Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Vor 100 Jahren: Separatist Ernst Gumbinger überlebt knapp Attentat

In diesem Haus neben der Roxheimer Kirche wurde früher von den Mallersdorfer Schwestern eine Krankenpflegestation betrieben. Die
In diesem Haus neben der Roxheimer Kirche wurde früher von den Mallersdorfer Schwestern eine Krankenpflegestation betrieben. Die Ordensfraueren retteten einem Attentatsopfer das Leben.

Politische Attentate bei uns in der Region? Kaum zu glauben, aber vor genau 100 Jahren ereignete sich ein solches in Roxheim.

In Speyer tötete am 9. Januar 1924 ein Mordkommando Franz Josef Heinz aus Orbis, genannt „Heinz-Orbis“. Die RHEINPFALZ hat am 11. November vergangenen Jahres in ihrer Wochenendbeilage daran erinnert. Heinz wollte mit Separatisten, die den verschiedensten politischen Richtungen entströmten, die Pfalz an Frankreich anschließen. Die Separatisten standen allerdings ohne französische Hilfe da. Alle im Januar und Februar 1924 verübten Gewaltaktionen gegen sie sind daher weniger heldenhafte Befreiungen als vielmehr Nachtritte gegen ohnehin Besiegte.

Ein weiterer Protagonist der einschüchternden Separatisten ist Ernst Gumbinger, ab 1919 Roxheimer Zweiter Bürgermeister, dem die legalen Behörden am 12. Februar 1923 sein Amt entziehen, was dieser nicht anerkennt. Durch winterliche Abenddämmerung gehen am Mittwoch, 30. Januar 1924, zahlreiche Roxheimer Pendler vom Bobenheimer Bahnhof heimwärts. In der Bobenheimer Straße, etwas östlich des noch heute in Betrieb befindlichen Gashauses, schreit jemand: „Alles stehenbleiben! Die Schüsse gelten dem Separatisten Gumbinger!“ Entsetzt verharren die Fußgänger, und der Genannte läuft um sein Leben. Ein dreiköpfiges Kommando feuert aus Handwaffen hinter ihm her. „Ich bin g’schosse, ich bin g’schosse!“, ruft er verzweifelt. Auf der linken Straßenseite bricht er blutend zusammen und rollt den Abhang hinunter. Die Attentäter – zwei von ihnen sind Roxheimer, wie sich später herausstellen wird – verschwinden und fliehen zunächst nach Norddeutschland.

Ernst Gumbinger wurde ein Vierteljahr nach dem Attentat aus dem Roxheimer Gemeinderat ausgeschlossen.
Ernst Gumbinger wurde ein Vierteljahr nach dem Attentat aus dem Roxheimer Gemeinderat ausgeschlossen.

Tags darauf meldet die Pariser Ausgabe der französischen Tageszeitung „Le Petit Journal“ Ernst Gumbingers angeblichen Tod im Frankenthaler Krankenhaus. In der Tat ist er schwer getroffen worden: Zwei Schüsse perforierten seine Leber, eine Kugel traf die Lunge und eine vierte das rechte Bein. Sein Überleben verdankt er Krankenschwestern der „Religiösen Genossenschaft der Armen Franziskanerinnen von der Familie zu Mallersdorf“, die seinerzeit im ebenfalls noch vorhandenen östlichen Nachbargebäude der Roxheimer katholischen Kirche den Sanitäts- und Krankendienst versehen.

Als der widersetzliche Gumbinger ein gutes Vierteljahr später rechtmäßig aus dem Gemeinderat ausgeschlossen wird, verursacht er einen Tumult. Sein abenteuerliches Schicksal wie auch das seiner Attentäter sind noch immer nicht ins Letzte historisch ausgeleuchtet. Gumbinger stirbt 1952 im Alter von 75 Jahren.

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