Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Naturfreunde: Seit 100 Jahren gesellschaftlich aktiv

Bei den Naturfreunden wird gern Gitarre gespielt und gesungen. Hier eine Gruppe mit Manfred Zimmermann (rechts) auf der Jubiläum
Bei den Naturfreunden wird gern Gitarre gespielt und gesungen. Hier eine Gruppe mit Manfred Zimmermann (rechts) auf der Jubiläumsfeier.

Dass sie nun mehr als 100 Jahre alt sind, haben die Bobenheim-Roxheimer Naturfreunde am Samstag in und an ihrem Haus gefeiert. Auf ihre Geschichte können sie stolz sein.

Im Fußball würde man die Bobenheim-Roxheimer vermutlich einen Traditionsverein nennen. Doch mit diesem Begriff tun sich die Naturfreunde schwer. Trotzdem: Wer 100 Jahre auf dem Buckel hat, der kommt nun mal aus einer anderen Zeit. Das Jubiläum wollte die Ortsgruppe eigentlich im vergangenen Jahr begehen, denn sie wurde 1921 gegründet. Wegen Corona musste das Fest auf dem Vereinsgelände in der Bobenheimer Siedlung verschoben werden.

Werner Reutemann, Kulturreferent der Gruppe, hat sich noch einmal in deren lange und bewegte Geschichte vertieft. Am 22. Juni 1921 trafen sich 14 Bürger zur Gründungsversammlung im Gasthaus Schuhmacher. Wie damals üblich, waren das nur Männer. Bereits zehn Jahre zuvor waren die Frankenthaler Naturfreunde gegründet worden, beide Ortsgruppen arbeiten noch heute eng zusammen.

Recht schnell entfaltete sich ein intensives Vereinsleben. Die Schwerpunkte: Wanderungen, Musik und Gesang. 1924 gründete man ein Mandolinenorchester, das pfalzweit populär wurde. Einen schweren Einschnitt und Rückschlag gab es nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Alle freien Vereine und kirchlichen Verbände wurden unter Zwang aufgelöst und zerschlagen. So auch die SPD-nahe Naturfreunde-Bewegung.

Große Kinder- und Jugendgruppe

14 Jahre lang trafen sich die Mitglieder nur noch im privaten häuslichen Bereich, bevor es am 9. Februar 1947 – initiiert von Willi Frensch und dem früheren Bobenheimer Bürgermeister Adolf Merz (SPD) – zur Wiedergründung der Ortsgruppe kam. Es wurde wieder gewandert und musiziert. In der neuen Kinder- und Jugendgruppe tummelten sich bis zu 150 Mädchen und Jungen. Auch eine Volkstanzgruppe wurde gegründet.

Als Nachteil erwies sich der Mangel an eigenen Räumen. Viele Treffen fanden unter freiem Himmel oder in Privaträumen statt. Gelegentlich wurden Versammlungen sogar in ausgeräumten Waschküchen abgehalten. Auf Dauer jedoch kein Zustand. 1959 fasste der Bobenheimer Gemeinderat den Beschluss, den Naturfreunden ein Grundstück im Erbbaurecht zu übertragen. Die Ortsgruppe wollte ihr eigenes Domizil mit Jugendheim errichten.

Am 29. April 1961 war unter den Vorsitzenden Walter Wilhelm und Arthur Quitzsch erster Spatenstich für das mehr als vier Jahre dauernde Bauprojekt. Zwischenzeitlich ging das Geld aus, doch die Solidarität der Bevölkerung war groß. Eine „Bausteinaktion“ und ungezählte ehrenamtliche Arbeitseinsätze brachten das Projekt zur Vollendung. Am 3. Oktober 1965 wurde das Jugendheim eingeweiht.

Heute kämpft die Ortsgruppe wie viele Vereine ums Überleben. Die Überalterung lasse sich nicht leugnen, sagt Vorsitzender Manfred Zimmermann. „Wir wünschen uns mehr jüngere Mitglieder, aber das ist leichter gesagt als getan. Wir bleiben aber am Ball und arbeiten eng mit unserem Landesverband und befreundeten Ortsgruppen zusammen.“ Neue und attraktive Angebote würden geschaffen. Jugendarbeit sei heute im Wesentlichen „Eventpädagogik“. Dabei müsse man aber das Rad nicht neu erfinden. Zimmermann glaubt an die Zukunft der Naturfreunde.

Ungewisse Vereinszukunft

Auch Werner Reutemann weist in seiner Jubiläumsansprache auf kleine, aber erfolgreiche Neuaufbrüche hin. Dazu zählen die neue Walking-Gruppe und die 2020 von Joséphine Glad wiedergegründete Kindergruppe. Nach der längeren Corona-Pause wird sie nun von der Erzieherin Larah Kolb geleitet. Sie kommt wie Glad aus Großkarlbach und bietet alle 14 Tage eine Gruppenstunde an. Im Schnitt kommen zehn Mädchen und Jungen. „Das ist sehr ermutigend für uns“, betont Vorsitzender Zimmermann. Die Kinder hätten schon einige tolle Aktionen gemacht, zum Beispiel ein Hochbeet aus Holzpaletten gebaut und ein Tomatenbeet angelegt. Jetzt gebe es auch hölzerne Fahrradständer am Jugendheim, das heute Wilhelm-Walter-Haus heißt. „Wir müssen sehen, was uns die Zukunft bringt, aber wir müssen natürlich auch an der Zukunft arbeiten“, sagt Zimmermann.

Heute verstehen sich die Naturfreunde Deutschlands als sozial-ökologischer und gesellschaftspolitisch aktiver Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur. Sie fühlen sich „den Idealen des demokratischen Sozialismus verpflichtet“. Mehr als 65.000 Mitglieder engagieren sich laut Dachverband in 540 Ortsgruppen für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft. In Deutschland gebe es fast 400 Naturfreundehäuser, weltweit seien es 700.

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