Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel IG Metall ehrt langjährige Mitglieder

Die Jubilare der IG Metall trafen sich im Mutterstadter Palatinum.
Die Jubilare der IG Metall trafen sich im Mutterstadter Palatinum.

48 Mitglieder der IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal sind der Einladung zur Ehrung für ihre langjährige Mitgliedschaft gefolgt. Ein Jubilar freut sich über seine Ehrung ganz besonders: Der 91-jährige Otmar Hellwig hält der Gewerkschaft seit nunmehr 75 Jahren die Treue.

Festlich gedeckt waren die Tische im Palatinum Mutterstadt, als Birgit Mohme, die neue Geschäftsführerin der IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal, ihre Gäste willkommen hieß. Ein schwieriges Jahr sei vergangen, aber Corona habe durchaus auch positive Seiten gehabt, sagte sie: „Die Bürger haben Solidarität mit benachteiligten Berufsgruppen gezeigt, die Modernisierung in Form von Video-Konferenzen ist ein Stück weit vorangebracht worden und zum ersten Mal hat Deutschland 2020 das Klimaziel erreicht“, bilanzierte sie. Mohme hat am 1. April 2020 Günter Hötzl nach knapp 15 Jahren als Geschäftsführer abgelöst.

Seit 75 Jahren ist Otmar Hellwig aus Biedesheim am Donnersberg schon Gewerkschaftsmitglied. Man schrieb das Jahr 1946, als der damals 16-Jährige beitrat. Die Schwierigkeiten des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmten die Zeit. Mit Arbeitsantritt in der Pfälzischen Möbelfabrik in Harxheim (Zellertal) war es für ihn seinerzeit selbstverständlich, „der Interessengemeinschaft“, wie er es bezeichnete, beizutreten. Er habe sich stets sowohl gegenüber der Firma, als auch den Kollegen solidarisch verhalten, betrachtete es Hellwig rückwirkend. „Gab es gesundheitliche oder familiäre Probleme, habe ich mich für den Betroffenen eingesetzt. Einen Kollegen von der Schreinerei nahm ich immer im Auto mit, damit der zur Arbeit kam und seinen Job nicht verlor“, resümierte der rüstige 91-Jährige.

Eine Zeitreise

Rüdiger Stein, Regionalführer des Deutschen Gewerkschaftsbunds, ging mit den Jubilaren auf eine Zeitreise, zunächst ins Jahr 1951, als die Montanmitbestimmung eingeführt worden war und nun Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter in gleicher Anzahl in Aufsichtsräten in der Kohle- und Stahlindustrie vertreten sein mussten. 1961, als die 60-Jahr-Jubilare eintraten, sei Arbeitslosigkeit kein Thema gewesen, aber der weitere Arbeitskräftebedarf der Industrie sollte aus dem Ausland abgedeckt werden. Daher war das Anwerbeabkommen mit der Türkei geschlossen worden. Die IG Metall bestand damals noch aus 16 einzelnen Mitgliedsgewerkschaften, erinnerte Stein.

Im Jahr 1971, dem Eintrittsjahr der 50-jährigen Jubilare, sei das Betriebsverfassungsgesetz verbessert und damit die Mitbestimmung der Arbeiter gestärkt worden. Für Widerstand gegen Sozialabbau stehe das Jahr 1981. Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt habe sein Augenmerk auf Absicherung von Arbeitslosen und Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz finden konnten, gelenkt.

„Eine Demokratie ohne Gewerkschaft kann nicht funktionieren“

15 Jahre später, 1996, wurde die zweite Pflegestufe eingeführt. Im Eintrittsjahr der silbernen Jubilare demonstrierten Bürger für soziale Gerechtigkeit, sprich die Lohnangleichung zwischen Ost- und Westdeutschland, erinnerte Stein. „Eine Demokratie ohne Gewerkschaft kann nicht funktionieren“, betonte Birgit Mohme. „Und Solidarität, das ist die Einsicht, gemeinsam mehr zu erreichen“, fasste die erste Bevollmächtigte zusammen.

Insgesamt hätten 366 Gewerkschaftsmitglieder für ihr Jubiläum geehrt werden können. Für 60 Jahre Mitgliedschaft wurden ausgezeichnet: Friedel Dechert, Hugo Diehl, Wilhelm Fluck, Hans Hartenstein, Reinhard Neugebauer, Willi Roppelt, Karl-Heinz Steinacker und Gerd Weiß. Für 70 Jahre Mitgliedschaft gab es keine Ehrung und für 75 Jahre Mitgliedschaft wurde Otmar Hellwig ausgezeichnet.

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