Verfügung stellen kann – eine Investition, die heute dringlicher ist denn je. „Ein weitere Vorteil ist, dass wir mit dem Erwerb des Grundstücks nun auch eine weitere Zufahrt zum Parkplatz an der Neuen Pforte haben, was bei Festen eine enorme Erleichterung ist“, sagt Bürgermeister Schneider. Denn so müssten nicht alle Versorgungsfahrzeuge über die derzeit einzige Parkplatzzufahrt fahren.
Und auch der Mutterstadter Weltladen profitiert von der Immobilie: Im Erdgeschoss waren seit den 1960er-Jahren und bis vor ein paar Jahren Gaststätten. Nach der Sanierung und Umgestaltung ist der ehrenamtlich geführte Laden für faire Handelsprodukte nun dort eingezogen. Der Mietvertrag läuft laut Schneider für zehn Jahre. Die Räume sind bereits bezogen worden. Sie sind größer als im Laden in der Oggersheimer Straße, ebenerdig, und es gibt nun einen kleinen Außenbereich für Veranstaltungen des Weltladens. Am 2. Juni wird von 15 bis 19 Uhr das Eröffnungsfest gefeiert.
Das gesamte Objekt ist in den vergangenen zwei Jahren komplett entkernt und saniert worden, berichtet Stefan Bummel, stellvertretender Leiter der Mutterstadter Bauabteilung. Doch es seien schwierige Umstände gewesen. Wegen steigender Energie- und Baukosten sowie Lieferschwierigkeiten bei Baustoffen liefen die ursprünglich geplanten Kosten aus dem Ruder. Also musste die Gemeinde das machen, was wohl viele Bauherren in den vergangenen Jahren schweren Herzens machen mussten: die Vorhabenliste abspecken. Gestrichen wurden zum Beispiel ein neues Dach und neue Fenster – Dinge, die noch in Ordnung seien, die man aber unter normalen Umständen gleich mit erneuert hätte. Nun habe man sich darauf beschränkt, die zweifach-verglasten Fenster aufzuarbeiten.
Und natürlich gab es auch Überraschungen am Bau, etwa eine Deckenverfüllung im Anbau, die so marode war, dass man laut Stefan Bummel nur von Glück sprechen könne, dass die noch nicht runtergekommen sei. Die ehemaligen Gaststättenräume wurden an die Bedürfnisse eines Ladenlokals angepasst – etwa mit einem Lager- und Personalraum. Laden und Wohnungen sind nun separat zugänglich. Die Zwei- und die Dreizimmer-Wohnung im zweiten und dritten Obergeschoss sind hell, mit neuen Böden und Sanitäranlage ausgestattet. Je nach Familienkonstellation unter den Geflüchteten könnten zwischen zehn bis 15 Personen untergebracht werden. „Es ist als Wohnraum für Flüchtlinge gedacht, schließt aber nicht aus, dass dort auch Menschen unterkommen, die akut obdachlos werden“, betont Bürgermeister Schneider. So lebt zum Beispiel in einer Wohnung derzeit vorübergehend eine Familie aus Mutterstadt, die überraschend ihre Wohnung räumen musste und so schnell keine Bleibe gefunden habe.
Die Renovierung hat die Gemeinde laut Stefan Bummel „komplett aus dem eigenen Gemeindesäckel ohne Fördermittel finanziert“. Das habe den Vorteil gehabt, sich nicht an das starre Vergabekonzept halten zu müssen. Es konnten so mehrere Gewerke zusammengefasst vergeben, und das ohne lange Genehmigungsphase. Auf diese Weise habe man einiges einsparen können, aber auch, weil Dach und Fenster nicht erneuert worden sind. Ursprünglich waren 750.000 Euro für die Sanierung eingeplant, letztlich kostete das alles etwa 500.000 Euro.
Und das Ergebnis kann sich sehen lassen – innen wie außen. Bei der Fassade wurde die ursprüngliche Architektur wieder betont, zum Beispiel, indem der alte Sandstein farblich abgesetzt wurde. Ein alter, in die Fassade eingelassenen Ornamentrahmen wurde erhalten und herausgearbeitet – jetzt umrahmt er das Mutterstadter Wappen, berichtet Bummel. Alles füge sich ganz wunderbar in die Reihe der alten Stadtvillen ein, die – im Gegensatz zu diesem Objekt – denkmalgeschützt sind.