Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Elf Fasnachter über ihre Gefühle und Pläne

Faschingsumzug mit Playmobil-Figuren: Das haben sich Fasnachter im hessischen Offenbach als Alternative für die närrischen Tage
Faschingsumzug mit Playmobil-Figuren: Das haben sich Fasnachter im hessischen Offenbach als Alternative für die närrischen Tage ausgedacht.

Nichts mit Narrhalla-Marsch in diesem Jahr. Fasnacht fällt aus, zumindest im Großen. Aktive aus dem Speyerer Umland finden das komisch – aber keineswegs lustig. Die RHEINPFALZ hat elf (soviel Narretei muss sein) eingefleischte Fasnachter befragt, wie sie sich momentan fühlen und wie sie die närrischen Tage inmitten der Corona-Pandemie verbringen.

Jens Beucke, Aktiver beim Karnevalclub Otterstadt (KCO) und bei der TuRa:

„Die Zeit ist sehr bescheiden. Die Veranstaltungen fehlen. Wir sind zwar fleißig in Kontakt per WhatsApp und Videochats, aber der persönliche Kontakt und Spaß fehlen. Spurlos geht das nicht an mir vorbei, da gerade an den Wochenenden Gedanken an diese oder jene Veranstaltung gekommen sind. Virtuell ist nichts geplant. Ich finde das nicht lukrativ und spannend, weil Karneval vom Publikum und von der Stimmung lebt, die transportiert wird. Das ist virtuell schlicht und ergreifend nicht aufzufangen.“

Vanessa Blau, Trainerin beim Mechtersheimer Karnevalverein (MKV):

„Für mich persönlich feiert man Fasching frei und ausgelassen mit vielen Leuten, nicht alleine zu Hause. Geplant habe ich daher nichts. Natürlich werde ich in Gedanken dabei sein und an die schöne Zeit denken, die wir gemeinsam haben könnten. Mir fehlt grundsätzlich etwas. Anfangs war es nicht so belastend, da die Fasnachtszeit mit viel Arbeit und Zeitaufwand verbunden ist. Mit Franziska Ritter trainiere ich zwei Tanzgruppen und tanze selbst aktiv. Mit ihr habe ich mich ab und zu getroffen, um Ideen für die nächste Kampagne zu sammeln. Aber das wöchentliche Training und das Zusammensitzen danach, gemeinsame Abende, um die Kostüme vorzubereiten, fehlen. Am schlimmsten ist, dass man die, die im Normalfall um einen herum sind, so lange nicht gesehen hat.“

André Netter, Umzugs- und Bühnenbauvorsitzender des KV Uno Waldsee:

„Die Absage habe ich zunächst entspannt gesehen und mich gefreut, Zeit mit meiner Frau und meinem 21 Monate alten Sohn zu verbringen. Die Onlinesitzungen bescherten ein lachendes und ein weinendes Auge. Zum einen war es schön zu sehen, wie die Sitzung früher abgelaufen ist. Die Bühnenbilder vor 30 Jahren waren für mich interessant. Auf der anderen Seite war es sehr traurig, zu Hause vorm Fernseher und nicht in der Kulturhalle zu sein. Die Umzugsabsage habe ich erst recht gelassen gesehen. Jetzt hoffe ich insgeheim auf schlechtes Wetter. Strahlender Sonnenschein würde mich noch trauriger machen. Was mir wirklich fehlt, sind die Stunden mit meinem Ausschuss in der Narrhalla, wo wir nicht nur arbeiten, sondern auch mal bei einem Bier ,dumm babbeln’ und auf unserem Kaminofen Speck und Ei machen. Ich hoffe, dass wir die Pandemie in den Griff bekommen und nächstes Jahr unserem geliebten Hobby nachgehen können.“

Stefan Kopf, Präsident der Burgfunken Blau-Weiß (BBW) Hanhofen:

„Da ohnehin kaum etwas Fasnachtliches stattfinden wird und ich derzeit im Geschäft einiges zu tun habe, werde ich am Rosenmontag wohl arbeiten gehen. Wie das Gefühl am Tag direkt sein wird, ist schwer zu sagen. Ich finde es schon schade, dass dieses Jahr so gar keine Veranstaltungen sind, auch wenn es vernünftig ist. Man merkt, dass etwas fehlt, auch im Allgemeinen, soziale Kontakte, Sport und so weiter. Die Arbeit überdeckt das allerdings etwas. Umso mehr freue ich mich auf das nächste Jahr und hoffe inständig, dass dann die Pandemie soweit im Griff ist.“Erich Miller, Mechtersheimer Karnevalverein (MKV):„Seit Freitag, 29. Januar, bin ich mit YouTube beschäftigt, um Beiträge einzustellen. Es war nicht einfach Material zu besorgen. Unser Archiv liegt bei unserem alten MKV-Filmer Adam Lorfing und es ist schwer, die Sachen zu digitalisieren. Ich wollte die Beiträge zeitnah zu unseren Prunksitzungen einstellen, die an den Wochenenden gelaufen wären. Mit Party ist im Moment eh nix, also versuche ich auf diese Art unseren Fans etwas Mederscher Fastnacht zu übermitteln. Für die nötige Stimmung müssen sie selbst zu Hause sorgen. Mehr geht im Moment leider nicht. Die Beiträge können über YouTube ,Erich Miller’ oder ,Palz fer dich’ abgerufen werden.“

Julia Schotthöfer, Prinzessin der Uno:

„Bis jetzt haben wir für den Rosenmontag nichts geplant. Für mich ist die Zeit ganz komisch. Laut Kalender ist Fasnacht, aber mir fehlt das Gefühl. Keine Vorbereitungen im Verein, keine Proben der Guggemusik, keine Vorfreude auf Veranstaltungen. Vor der ersten Online-Prunksitzung haben wir bei meinen Eltern im Wohnzimmer ein bisschen fasnachtlich dekoriert. Das war seltsam, so aus dem Nichts. Aber die Ausstrahlungen haben für Stimmung gesorgt. Wenn ich auf mein Prinzessinnen-Jahr zurückschaue, fehlen mir unsere Veranstaltungen, aber auch die bei befreundeten Vereinen, der Schmutzige Donnerstag mit den Kindergartenbesuchen und der Umzug am Fasnachtsdienstag sehr.“

Lena Hög, KCO-Präsidentin:

„Im Verein ist alles ruhig. Es wird auch nix Wildes zu den Faschingstagen geben. Wir haben uns entschlossen, nichts Virtuelles zu machen. Für mich fühlt es sich sehr komisch an, es fehlt was, aber die Stimmung ist absolut nicht da. Trotz allem haben wir Orden erstellt für die Kampagne, denn diese muss nachvollziehbar bleiben. Am Faschingswochenende werden wir einen kleinen Rückblick vom und Einblick in den KCO veröffentlichen. Bewusst haben wir uns dagegen entschieden, etwas anderes online zu stellen, da wir alle gefühlt nicht in der Stimmung waren, alte Videos zusammenzuschneiden. Ansonsten läuft die Vorstandsarbeit im engeren Kreis. Wir bangen, dass das nächste Jahr besser für uns läuft und wir mehr machen können.“

Kirsten Rudolphi, Aktive des KV Dudenhofen:

„Im Moment überwiegt bei mir der Frust über die Ungewissheit. Keiner weiß, wann und wie es weitergeht. Ich hatte mit unserer Tanzgruppe, den Asparagus-Hexen, seit einem Jahr kein Training. Wir versuchen, alle freiwerdenden Kapazitäten – zurzeit online – unseren tanzenden Kindern zu geben, damit diese ihren Ausgleich haben. Es fehlen das gemeinsame Erlebnis, die Auftritte und das Zusammensein in den Gruppen. Fasnacht wird für mich komplett ausfallen. Als Verein haben wir volles Verständnis für die Maßnahmen. Das Virus muss eingedämmt werden und zum Glück hat der KVD in der Vergangenheit sehr gut gewirtschaftet. Dennoch: Fasnacht fehlt und keine Onlinepolonaise kann echte Veranstaltungen aufwiegen.“

Helen Stadler, Aktive des MKV:

„Ich tanze seit klein auf, stehe in der Bütt und singe im Narrenchor – jetzt werde ich oft traurig, weil erst so richtig auffällt, was einem Fasching bedeutet. Die Gemeinschaft, die Treffen, das zusammenarbeiten, feiern und lachen. Fasnachter sind Rudeltiere, allein gehen sie zugrunde. Oft schwelge ich in Erinnerungen, schaue mir alte Videos und Bilder an und versuche, mit der Faschingsfamilie in Kontakt zu bleiben. Am Liebsten würde ich alle einladen, einen Umzug durchs Dorf machen und für ein paar Tage die Sorgen vergessen – aber das geht nicht. Der ganze Social Media-Kram ist schön und gut, aber nicht zu vergleichen mit der Wirklichkeit. Was Fasching ausmacht, gibt es aktuell nicht. Umso mehr freue ich mich auf die Zukunft und bin voller Tatendrang für die neue Kampagne.“

Petra Maurer, Trainerin beim KCO:

„Ja, die liebe Fasnacht. Gedanklich waren wir schon bei unseren Sitzungen dabei und haben uns als Tanzgruppe Fahrlach-Miezen auch virtuell zugeprostet. Der Rosenmontag wird bei mir aber eher ruhig ablaufen. Tagsüber arbeite ich im normalen Regelbetrieb in der Kita. Da werden die Kinder etwas verkleidet kommen. Aber ansonsten wird es wohl ein ruhiger Tag.“

Tobias Krämer, Aktiver der BBW:

„Anfangs war es für mich kein Problem, dass Fasnacht aussetzen muss. Je näher der Höhepunkt jedoch gerückt ist, desto mehr wurde mir bewusst, dass etwas fehlt - vor allem die Sitzungen und Vorbereitungen auf diese. Ich leite mit Myriam Lehr das Männerballett. Da haben wir in jedem Training etwas zu lachen. Das tolle Team vermisse ich sehr. Ganz ohne Fastnacht wird der Rosenmontag nicht ablaufen. Ich werde etwas Närrisches anziehen – aus Prinzip. Außerdem werde ich mir entweder Prunksitzungen im Fernsehen anschauen oder eine Tour durch unsere eigene BBW-Vergangenheit machen. Parallel gibt’s über WhatsApp auf jeden Fall einen Stream im engsten Kreis, damit man wenigstens etwas Zeit zusammen verbracht hat. Ich hoffe sehr, dass die Kampagne 2021/22 starten kann und wir miteinander feiern können.“

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