Frankenthaler Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Wie sich Gemeinden ums Energiesparen bemühen

Das Thema Weihnachtsbeleuchung polarisiert. Soll wegen des Energiespargebots in diesem Advent darauf verzichtet werden?
Das Thema Weihnachtsbeleuchung polarisiert. Soll wegen des Energiespargebots in diesem Advent darauf verzichtet werden?

Die Kommunen sollen beim Einsparen von Energie einen Zahn zulegen. Das fordern Landesregierung und Städtetag. Das Ziel: 15 Prozent weniger als in den Vorjahren. Was wurde getan, was ist in Planung?

Einen umfangreichen Katalog von Projekten, die bereits umgesetzt wurden oder noch angegangen werden sollten, legt Markus Pfeffer, Büroleiter der Bobenheim-Roxheimer Verwaltung, vor. Nicht alle Einsparmöglichkeiten ließen sich einfach umsetzen, sagt er und weist darauf hin, dass Firmen und Materialien oft nicht verfügbar seien. „Grundsätzlich greifen wir alle Vorschläge auf, die umsetzbar und sinnvoll erscheinen“, berichtet Pfeffer.

Beschlossen sei, das Rathaus „zwischen den Jahren“, also vom 27. bis 30. Dezember, zu schließen, so wie am Brückentag 31. Oktober. Zusammen ergebe das zehn Tage Pause. Die Klimaanlage des Rathauses ist laut Pfeffer nicht in Betrieb, und die Mitarbeiter sind zur Einhaltung der 19-Grad-Temperatur durch die entsprechende Einstellung an den Thermostaten verpflichtet. Der hydraulische Abgleich der Heizung im Rathaus ist vorgesehen.

Viel Potenzial für Fotovoltaik

Die öffentlichen Brunnenanlagen sind laut dem Büroleiter nach der Hitzeperiode abgeschaltet worden, und Stand-by-Optionen von elektronischen Anlagen wurden, sofern möglich und sinnvoll, minimiert. „Die Klimamanagerin der Gemeinde erstellt zurzeit eine CO2-Bilanz“, so Pfeffer. Dazu gehöre, den Energieverbrauch der kommunalen Liegenschaften zu ermitteln, um dann zielgerichtet tätig werden zu können. Eine Erkenntnis gebe es bereits: Auf den kommunalen Dächern gebe es noch viel Potenzial für Fotovoltaikanlagen; „diese gilt es nun schnellstmöglich zu realisieren“.

Von 1604 Straßenlampen seien 1123 bereits auf LED umgestellt, erklärt Pfeffer. Bei den restlichen soll das bis Jahresfrist geschehen. Geschätzte Kosten insgesamt: rund 240.000 Euro. Die Einsparung der bereits auf LED-Technik umgerüsteten Straßenbeleuchtung betrage immerhin rund 411.000 Kilowattstunden jährlich. Die Flutlichtanlage auf dem Rasenplatz des Sportclubs sei ebenfalls umgestellt, sie könne sogar gedimmt werden. In der Jahnhalle wurde eine raumlufttechnische Anlage installiert und die Temperatur des Heizkessels auf 75 Grad eingestellt. In den Trauerhallen der zwei Friedhöfe wurde die Drosselung der Temperatur auf zehn Grad angeordnet.

19 Grad – wärmer soll’s im Winter in Büros öffentlicher Gebäude nicht mehr sein.
19 Grad – wärmer soll’s im Winter in Büros öffentlicher Gebäude nicht mehr sein.

Nur ein Weihnachtsbaum

Für die Rheinschule habe man einen Förderantrag zum Austausch der Thermostate gestellt, informiert Markus Pfeffer weiter. Die Pestalozzischule hänge an der Heizung der Realschule plus. Gemeinsam mit dem Rhein-Pfalz-Kreis werde der Austausch geplant. Vonseiten der Gemeinde sei noch der Einbau einer Raumluftanlage mit Wärmerückgewinnung und einer Fotovoltaikanlage vorgesehen. „Die Beheizung wird im kommenden Winter voraussichtlich über ein von der Kreisverwaltung angeschafftes und mit Heizöl betriebenes ,Hotmobil’ gewährleistet“, erklärt Pfeffer. In der Adventszeit wird in Bobenheim-Roxheim nur ein Weihnachtsbaum aufgestellt: auf der Festwiese zwischen Rathaus und Kurpfalzplatz. Bisher waren es drei. Auch auf die weihnachtliche Straßen- und Platzbeleuchtung wird weitestgehend verzichtet.

Während man das Abstellen des Warmwassers in Bobenheim-Roxheim wegen der Legionellengefahr kritisch sieht, bleibt es in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim dabei: In den vier Sporthallen der VG kann nicht geduscht werden. Es sei zu aufwendig, die kompletten Warmwasserspeicher auf Temperatur zu halten, meint Bürgermeister Michael Reith (SPD). Er ist nach wie vor der Auffassung, dass die Sportler zu Hause duschen können. Hinsichtlich der Raumtemperatur in den Turnhallen gebe es die Empfehlung 15 bis 17 Grad, in den Schulen und Kindergärten bleibe es bei 22 Grad.

Intelligente Heizungsventile

Für die höchstens 19 Grad warmen Verwaltungsgebäude wurden laut Reith intelligente Ventile bestellt, an denen die Raumtemperatur geregelt werden kann. Ein hydraulischer Abgleich der Heizungsanlagen sei in die Wege geleitet. „Das wird aber wohl in diesem Jahr nichts mehr werden. Da muss man an jeden einzelnen Heizkörper ran“, sagt Reith. In den Schulen der VG seien die professionellen Lüftungsanlagen bereits eingebaut worden, deshalb sollen die Lehrkräfte die Fenster geschlossen halten. Die Anlagen sorgten dreimal am Tag für einen Luftaustausch in den Räumen. Die Rathäuser und – in Absprache mit den Pfarrern – die Kirchen würden nicht mehr außen beleuchtet. Die Weihnachtsbeleuchtung sei Sache der Ortsgemeinden.

Die ganz großen Chancen, als Kommunalverwaltung viel Energie einzusparen, sieht Bernd Eberle (FWG), Ortsbürgermeister in Dirmstein, auf RHEINPFALZ-Anfrage nicht. „An der Vorgabe, die öffentlichen Gebäude nicht mehr als bis 19 Grad zu beheizen, sind wir dran“, sagt er und weist auf den Nachteil hin, dass die Gemeinde viele alte Gebäude mit hohen Räumen besitzt. Zudem sind im Sturmfeder’schen Schloss auch die Musikschule und die Volkshochschule aktiv, und für die gelte die 19-Grad-Verordnung nicht.

Dunkle Straßenzüge im Gespräch

Natürlich sei man in Dirmstein bemüht, überall dort, wo es möglich ist, Energie zu sparen. In den Fluren und nicht genutzten Räumen stünden die Thermostate auf Frostschutz. Über die Dirmsteiner Elektrizitätsgenossenschaft seien die Stadtwerke Frankenthal beauftragt worden zu prüfen, wo und wie bei der Straßenbeleuchtung Strom eingespart werden könne. Das soll bei einer Bürgermeisterdienstbesprechung mit den Energielieferanten besprochen werden. Es sei wohl so, dass nicht stark genutzte Straßen nicht unbedingt beleuchtet werden müssten. Wer am Ende darüber entscheiden wird, weiß Eberle nicht.

Das Sturmfeder’sche Schloss in Dirmstein. Gemeinden mit solchen historischen Gebäuden tun sich schwer mit den Heizkosten.
Das Sturmfeder’sche Schloss in Dirmstein. Gemeinden mit solchen historischen Gebäuden tun sich schwer mit den Heizkosten.

Das Abschalten der Kirchturmbeleuchtung ist ihm zufolge ebenfalls nicht so leicht zu bewerkstelligen, weil sie mit der Straßenbeleuchtung gekoppelt sei. Da die Festhalle noch sehr neu sei, sei diese sehr gut isoliert, sagt Eberle. Und für die Schulturnhalle sei die Verbandsgemeinde verantwortlich. „Da sehe ich schon noch Potenzial“, meint Eberle. In der nächsten Gemeinderatssitzung möchte der Ortsbürgermeister das Thema Weihnachtsbeleuchtung zur Diskussion stellen.

Dicker Pullover ist alles

„Das machen wir nicht“, sagt Herbert Knoll (CDU) auf die Frage, ob an der Straßenbeleuchtung in Lambsheim gespart wird. Das habe rechtliche Gründe, da sei die Gemeinde in der Verkehrssicherungspflicht. Eine Weihnachtsbeleuchtung werde es in Lambsheim geben. Das seien alles LED-Lichter, der Verbrauch sei minimal, so Knoll. Er selbst trage , wenn’s kalt wird, einen dicken Pullover. Mehr sei nicht zu machen.

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