Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Kirchen gegen rechts: „Als Christ wählt man nicht AfD“

Politisches Bekenntnis vor der katholischen Kirche in Dudenhofen: am Samstag aufgehängtes Banner der Aktion „Wir sind bunt!“
Politisches Bekenntnis vor der katholischen Kirche in Dudenhofen: am Samstag aufgehängtes Banner der Aktion »Wir sind bunt!«

Am Wochenende haben Katholiken und Protestanten in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen die Aktion „Wir sind bunt!“ gestartet.

Seit das Recherche-Netzwerk Correctiv Informationen über ein Treffen von Rechtsradikalen publik gemacht hat, an dem auch AfD-Politiker teilnahmen, sind in ganz Deutschland hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen einen Rechtsruck in der Gesellschaft zu demonstrieren. Die obersten Kirchenvertreter in der Pfalz haben sich hinter die Proteste gestellt. Und auch Christen in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen finden, dass es Zeit ist, deutlich Position zu beziehen. „Wir sind bunt!“ nennt sich die Aktion „gegen Rechtsextremismus und den Rechtsruck in der Gesellschaft, gegen Hass, Hetze und Ausgrenzung“. Sie geht zurück auf eine Initiative des katholischen Pfarrers Jens Henning und Pfarreiratsmitglied Heike Vogt.

Beide treiben rechte Tendenzen in der Gesellschaft schon länger um. Er habe die Sorge vor dem Rechtsextremismus bereits in seiner Weihnachtspredigt angesprochen, berichtet der Pfarrer. „Ich habe in meiner Zeit in Südafrika Rassismus erlebt“, sagt er. Damals sei er von manchen Weißen für seine Arbeit mit der schwarzen Bevölkerung angefeindet worden, erklärt er, warum das Thema für ihn auch eine persönliche Dimension hat. Auch Heike Vogt, die sich in der Pfarrgemeinde engagiert, hegt schon länger den Wunsch, auch als Christ und Kirchenmitglied klar Position zu beziehen. „Durch den Rechtsruck haben sich rote Linien verschoben“, hat sie beobachtet.

Eine Woche Vorlauf

Nachdem es auch aus dem übrigen Pfarreirat Zustimmung gab, stampfte ein kleines Team um Vogt und Henning binnen nur einer Woche die Aktion „Wir sind bunt!“ aus dem Boden. Und damit diese auf einer möglichst breiten Basis steht, wurden auch die protestantischen Kirchengemeinden in Dudenhofen und Römerberg mit ins Boot geholt. Volker Glaser, evangelischer Pfarrer in Dudenhofen, betont: „Jeder Mensch ist das Ebenbild Gottes und hat damit die gleiche unantastbare Würde. Völkisches und rassistisches Gedankengut ist daher entschieden abzulehnen.“ Und Jens Henning sagt klar: „Als Christ wählt man nicht AfD.“

Bis zum vergangenen Samstag sollten vor allen Kirchen in der Verbandsgemeinde Banner der Aktion hängen. Außerdem verteilten die Gemeindemitglieder Plakate zum Beispiel an Geschäfte. Aber damit nicht genug: Auch alle Bürger sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Bettina Beyerle, evangelische Pfarrerin in Römerberg erklärt, wie das geht. „Alle Menschen in Dudenhofen, Hanhofen, Harthausen und Römerberg sind eingeladen, ein buntes Band gut sichtbar an ihrem Haus oder ihrer Wohnung anzubringen“, sagt sie. Die Bänder gibt es seit dem Wochenende bei den Pfarr- beziehungsweise Kirchengemeinden gegen einen Kostenbeitrag von einem Euro. „Man kann aber auch einfach ein Band, das man bereits zu Hause hat, dafür nutzen“, erklärt Beyerle. „So werden die Straßenzüge in unseren Orten nach und nach bunter. Dafür brauchen wir viele, die gemeinsam mit uns Farbe bekennen.“

Den Anfängen wehren

Für die katholische und evangelische Kirche in Dudenhofen, Hanhofen, Harthausen und Römerberg sei klar: Zwischen rassistischen und rechtsextremistischen Ideenwelten und christlicher Nächstenliebe gibt es einen grundsätzlichen Widerspruch, schreiben die Initiatoren. Dass die AfD im Speyerer Umland politisch bislang kaum eine Rolle spielt und auch sonst wenig von rechtsextremen Umtrieben zu spüren ist, heißt für Pfarrer Jens Henning nicht, dass keine Gefahr droht: „Wehret den Anfängen“, findet der Geistliche. Den Kirchen sei schließlich nach dem Krieg auch vorgeworfen worden, sich 1933 nicht gegen die Nazis gestellt zu haben.

Die Frage, ob der Aufruf an die Gemeindemitglieder, privat bunte Bänder aufzuhängen, nicht die Gefahr birgt, dass sich mancher zu einem politischen Bekenntnis genötigt sieht und dass die gesellschaftliche Spaltung noch vertieft werden könnte, verneint der Pfarrer. „Es geht um ein positives Zeichen“, findet er. Wer nicht mitmache, sei deshalb nicht gleich AfD-Wähler. Mancher wolle sich vielleicht auch wegen des aktuell schlechten Ansehens der Kirche nicht anschließen. „Geoutet“ hat sich dem Geistlichen gegenüber noch kein Wähler der rechten Partei. Wie würde er in einem solchen Fall reagieren? „Ich würde immer in die Diskussion gehen, an das Gewissen appellieren und versuchen, denjenigen vom christlichen Menschenbild zu überzeugen“, sagt er. Er hoffe, mit der Aktion Protestwähler wachzurütteln und zum Nachdenken zu bewegen. „Die harten Rechtsextremisten wird man dadurch wohl nicht überzeugen“, befürchtet er.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Pfarrgemeinde in gesellschaftlich-politischen Fragen klar Position bezieht. Nicht parteipolitisch, aber politisch im Sinne des Einstehens für Menschenrechte soll die Kirche nach Ansicht von Pfarrer Jens Henning sein. Mit Regenbogenfahnen vor den Kirchen hat er schon in der Vergangenheit Zeichen einerseits für Frieden, andererseits aber auch für Diversität und die Rechte von Homosexuellen gesetzt. Offene Kritik daran ist dem Pfarrer noch selten zu Ohren gekommen. „Einmal habe ich einen bösen Brief bekommen“, erinnert er sich. Allerdings berichtet Henning auch, dass die Regenbogenfahne vor der Kirche in Berghausen vor ein paar Tagen gestohlen wurde – und zwar bereits zum dritten Mal. „Wir hängen wieder eine auf“, gibt er sich trotzig. „Wir lassen uns nicht einschüchtern.“

Im Netz

Weitere Informationen zur Aktion und wie man sich beteiligen kann, gibt es unter www.pfarrei-dudenhofen.de.

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