Limburgerhof
Monika Drescher organisiert Reisen bis ins hohe Alter
Im Sessel sitzen und den Ruhestand genießen, das könnte Monika Drescher seit gut einem Jahr. Macht sie aber nicht, denn still sitzen, das liegt nicht in ihrer Natur. Die 65-jährige Limburgerhoferin hat knapp 20 Jahre beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in der Verwaltung gearbeitet, erst beim Kreisverband Vorderpfalz, dann beim DRK Rhein-Pfalz in Mutterstadt. Beim Roten Kreuz ist sie auch zum ersten Mal mit begleiteten Seniorenreisen in Berührung gekommen, sie hat diese Bus- und Flugreisen mitorganisiert. Und sie war sofort von dem Konzept überzeugt. Für die Senioren wurden über den DRK-Landesverband einwöchige Reisen angeboten. Mit dabei waren Begleiter, die sich um die älteren Reisenden kümmerten. Das sei bei den Senioren sehr gut angekommen und habe sich rumgesprochen, erzählt Monika Drescher.
Etwa zwei Jahre vor ihrer Pensionierung sollte das Angebot auslaufen. „Aber die Nachfrage war da. Für viele Senioren war das meist noch die einzige Möglichkeit, zu verreisen“, erzählt sie. Die älteren Leute taten ihr leid und fragten Monika Drescher, ob sie nicht eine Idee hätte, wer solche Reisen noch anbieten würde. Also machte sie kurzerhand Nägel mit Köpfen und nahm die Sache selbst in die Hand, schließlich hatte sie ja schon 15 Jahre Erfahrung darin. Und damit alles auch seine Ordnung hat, gründete sie ein kleines Gewerbe – das war ein Jahr vor ihrer Pensionierung. „Im ersten Jahr habe ich eine Reise angeboten, mit 25 Senioren ging es eine Woche nach Bad Kissingen“, erinnert sie sich. Doch das deckte schon bald nicht mehr die Nachfrage. Für dieses Jahr hat sie fünf Reiseziele im Angebot, immer geht es eine Woche lang in eine Kurstadt.
Die Altersspanne bei den Mitreisenden reiche von 65 bis 95 Jahren, der Altersschnitt liegt bei etwa bei 80 Jahren. Die Frauen sind in der absoluten Überzahl. Doch die wenigen Männer, die mit von der Partie sind, gehörten zur eingeschworenen Truppe. Die Herausforderung sei, auf die einzelnen Bedürfnisse einzugehen, soweit es möglich ist. Denn: „Pflegerische Tätigkeiten können und dürfen wir nicht durchführen“, sagt sie. Ansonsten würde den Senioren aber in fast allen Angelegenheiten unter die Arme gegriffen, auch wenn sie Hilfe beim Anziehen benötigen oder zum Beispiel keine Angehörigen haben, die sie zum Abfahrtsort bringen. „Dann holen wir die Senioren auch zu Hause mit dem Auto ab“, sagt Monika Drescher. Die eingeschränkte Mobilität solle kein Hindernis sein: Rollatoren und Rollstühle könnten mitgenommen werden, im Bus habe jeder Reisende zwei Plätze für sich und es würden viele Pausen während der Fahrt gemacht. Auch darum sei es wichtig, dass die Reiseziele in maximal vier Stunden mit dem Bus erreichbar sind, erklärt sie. Des Weiteren sollten die Hotels barrierefreie Zimmer anbieten und man sollte sich im Hotel gut mit Rollatoren bewegen können.
Shopping ist ein Muss
Und nicht nur das: Sie und ihr Mann Markus schauen sich die Städte zuvor genau an und checken sie auf ihre „Seniorentauglichkeit“. Und in diesem Punkt sei zum Beispiel Bamberg durchgefallen. „In der gesamten Innenstadt liegt holpriges Kopfsteinpflaster“, berichtet sie, das sei eine Tortur mit dem Rollator oder Rollstuhl. Zwei bis drei Begleiter sind bei den Reisen dabei, meist sind es Monika und Markus Drescher, ihre Freunde Manuela und Geld Bittel aus Limburgerhof sowie Regina Lamm aus Mutterstadt. Die Hotels liegen immer an oder ganz in der Nähe eines Parks und in Innenstadtnähe. „Denn eines steht immer auf dem Plan: Shopping“, erzählt Monika Drescher. In Gemeinschaft unter Menschen, die man schon gut kennt, mache eine Shopping-Tour noch mal so viel Spaß.
Ansonsten sei das Ausflugsprogramm eher gemütlich gehalten, ein Halbtagesausflug zu einem bestimmten Thema, auch mal eine Schifffahrt oder eine Modenschau im Hotel, die Monika Drescher vor Ort organisiert. „Meine Erfahrung ist, dass es für die Senioren nichts Schlimmeres gibt, als ständig unterwegs zu sein und in den Bus rein und wieder raus zu müssen“, sagt sie. Ihnen genüge es, auch mal an einem Tag nur durch den Kurpark zu spazieren oder („Ein Muss auf jeder Reise“) „Mensch ärgere Dich nicht“ zu spielen. Das Wichtigste dabei sei, dass sie nicht allein sind.
Genau das ist es, wovon auch ihre älteste Mitreisende so schwärmt. Ingeborg W. ist 94 Jahre jung und von Anfang an dabei. „Wir verstehen uns alle so gut, es ist immer eine wunderschöne Zeit. Aber ohne die Hilfe von Monika Drescher und der Begleiter wäre das für mich nicht mehr möglich“, sagte sie, denn sie sei mehr so gut zu Fuß. Die Seniorin hofft, dass sie noch bei vielen weiteren Reisen dabei ist. Auch Elfriede Reinig aus Mutterstadt schätzt es sehr, dass ihr in ihrem Urlaub vieles erleichtert wird. „Ich weiß, dass man sich um mich kümmert“, sagt sie und das sei ein gutes Gefühl. 2016 ist sie das erste Mal mitgereist, zusammen mit ihrem damals schon kranken Mann, kurze Zeit später ist er verstorben. „Nun reise ich allein mit, bin aber nicht allein“. Das tue ihr so gut, dass sie zwei bis dreimal im Jahr dabei sei.
Unter den Reisenden hätten sich schon etliche Freundschaften gebildet, „denn die meisten fahren alle Jahre mit“, erzählt Monika Drescher. Auch sie selbst hat mittlerweile eine enge Bindung „zu ihren Senioren“. „Es ist einfach immer eine schöne Sache, die Leute so zufrieden und glücklich zu sehen“, sagt sie. Das entlohne den ganzen Papierkram, den ein Gewerbe so mit sich bringe. Derzeit sei es eine Herausforderung, die Reisekosten im Blick zu haben. Alles sei teurer geworden. „Doch ich möchte, dass die Fahrten auch für die Senioren erschwinglich bleiben, die nur eine kleine Rente haben“. Bisher sei es ihr gelungen – wohl dank ihres Organisationstalent. Das kommt ihr privat zu gute. Monika Drescher ist Oma von drei kleinen Enkelkindern – das vierte ist schon unterwegs. Das hat man eigentlich gut zu tun. „Aber solange ich das gesundheitlich noch schaffe, werde ich für meine Senioren die Reisen organisieren.“
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