Mutterstadt
Neubau im Brunnensee soll Image aufpolieren
Es ist wie ein Déjà-vu, schaut man in die Historie der Wohnkomplexe in der Bleichstraße. Gebaut wurden diese in den 1960er-Jahren, in denen in Deutschland Wohnungsnot herrschte und Siedlungsbau die schnelle und günstige Lösung dafür war. Von Wohnungsnot will man heute zwar noch nicht sprechen, aber der sogenannte Wohnraumdruck steigt seit Jahren. Die Gemeinde braucht wieder Wohnungen für die, die kaum was haben und auf stattliche Hilfe angewiesen sind.
1963 reagierte die Kommune auf die Notlage und baute in der Bleichstraße drei zweigeschossige Wohnhäuser mit insgesamt 30 Wohnungen. „Jedoch in ganz einfacher Bauweise“, erklärte Stefan Bummel, stellvertretender Bauamtsleiter, dem Ausschuss für Soziales. Die Wohnungen waren sehr spartanisch ausgestattet, zum Beispiel gab es nur im Erdgeschoss ein WC und eine Wohnküche. „Die Bauweise wurde damals als Systembau ausgeführt mit geschosshohen Gasbetonelementen mit einer Wandstärke von gerade einmal 15 Zentimetern“, sagt Bummel. Im Laufe der Jahre renovierte die Kommune immer wieder, die Fenster wurden erneuert, die Toiletten zu kleinen Duschbädern umgebaut und zuletzt 2014 eine Gas-/Brennwerttherme eingebaut. Doch die Bausubstanz blieb einfach.
Mehr Platz, mehr Grün
Ende der 1980er- bis Anfang der 1990er-Jahre musste die Gemeinde viele Asylbewerber aufnehmen, die in der Bleichstraße untergebracht werden konnten. Das führte jedoch dazu, dass sich dort und in den angrenzenden Siedlungen ein Ghetto von fremden Kulturen bildete, was die Integration erschwerte. Die Wohngegend hatte schon damals keinen guten Ruf, im Mutterstadter Volksmund war und ist der Brunnensee, der Inbegriff des sozialen Abstiegs. Der Name Brunnensee sei übrigens aus der Gewanne-Bezeichnung abgeleitet worden, erklärt der stellvertretende Bauamtsleiter. Nachdem immer weniger Wohnungen benötigt wurden, wurde einer der drei Wohnblocks 2006 abgerissen, auch um dieses Ghetto-Image zu entschärfen. „Auf dieser Fläche hat zwischenzeitlich der Kreiswohnungsverbands ein Wohngebäude errichtet“, informiert Stefan Bummel weiter.
Dennoch haftet der Wohngegend immer noch ein Makel an. Wer im Brunnensee lebt, der kann kaum tiefer fallen, sagt man sich Dorf. Um dieses Klischee endlich ganz abzustreifen, sollen nun auch die anderen beiden Blöcke fallen und Platz für einen neuen, dreigeschossigen Wohnkomplex schaffen. Dadurch werden 27 Wohnungen entstehen, derzeit stehen 18 zur Verfügung. Mit dem Bau in die Höhe werde die Bebauung entzerrt und es wird Platz für Parkplätze und eine Begrünung geschaffen, erklärt Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD): „Davon profitiert auch das Umfeld.“ Allerdings: 15 der noch bestehenden 18 Wohnungen sind bewohnt. Die Mieter müssen nun für die Zeit des Abrisses und Neubaus in andere Wohnungen untergebracht werden.
Sanierung wäre unrentabel
„Die Umsiedlung wird wohl der größte Spagat werden“, meint die Erste Beigeordnete Andrea Franz (SPD) in der Ausschusssitzung, denn so viele freie gemeindeeigene Wohnungen stünden nicht zur Verfügung. Darum könne sich jeder, der Wohnraum vermieten kann, bei der Kommune melden.
Ein weiterer triftiger Grund für den Neubau ist, dass „eine Sanierung und Modernisierung der Altbebauung wirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist“, sagt Stefan Bummel. Die ersten Pläne für den Neubau stellte er dem Ausschuss vor: Demnach ist dieser dreigeteilt und mit außenliegenden Treppenhäusern verbunden. Da die Wohnungen später mal ausschließlich von Mietern bewohnt werden, die einen Wohnberechtigungsschein haben, müssten bestimmte bauliche Vorgaben beachtet werden. Es wird Ein- bis Vierraumwohnungen geben, die zwischen 27 und 80 Quadratmeter groß sind, der Quadratmeter-Preis wird bei rund 6,40 Euro liegen. „Im Erdgeschoss sind alle Wohnungen barrierefrei“, sagt Stefan Bummel. Es soll auch ein Sozialbüro geben, in dem Sprechstunden vor Ort abgehalten werden können. Das kam bei den Ausschussmitgliedern sehr gut an, da so Hemmschwellen niedrig gehalten und Kontakte gepflegt werden.
Möglichst wenig Energiekosten
Energieeffizienz soll beim Neubau großgeschrieben werden. Geplant sind eine Fotovoltaikanlage, Solarthermie und eine Erdwärmesonde, um möglichst energetisch autark zu sein und die Nebenkosten für die Mieter geringzuhalten. Angestrebt ist eine Energieeffizienz nach KfW 55, die bezuschusst werde.
Der Sozialausschuss stimmte den Plänen zu. Sollten auch Bauausschuss und Gemeinderat grünes Licht geben, kann die Bauabteilung und das Planungsbüro in die Detailplanung und Kostenberechnung gehen. Der Bauantrag soll Anfang 2022 gestellt werden.