Altrip RHEINPFALZ Plus Artikel Zum Aufhängen: Fledermausprojekt in Altrip

Dieser Baum auf dem Alten Friedhof soll Träger des Fledermauskastens sein. Bei der Übergabe dabei sind (von links) Klaus Eisele,
Dieser Baum auf dem Alten Friedhof soll Träger des Fledermauskastens sein. Bei der Übergabe dabei sind (von links) Klaus Eisele, Imke Krüger, Martin Adamer, Volker Mansky und Kathrin Barsnick.

„Fledermäuse willkommen!“ steht auf einer neu angebrachten Plakette am Altriper Rathaus. Das kleine Schild des Nabu Rheinland-Pfalz zeichnet damit die Gemeinde als fledermausfreundlich aus. Und was heißt das jetzt?

An sich ist Altrip ein Paradies für Fledermäuse und Vögel, denn es gibt noch viele alte Gebäude und Scheunen, die Gegend ist noch nicht so stark versiegelt und der artenreiche Auenwald liefert Nahrung, erklärt Klaus Eisele von der Ludwigshafener Naturschutzorganisation Orbea, der die Plakette „Fledermäuse willkommen!“ mit nach Altrip gebracht hat. Doch wegen der energetischen Sanierung vieler Häuser gingen Wohnräume für Fledermäuse verloren.

Genau da setzt die Aktion der Bürgerinitiative Hochwasser- und Naturschutz Altrip (BIHN) und der Grünen an. „Wir wollten etwas mit Kindern zum Thema Artenvielfalt machen“, erklärt Imke Krüger von den Grünen. Daher hätten sie im Juli Kinder und Jugendliche eingeladen, gemeinsam Fledermauskästen für Altrip zu bauen, denn Fledermäuse brauchen geschützte Räume, in denen sie ruhig schlafen können. 16 Kinder haben sich am 16. Juli am Alten Friedhof getroffen und unter Anleitung fleißig gewerkelt. Herausgekommen sind zehn Fledermauskästen – mit einer speziellen Form.

Martin Adamer von den Grünen erklärt, warum die Kästen diese Form haben. Unten steht ein Brett mit Rillen über, damit die Fledermäuse gut landen können. An diesem Brett krabbeln sie dann in das innere des flachen Kastens, der unten etwas geräumiger ist als oben. Dort hängen sich die kleinen Tiere dicht aneinandergekuschelt kopfüber an die Decke und verbringen so den Tag. Der Kasten ist selbstreinigend, weil nach unten offen. Nur ein Brett verschmälert den Eingang, sodass größere Fressfeinde nicht hineinkommen.

Fledermauskinder spielen

Nach der Bastelaktion haben sich Familien am Abend in einem naturbelassenen Garten am Ortsrand getroffen und in einem Vortrag viel über die nachtaktiven Minisäugetiere erfahren. Nicht nur in der Theorie, sie hatten auch reichlich Gelegenheit, bequem von einer Picknickdecke auf der Wiese aus die Tiere zu beobachten. Denn dort in den Bäumen sind „Wochenstuben“ für Fledermäuse aufgehängt. Das sind Behälter, in denen die Weibchen ihre Jungen aufziehen. Dementsprechend herrschte im Sommer dort emsige Betriebsamkeit. „Da ging es zu wie im Taubenschlag. Wir haben 84 Fledermäuse gezählt“, berichtet Imke Krüger. Interessant sei es gewesen zu erfahren, dass Fledermauskinder spielen und in der Morgendämmerung, wenn sie von der nächtlichen Nahrungsaufnahme zurückkommen, besonders gut zu beobachten sind.

Nun ist es an der Zeit, die Fledermauskästen aufzuhängen. Dafür hat der Altriper Ortsbürgermeister Volker Mansky (parteilos) die Orbea-Fachleute Klaus Eisele und Kathrin Barsnick ins Boot geholt. „Wir kennen uns schon länger. Mir hat imponiert, dass sich Volker Mansky kurz nach seiner Wahl zum Bürgermeister gefragt hat, wie man richtigen Naturschutz macht“, sagt Eisele. Er zeigt Imke Krüger und Martin Adamer nun, wo man Fledermauskästen am besten aufhängt: In drei bis vier Metern Höhe, sodass der Anflugweg frei ist. Es sollten immer einige Kästen in der Nähe hängen, denn Fledermäuse seien soziale Wesen, die auch tagsüber kommunizierten. Wahrscheinlich würden die Kästen hauptsächlich von männlichen Tieren bewohnt, schätzt er. Sie könnten aber auch von kleineren Arten als Wochenstube genutzt werden. Insgesamt 25 Fledermausarten gibt es in Rheinland-Pfalz. Theoretisch könnten alle in Altrip vorkommen. Fledermäuse können bis zu 30 Jahre alt werden. Eisele empfiehlt, die Kästen zu nummerieren, um zu sehen, wie oft und von wem sie genutzt werden.

Mehr Insekten im Garten

Auch Hobbygärtner könnten dazu beitragen, dass sich Fledermäuse hier wohl fühlen, erklärt Kathrin Barsnick und räumt mit einem Vorurteil auf: „Fledermäuse können bei uns in der Region keine Krankheiten übertragen und auch ihr Kot nicht.“ Es müssen nicht gleich Kästen sein, wichtig sei es auch, Insekten Nahrung zu bieten, denn die sind Futter für die Fledermäuse. Am besten pflanze man heimische Blühpflanzen, erklärt die Expertin, und räume den Garten nicht so akribisch auf, denn Laub und Totholz seien wichtig für Insekten.

Die Fledermauskästen haben Krüger und Adamer jetzt noch nicht aufgehängt, das möchten sie mit Kindern tun. Ein Teil soll am Alten Friedhof, ein anderer am Waldpark angebracht werden. Eingeladen zu der Aktion am 1. Oktober um 10 Uhr am Alten Friedhof sind alle, die sich dafür interessieren. Im nächsten Jahr soll es wieder ein Naturschutzprojekt für Kinder geben.

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