Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Impfbus-Aktion: „Können uns vor Impfwilligen nicht retten“

Geduldig warten die Impfwilligen am Impfbus vor dem Penny-Markt in Bobenheim-Roxheim.
Geduldig warten die Impfwilligen am Impfbus vor dem Penny-Markt in Bobenheim-Roxheim.

Auf seiner Tour durch Rheinland-Pfalz hat einer der sechs Impfbusse des Landes am Mittwoch am Penny-Markt in Bobenheim-Roxheim Halt gemacht. Der Andrang war beachtlich, die Stimmung dennoch entspannt. In die Schlange reihten sich Jüngere und Ältere ein. Dass sie sich für das mobile Impfangebot entschieden, hatte unterschiedliche Gründe.

„Wir können uns vor Impfwilligen nicht retten“, sagt Monika Drescher vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Das Land hat sich für die Koordination der Impfaktion den Landesverband des DRK in Mainz mit ins Boot geholt. Er DRK bekommt die Termine vom Land und organisiert dann genügend Helfer für den jeweiligen Tag. Die Impfbusse wurden von der Firma Bohr Omnibusse und Touristik aus Lautzenhausen (Rhein-Hunsrück-Kreis) auf eigene Kosten umgebaut und dem Land zur Verfügung gestellt. Im Innenraum wurden einige Sitze entfernt, um Platz für Kabinen zu schaffen. Auch zwei Liegen gibt es im roten Impfbus.

Keine Diskussion mit Impfgegnern

Der Impfstoff wird aus den nächstliegenden Impfzentren geliefert. Heute werden die Vakzine von Biontech sowie Johnson & Johnson angeboten. Der Wirkstoff von Biontech kommt bereits in der Spritze aufgezogen an, weshalb das DRK ihn mehrmals am Tag je nach Nachfrage ordert. „Wir wollen nichts wegschmeißen“, erklärt Drescher. Die Leute kämen spontan und auch von weiter her vorbei. „Mancher ruft sogar noch Bekannte an, damit sie vorbeikommen.“ Es seien an anderen Standorten auch schon Impfgegner an den Bus gekommen, um Stimmung gegen die Aktion zu machen. „Wir führen da keine Diskussionen“, macht Drescher klar.

Eine Frau mittleren Alters nähert sich der Schlange. „Ich habe irgendwie Angst vor der Impfung“, sagt sie. Berichte über Thrombosen bei Frauen hätten sie verunsichert. Sie holt sich Rat bei Damen aus der Warteschlange, um zu erfahren, für welches Vakzin sie sich entscheiden. „Ich bin heute hier, weil ich schon 16 Wochen auf meinen Impftermin beim Hausarzt warte“, erklärt Anne Bügel aus Carlsberg. Ihre Erstimpfung hat sie im Impfzentrum bekommen, jetzt will sie sich schnell und unkompliziert den vollen Schutz im Impfbus holen. „Man fühlt sich auch einfach sicherer“, sagt sie. Ein wenig muss sie sich aber noch gedulden – Biontech ist gerade aus. „Ich warte jetzt auf den goldenen Koffer mit dem Impfstoff“, sagt Bügel und lacht.

„Wann lässt du dich impfen?“

Ulrich Bons kommt eigentlich aus Gelsenkirchen im Ruhrgebiet und verbringt gerade ein paar Tage bei seinem Vater in der Pfalz. „Bei uns gab’s bisher nur Impfen mit Termin, darauf hatte ich keine Lust“, sagt er. Er geht gerne campen und will sich nicht mehrmals pro Woche dafür testen lassen. „Man wird da doch etwas erpresst“, findet er. Sein Vater, der ihn begleitet und schon geimpft ist, ist froh, dass er seinen Sohn doch noch zum Schutz überreden konnte. „Man ist danach einfach befreiter“, sagt er.

Klaus Unverzagt wurde von einem Freund auf die Busaktion hingewiesen. „Bisher habe ich mich nicht so recht zum Impfen aufraffen können, aber jetzt bringe ich es endlich hinter mich“, sagt der 68-Jährige. Freunde und Bekannte hätten ihn immer wieder auf die Impfung angesprochen. So geht es auch Dirk Wolf aus Worms. „Man wird ständig gefragt: ,wann lässt du dich impfen?’“, erzählt der 25-Jährige. Er sei am Anfang noch unsicher gewesen, weil die Corona-Impfstoffe neu sind. Er habe aber auch keine Lust mehr gehabt, sich immer wieder testen zu lassen. „Das brennt den ganzen Tag in der Nase.“ Wegen seiner Arbeitszeiten habe er es nicht ins Impfzentrum geschafft. „Heute habe ich frei, dann passt das hier.“

Termine müssen für den Impfbus nicht vereinbart werden. Geimpft wird von 8 bis 12 sowie von 14 bis 18 Uhr. Interessierte müssen sich nur mit Personalausweis anmelden, ein Formular ausfüllen und sich vor dem Bus in die Schlange stellen. Die ist fünf Minuten nach Impfstart am Nachmittag schon beachtlich lang, 16 Menschen – vom Jugendlichen bis zum Rentner – warten geduldig darauf, in den Bus zu steigen, wo dann das Aufklärungsgespräch und der Pieks stattfinden. „Wir haben jetzt zwei Ärzte vor Ort, weil einer nicht mehr ausreicht bei dem Andrang“, erklärt Drescher. Nach der Impfung warten die Impflinge noch die obligatorischen 15 Minuten für den Fall, dass jemand empfindlich auf die Impfung reagiert – falls nötig, werde die Person sofort von einem Sanitäter vor Ort medizinisch versorgt, sagt Drescher. Das komme aber selten vor.

Zweitimpfung im Impfzentrum

Die Zweitimpfung können sich diejenigen, die sich für das Vakzin von Biontech entschieden haben, bereits drei Wochen später in einem Impfzentren, etwa in Frankenthal oder Schifferstadt, abholen. „21 Tage sind bei der Zulassung des Impfstoffs vorgeschrieben worden“, erklärt einer der anwesenden Ärzte. Dass zuvor fünf bis sechs Wochen Abstand bis zur Zweitimpfung galten, lag an der Impfstoffknappheit in den ersten Wochen der Impfkampagne. Wer sich für den Impfstoff von Johnson & Johnson entscheidet, gilt zwei Wochen nach der Impfung bereits als vollständig geimpft.

Am Ende des Tages wurden 124 Impfdosen vor dem Penny-Markt verabreicht. Wer den Impfbus verpasst hat, für den hat Drescher vom DRK noch einen Tipp: „Die Impfzentren sind offen und impfen ohne Termin. Dort kann jeder einfach hingehen.“

Ulrich Bons ist zu Besuch in der Pfalz und holt sich bei der Gelegenheit die Corona-Schutzimpfung.
Ulrich Bons ist zu Besuch in der Pfalz und holt sich bei der Gelegenheit die Corona-Schutzimpfung.
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