VG Römerberg-Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Wo Windkraft möglich wäre

Windenergieanlage: Platz für zehn bis zwölf zusätzliche Windräder wäre in der Verbandsgemeinde, schätzen die Planer.
Windenergieanlage: Platz für zehn bis zwölf zusätzliche Windräder wäre in der Verbandsgemeinde, schätzen die Planer.

In einer Studie ist für das Gebiet der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen untersucht worden, wo Windräder gebaut werden könnten.

Rund 55 Quadratkilometer ist die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen groß. Auf zirka zwölf Prozent davon – das entspricht knapp 660 Hektar – wäre der Bau von Windkraftanlagen prinzipiell möglich. Zu diesem Ergebnis kommt die Windpotenzialstudie, die das Planungsbüro Piske für die Verbandsgemeinde erstellt hat. Alle vier Ortsgemeinden haben demnach Gemarkungsteile, auf denen Windkraft möglich wäre. Zehn Flächen haben die Planer insgesamt ausgemacht, die infrage kämen. Um diese zu finden, haben sie untersucht, welche Gebiete aufgrund gesetzlicher Bestimmungen, wegen Vorgaben der Landes- und Regionalplanung oder mit Blick auf andere planerische Überlegungen ausgeschlossen sind.

Nicht für Windkraft geeignet sind demnach fast alle Flächen zwischen Römerberg und Rhein: Das liegt zum einen an den dortigen Naturschutzgebieten und der als bedeutsam eingestuften Kulturlandschaft „Speyerer Rheinniederung“, aber auch am Speyerer Flugplatz, um den herum Windenergieanlagen ausgeschlossen sind. Auch Flächen nordöstlich der Straße zwischen Berghausen und Dudenhofen fallen deshalb weg. Zwischen Römerberg und Speyer kommt noch ein kleines Wasserschutzgebiet als Hindernis hinzu. Ebenfalls aus Naturschutzgründen ist das direkte Umfeld des Hainbachs zwischen Harthausen und Dudenhofen keine Option für Windkraft.

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Viele Flächen fallen aufgrund der Nähe zu Siedlungen weg. Hier zeigt sich die dichte Bebauung des Verbandsgemeindegebiets. 900 Meter Abstand zu geschlossenen Siedlungen und 600 Meter zu Wohngebäuden im Außenbereich müssten eingehalten werden, erläuterte Planer Ulrich Villinger am Dienstagabend im Römerberger Ortsgemeinderat. Auch Baugebiete, die erst in Zukunft erschlossen werden sollen, wurden berücksichtigt. Zu Straßen, Bahnlinien oder Stromleitungen muss ebenfalls ein gewisser Mindestabstand eingehalten werden. Während die geplante Römerberger Ortsrandstraße bei Überlegungen zu den Potenzialflächen einbezogen ist, wurde auf die derzeit diskutierte Güterbahntrasse zwischen Mannheim und Karlsruhe keine Rücksicht genommen, erläuterte Villinger auf Nachfrage von Herbert Martin Kälberer (SPD). Deren Verlauf stehe ja noch nicht fest und im Zweifel gelte: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Derzeit drei Windräder

Zwei Prozent der Fläche Deutschlands – also grob gesagt dreimal das Saarland – sollen bis Ende 2032 für Windenergie zur Verfügung stehen. Erfüllen die Länder ihre Vorgaben nicht, hätte das zur Folge, dass Windkraftanlagen im gesamten Außenbereich privilegiert zulässig sind. Ganz jungfräulich ist die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen nicht, was Windenergie angeht: Drei Windräder drehen sich auf einer vor Jahren ausgewiesenen Vorrangfläche nahe der B9 zwischen Dudenhofen, Berghausen und Harthausen. Betreiber Juwi hat angekündigt, die Anlagen mit einer Nabenhöhe von rund 100 Metern in den kommenden Jahren durch leistungsstärkere, aber auch deutlich höhere Windräder zu ersetzen. Außerdem sollen im Umfeld noch zwei weitere Windkraftanlagen gebaut werden. Südwestlich von Heiligenstein planen zudem die Stadtwerke Speyer den Bau von voraussichtlich fünf Anlagen mit einer jeweiligen Gesamthöhe von 250 Metern und einer Leistung von je sechs Megawatt. Sie würden sich an die Schwegenheimer Windparks anschließen, wo bereits sieben Anlagen stehen. Planer Villinger schätzt, dass in der Verbandsgemeinde Platz für zehn bis zwölf zusätzliche Windkraftanlagen ist.

Laut Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) ist außerdem eine weitere Windenergiefirma aktiv geworden und versucht Flächen auf Römerberger Gemarkung zu bekommen. Hoffmann wünscht sich auch eine Windkraftanlage in Gemeindebesitz. Damit könnte Strom für kommunale Gebäude wie die Rhein-Pfalz-Halle oder Kitas erzeugt werden. Vor allem für den Betrieb von Wärmepumpen würde die Energie gebraucht.

In vier der zehn Potenzialflächen halten die Planer die Ausweisung von Windkraft-Flächen auch tatsächlich für denkbar: die bereits genutzte Fläche an der B9 sowie die von den Stadtwerken ins Auge gefasste Fläche und die beiden kleineren, nordwestlich davon gelegen Gebiete. Bei den übrigen Gebieten empfehlen die Planer, aus natur- und artenschutzrechtlichen Gründen darauf zu verzichten.

Kaum kritische Stimmen

Günter Walburg (CDU) äußerte Bedenken hinsichtlich Schlagschatten und Geräuschbelastung. Außerdem hat er beobachtet, dass die Schwegenheimer Windräder häufig stillstehen. „Sind da acht, neun neue Anlagen notwendig?“, fragte er. Für Bürgermeister Hoffmann sind solche Einwände unberechtigt: Moderne Anlagen seien so leise, dass man sie nur höre, wenn man direkt darunter stehe. Außerdem seien sie so programmiert, dass sie zu den wenigen Zeiten, wenn die Rotorblätter Schatten auf Wohngebiete werfen würden, stillstehen. „Dazu ist der Betreiber verpflichtet“, sagte Hoffmann. Die roten Leuchten an Windkraftanlagen würden künftig nur angeschaltet, wenn sich auch tatsächlich ein Flugzeug nähert. Auch stillstehende Windräder sind für den Bürgermeister kein Argument gegen solche Anlagen. Spätestens wenn die Kohlekraftwerke vom Netz gingen, würden sie gebraucht.

Einstimmig beschloss der Römerberger Ortsgemeinderat, dass die vier Potenzialflächen, die auf der Gemarkung des Orts liegen, im künftigen „Teilflächennutzungsplan Windkraft“ der Verbandsgemeinde als mögliche Windrad-Flächen dargestellt werden. Auch die Fläche ganz im Süden, bei der die Windpotenzialstudie einen Verzicht wegen der geringen Entfernung zu einem Vogelschutzgebiet empfiehlt, wird aufgenommen. Der Gemeinderat sah darin kein Hindernis: „Dass Windkraftanlagen Vogelschredder sind, ist durch nichts belegt“, sagte Bürgermeister Hoffmann.

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