Maxdorf
Landfrauen auf Insta: Hier geht’s nicht um x-tausend Follower
Der Raum in der Maxdorfer Hauptstraße 66 füllt sich langsam, Frauen jeden Alters stehen in Grüppchen zusammen, erzählen miteinander und deuten hin und wieder auf die Tische. Dort liegen Trockenblumen in etlichen Farben und Sorten neben zu Kreisen gebogenen Drähten. An der Garderobe hat Kursleitern Manuela Moll ein paar fertige Exemplare aufgehängt – als Motivation: „Trockenblumenkränze im Boho Stil selbst machen“ ist der Titel des Landfrauenkurses. Und gleich soll es losgehen. Doch zuvor hebt Anne Katrin Oberdorf ihr Handy wie für ein Selfie in die Höhe, richtet sich schnell die Frisur und drückt auf Aufnahme. Sie möchte in einer Story, einem Kurzfilm, von dem Kurs auf Facebook und Instagram berichten. Sehen können diese Story dann alle, die den Landfrauen Maxdorf auf den Social-Media-Kanälen folgen beziehungsweise mit ihnen „befreundet“ sind.
Seit vielen Jahren sind die Maxdorfer Landfrauen schon auf Facebook präsent, nun erobern sie seit Anfang des Jahres Instagram: „Unsere jüngeren Mitglieder sind nicht mehr in Facebook aktiv“, nennt Anne Katrin Oberdorf den Grund. Die junge Frau stammt aus Maxdorf, schon ihre Oma war Landfrau, das verbindet, darum ist sie dem Vorstandsteam treu geblieben, obwohl sie derzeit in Marburg lebt. Die Insta-Premiere sei ein Countdown zu Fasnacht gewesen. Es war eine Art Testballon. „Wir wollten herausfinden, was wahrgenommen wird, wie die Reaktionen sind und ob unsere Mitglieder mehr über diese Kanäle erfahren wollen“, sagt die 28-Jährige. Die Reaktionen seien bisher durchweg positiv gewesen. „Für uns ist es eine tolle Möglichkeit, nicht nur unsere Mitglieder schnell über das zu informieren, was war und was noch an Kursen und Veranstaltungen geplant ist, sondern sich so auch mit Landfrauen in der Umgebung auszutauschen.“ Oder auch deutschland-, theoretisch sogar weltweit.
„Reallife“ ist wichtiger
„Das wäre natürlich super, aber ist gar nicht das Ziel“, sagt Anne Katrin Oberdorf, die IT-Beraterin ist. Mit den Posts und Storys heischt das Team also nicht nach x-tausend Followern, es nutzt viel mehr die neuen Möglichkeiten, ihre Mitglieder zu erreichen, neuen Input zu bekommen, dabei aber nie das aus den Augen zu verlieren, was die Landfrauen ausmacht: gemeinsam, was erleben und auf die Beine zu stellen – und das ganz real.
So wie an diesem Abend: Der Kurs findet zum zweiten Mal in Maxdorf statt – und das indirekt dank Instagram. „Trockenblumen stecken, das kannten die älteren Mitglieder von früher und sie winkten bei dem Thema ab. Von unseren jüngeren Mitgliedern erfuhren wir über Insta, dass das derzeit total im Trend ist“, erzählt die junge Frau. Letztlich kamen alle Altersgruppen zum Kurs.
„Genau diese tolle, bunt gemischte Gemeinschaft ist erst das, was uns so viele Jahre zusammenhält“, sagt Heidemarie Berenz. Sie ist seit den 70er-Jahren bei den Landfrauen Maxdorf aktiv, war zeitweise auch Vorsitzende und zweite Vorsitzende und hat all die Veränderungen erlebt, wie die Landfrauen auf ihr Engagement aufmerksam machen. „Von Anfang an war es das Amtsblatt und die Zeitung – und die Mundpropaganda“, sagt die 75-Jährige, „und so informieren sich noch heute viele Mitglieder.“ Mit dem Internet und Social Media kamen neue Wege hinzu. Und dass die Landfrauen ein Gespür für neue Trends haben, das beweisen sie seit Jahrzehnten mit ihren Kursen zu den Themen Ernährung, Gesundheit und Kreatives.
Youtube muss nicht sein
So gesehen ist es also gar nicht so erstaunlich, dass nun Beiträge, Storys und Reels auf Instagram gepostet werden. „Und die meisten unserer Mitglieder finden es toll, dass wir so unsere Arbeit präsentieren“, sagt Anne Katrin Oberdorf, wohlwissend, dass die Älteren so gar nichts damit anfangen können. Aber so ganz weit weg von Internet und Co seien auch sie nicht. „WhatsApp nutzen fast alle, schon lange haben wir eine WhatsApp-Gruppe als weitere Info-Möglichkeit. Und hier posten wir auch unsere Storys und Reels“, sagt sie.
Da wäre der logische Schritt Youtube, oder? Abgeneigt ist Anne Katrin Oberdorf nicht, „aber Social Media ist auch sehr zeitaufwendig“. Dafür fehle im Moment noch ein Quäntchen Frauenpower und Motivation. In Youtube-Videos könnten zum Beispiel Koch- oder Bastelanleitung gezeigt werden, aber das mache deutlich mehr Arbeit. „Für unsere Sache, schnell zu informieren, ist Instagram ein guter Weg, Youtube wäre keine Verbesserung“, sagt sie. Zunächst soll es also bei Instagram bleiben, aber das sei ausbaufähig: „Wir haben die Idee, zum Beispiel das Wissen unserer erfahrenen Frauen in Haushaltsfragen für nützliche Tipp und Tricks zu nutzen und kleine Beträge zu posten“, sagt Anne Katrin Oberdorf. Typisch Landfrau eben und doch mit der Zeit gegangen!
Jubiläum
In diesem Jahr feiert der Maxdorfer Landfrauenverein sein 70-jähriges Bestehen am Sonntag, 23. Oktober, um 11 Uhr im Carl-Bosch-Haus mit einem Festakt.