MUTTERSTADT RHEINPFALZ Plus Artikel Falkendrama mit halbem Happy End – Eine Familie hilft bei der Aufzucht

Von fünf Küken im Nest hat nur ein Falkenjunges überlebt. Der tollpatschige Fritz benötigt noch jede Menge Hilfe.
Von fünf Küken im Nest hat nur ein Falkenjunges überlebt. Der tollpatschige Fritz benötigt noch jede Menge Hilfe.

Seit den 80er-Jahren kommen im Frühling Turmfalken zu den Hörtels nach Mutterstadt, um ihre Jungen aufzuziehen. Doch diesmal kam es beim gefiederten Nachwuchs zu unvorhergesehenen Schwierigkeiten. Nun gibt es immerhin ein halbes Happy End.

Schon nach knapp zwei Wochen bekommen Doris und Marion Hörtel einen Schreck. Von den fünf geschlüpften Küken liegen zwei auf dem Boden vor dem Nest. Die beiden Schwestern sammeln sie auf und bauen einen provisorischen Unterschlupf in einem großen Käfig, der sie vor Sonne und Fressfeinden schützt. Weil die kleinen Falken sehr schwach wirken, holen sich die Hörtels Rat bei Fachleuten und füttern die Vögel mit Fleisch, das mit Mineralien angereichert ist. Als Doris Hörtel im ursprünglichen Nest keine Bewegung mehr erkennen kann, steigt sie mit der Leiter hoch und findet die übrigen drei Küken tot vor. Die Elterntiere sind verschwunden. Eine Besonderheit bei Falken ist, dass sich Mutter und Vater gemeinsam um die Aufzucht kümmern.

Es kommt anders

Kurzerhand beschließen Doris und Marion Hörtel, die überlebenden Falkenjungen aufzupäppeln. Nach Rücksprache mit Ornithologen finden sie mit Maik Heublein von der Wildvogelwarte des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) einen Falkner in Haßloch, der die Tiere übernehmen will, sobald sie zu Kräften gekommen sind. Dann wären die Jungen mit Artgenossen zusammen und könnten von den erwachsenen Tieren lernen, was ein Falke zum Überleben wissen muss. Später sollen sie dann ausgewildert werden.

Doch es kommt anders: Völlig überraschend taucht der verschollen geglaubte Falkenvater wieder auf und füttert seine verbliebenen Jungen mit Mäusen. „Das war für uns ein sehr bewegender Moment“, berichtet Doris Hörtel. „Wir hatten alle Tränen in den Augen.“ Aus Balken, Brettern und Holzpaletten fertigt sie einen großen Wohn- und Spielplatz für die Falken an. Etwa in zwei Metern Höhe baut die Mutterstadterin aus Holz und Stroh eine Art Höhle. Ein Zaun schützt vor Mardern oder Katzen.

Erneut ein Schreck

Doch dann erneut ein Schreck: Eines morgens liegt einer der beiden Jungfalken tot da, sein Bruder sitzt auf ihm. Jetzt will es Doris Hörtel genau wissen und bringt den toten Greifvogel zum Institut für Tierseuchendiagnostik des Landesuntersuchungsamts nach Koblenz. Das Ergebnis: Ein Aspergillus genannter Schimmelpilz, der weit verbreitet ist und bei der Pflanzenzersetzung entsteht, hat die Lunge und weitere Organe des Falken befallen. Bei geschwächten Tieren kann das gefährlich werden.

Der kleine Greifvogel kann noch nicht fliegen, aber schon hüpfen. Mit einem Stock bringt ihn Doris Hörtel wieder zurück zu seine
Der kleine Greifvogel kann noch nicht fliegen, aber schon hüpfen. Mit einem Stock bringt ihn Doris Hörtel wieder zurück zu seinem Unterstand.

Nach einem Onkel nennen die Hörtel-Schwestern den überlebenden Falken Fritz. Und der nimmt die für ihn angefertigte Behausung an. Auch sein Vater scheint das neue Falkenheim gut zu finden und versorgt weiter seinen Kleinen. Fritz verliert seinen Flaum und macht schon bald die ersten Hopser auf eine niedrigere Ebene. Wieder hoch zu seinem Unterstand schafft er es dann aus eigener Kraft aber noch nicht. Dann hält ihm Doris Hörtel einen Ast hin. Der kleine Fritz hüpft drauf und lässt sich von seiner Ersatzmutter vor den Unterstand setzen.

In Brombeerhecke gefallen

Inzwischen ist auch der Falkenvater wieder eingetroffen. „Er bringt Mäuse mit und setzt sich dann mit etwas Abstand hin, damit Fritz wieder ein bisschen üben kann“, erklärt Doris Hörtel. Für sie ist die Falkenbetreuung eine aufwendige Angelegenheit, auch wenn sich die ganze Familie beteiligt. „Ab 5 Uhr morgens schaue ich nach Fritz“, erzählt die Mutterstadterin. Der tollpatschige Jungfalke benötige noch jede Menge Hilfe. „Neulich ist er in eine Brombeerhecke des Nachbarn gefallen und nicht mehr alleine rausgekommen“, erzählt sie. Mit dem hingehaltenen Ast sei es dann gegangen.

Fritz’ beginnende Flugfähigkeit erleidet einen Rückschlag, als er einige Federn verliert. Nach Rücksprache mit Falkner Maik Heublein bringt ihn Doris Hörtel zur Untersuchung zu einem Tierarzt und dann zur Wildvogelstation nach Haßloch. Dort sitzt der kleine Fritz jetzt mit 20 weiteren Turmfalken in einer großen Voliere und wird gepflegt. „Er bekommt Mittel gegen die Pilzerkrankung und gegen bakterielle Infektionen“, berichtet Doris Hörtel, die ihren Fritz in guten Händen weiß. Bis zur ersten Mauser, also voraussichtlich noch ein Jahr lang, wird das Tier in der Wildvogelstation bleiben.

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