Bedrohte Naturparadiese (2): RHEINPFALZ Plus Artikel Wo die heimlichen Vögel wohnen

Ein nicht seltener Nahrungsgast in den Woogwiesen zwischen Harthausen und Dudenhofen: der Purpurreiher.
Ein nicht seltener Nahrungsgast in den Woogwiesen zwischen Harthausen und Dudenhofen: der Purpurreiher.

Sie brauchen die Abgeschiedenheit zum Leben: Schilf- und Heckenbrüter wie Neuntöter, Rohrweihe und Purpurreiher. Im Naturschutzgebiet Woogwiesen zwischen Harthausen und Dudenhofen könnten sie einen solchen Lebensraum finden. Doch Reiter, Spaziergänger und Hunde zieht es ebenfalls dort hin.

In der Wildnis lebt es sich beschwerlich und gefährlich. Das ist wohl der Hauptgrund, weshalb der moderne Mensch das Land, auf dem er sich niederlässt, „urbar“ macht: Wälder rodet, Sümpfe trockenlegt, Flüsse begradigt – und Dickicht beseitigt. Kein Wunder also, dass es auf dem Gebiet der früheren Verbandsgemeinde Dudenhofen „fast keine zusammenhängenden Röhrichtflächen mehr gibt“, wie Christiane Brell feststellt. Für die Vorsitzende des Natur- und Vogelschutzvereins Dudenhofen und ihre Kollegen von den Naturschutzvereinen in Harthausen und Hanhofen gilt deshalb das Naturschutzgebiet Woogwiesen als eines der letzten Kleinode seiner Art.

Tiere und Pflanzen leiden

Am Ufer des Hainbachs gibt es zwischen Harthausen und Dudenhofen auf einer Strecke von drei Kilometern ausgedehnte Schilfröhrichtflächen sowie Feucht- und Nasswiesen, die als „Lebens- und Teillebensraum seltener, in ihrem Bestand bedrohter Tierarten“ und als „Standort seltener Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften“ erhalten werden sollen. So steht es in Paragraf 3 der Rechtsverordnung über das Naturschutzgebiet Woogwiesen vom 24. Mai 1985. Seit rund 15 Jahren zählt die circa 13 Hektar (130.000 Quadratmeter) große Fläche außerdem zum EU-Vogelschutzgebiet Speyerer Wald, Nonnenwald und Bachauen zwischen Geinsheim und Hanhofen. Die sogenannten Zielarten, um deren Schutz es dabei besonders geht, sind Neuntöter, Rohrweihe und Purpurreiher.

Möglicherweise ist es die Abwechslung, die Spaziergänger und Reiter weniger zu Gemüsefeldern oder in Wälder, sondern anscheinend zum Hainbach und in das Naturschutzgebiet zieht. Jedenfalls üben Schilfrohr und Rohrkolben selbst im Winter und zeitigen Frühjahr offenbar einen kaum zu widerstehenden Reiz auf Erholungssuchende aus. Es ist auch nicht verboten, die Wege in dem Gebiet als Fußgänger zu nutzen, dabei auch angeleinte Hunde mit sich zu führen. „Doch es sind illegale Wege und Trampelpfade in den Woogwiesen entstanden. Darunter leiden seltene Pflanzen und auch Tiere, insbesondere Vögel während der Brutzeit“, sagte Biologin Christiane Brell.

Vögel werden gestört

Es gibt wenige Schilder, die auf das Naturschutzgebiet hinweisen – eines steht am südwestlichen Rand in Sichtweite des „Vogelkreisels“. Und die Regeln, die auf der Fläche laut der Rechtsverordnung von 1985 gelten, sind nirgendwo zu finden. „Reiten darf man in dem ganzen Gebiet nicht. Es ist auch ein illegaler Pfad mitten durch eine Wiese entstanden“, sagt Christiane Brell. „Es müsste hier ein Sackgassen-Schild aufgestellt werden“, teilt Reinhard Steiger mit, der Vorsitzende des Natur- und Vogelschutzvereins Harthausen. Denn der „offizielle“ Weg vom Vogelkreisel nach Nordosten endet unvermittelt nach einigen Hundert Metern – eigentlich. Doch immer wieder sind Spaziergänger und Reiter an der Stelle nicht umgekehrt, sondern haben sich einen Weg über die Wiese gebahnt.

„Wenn Spaziergänger mit oder ohne Hund und Reiter nah am Röhricht vorbeikommen, werden Vögel, die dort brüten, gestört“, sagt Thomas Dolich vom Verein der Vogelfreunde Hanhofen. Ungefähr 80 Prozent der Piepmätze bauen ihr Nest nicht hoch oben in Bäumen, sondern am Boden oder in Sträuchern. Dieter und Ute Hoffmann vom Harthausener Verein wissen, wenn die Eier auskühlen, weil sie nicht bebrütet werden, geht die Brut verloren. „Bis der Mensch das Tier sieht, hat es ihn schon längst gesehen und ist geflüchtet“, teilt Reinhard Steiger mit. Er appelliert wie seine Kollegen der anderen Vereine an die Bürger, vor allem in der Brutzeit das Gebiet nicht zu betreten und keinesfalls Hunde frei laufen zu lassen. Davon abgesehen kauft sein Verein dort auch Grundstücke, um die Artenvielfalt an Pflanzen durch geeignete Mahd zu erhöhen. Zwei Flächen haben die Mitglieder 2020 erst erworben.

Die Serie

Die Gemarkungen der Gemeinden Dudenhofen, Hanhofen und Harthausen werden seit Anfang der 1950er-Jahre intensiv vogelkundlich von Mitgliedern der drei Natur- und Vogelschutzvereine betreut. Dazu zähl(t)en Willi Aures (Dudenhofen), Georg, Otfried und Thomas Dolich (Hanhofen) sowie Richard, Dieter und Ute Hoffmann (Harthausen). Mit Sorge sehen sie zunehmende Schädigungen von Schutzgebieten durch rücksichtslose Freizeitaktivitäten. In einer Serie stellt die RHEINPFALZ diese Flächen vor.

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