Harthausen
Bürger protestieren gegen Schließung
Petra Gutheil bezeichnet die Mitarbeiter in der Filiale in der Rappengasse als „super kompetent“. Sie seien immer für einen da und unglaublich geduldig gewesen, hat die 58-Jährige erfahren. Sie lebt seit 17 Jahren im Tabakdorf und hat zahlreiche Bankgeschäfte im Ort abgewickelt. Als sie Anfang September in der Sparkasse vorbeischaute und erfuhr, dass diese nächste Woche schließe, war sie erschüttert. „Die Mitarbeiter haben dienstags erfahren, dass sie am Montag schließen müssen. Mit so gutem Personal sollte man nicht so umgehen“, findet Gutheil. Sie empört nicht nur die Kurzfristigkeit gegenüber den Angestellten, sondern auch gegenüber den Kunden. „Hätte man die Filiale nicht erst zum 1. Oktober oder 1. November zumachen können“, fragt die Harthausenerin.
Die Sparkasse Vorderpfalz hatte Anfang September öffentlich kommuniziert, dass sie bis 2023 sieben Standorte aufgibt und dies mit dem sich wandelnden Kundenverhalten und der anhaltenden Niedrigzinsphase begründet. Die Geschäftsstelle in Harthausen wurde zum 7. September geschlossen – nur wenige Tage nach der offiziellen Verlautbarung. Die Mitarbeiter kommen in der Filiale in Dudenhofen unter, von wo aus die Kunden betreut werden sollen. „Viele wissen noch gar nicht, dass es die Filiale nicht mehr gibt“, hat Gutheil erfahren. Sie nennt nicht nur Harthausener, sondern auch Hanhofener Bürger, die im Tabakdorf ihre Bankgeschäfte erledigt hätten.
Die 58-Jährige kann zwar verstehen, dass die Sparkasse die Geschäftsstelle geschlossen hat, allerdings hofft sie, dass entgegen der Ankündigung doch Selbstbedienungsschalter erhalten bleiben. Gutheil nennt als Möglichkeit einen Sparkassen-Container, etwa im Malerwinkel, oder eine Zusammenarbeit mit der örtlichen Volksbank. Denn nicht nur ältere Menschen seien auf ihre Bank vor Ort angewiesen, sondern auch Mütter, die wegen ihrer berufstätigen Männer tagsüber kein Auto zur Verfügung hätten, sagt die Harthausenerin. Sie wird bisher von 225 Mitbürgern unterstützt, die sich bei einer von ihr initiierten Unterschriftenaktion für den Erhalt eines Selbstbedienungscenters ausgesprochen haben. Auch der Ortsgemeinderat will sich in einer Resolution gegen die Schließung aussprechen.
Vorstand anderer Meinung
Oliver Kolb, Vorstandsmitglied der Sparkasse Vorderpfalz, teilt Gutheils Einschätzung bezüglich des Umgangs mit den Mitarbeitern nicht. Diese seien während der über ein Jahr dauernden Standort- und Geschäftsstellenanalyse über den Zeitablauf und die Vorgehensweise informiert worden, sagt er auf Anfrage. Kolb weist aber auch darauf hin, dass der Verwaltungsrat die neue Standortstruktur erst in seiner Sitzung am 31. August beschlossen habe. Die Mitarbeiter seien gleich im Anschluss – am nächsten Tag und somit am Dienstag – persönlich vor Ort darüber informiert worden.
Mit Blick auf die Kurzfristigkeit der Schließung spricht das Vorstandsmitglied die „Anpassung der Standorte“ an, die sukzessive in vier Stufen bis 2023 realisiert werden soll. „Dass wir Harthausen gleich in der ersten Stufe geschlossen haben, lag auch darin begründet, dass diese Geschäftsstelle bereits seit 7. März wegen Corona-Präventionsmaßnahmen nicht mehr für den Publikumsverkehr geöffnet war“, sagt Kolb. Im Tabakdorf konnten zuletzt nur die Automaten benutzt werden. Die Immobilie gehört dem Bankinstitut. Laut dem Vorstandsmitglied wird zurzeit geprüft, ob sie verkauft oder vermietet werden soll.
Faktor Wirtschaftlichkeit
Einer Selbstbedienungsmöglichkeit in Harthausen erteilt Kolb eine Absage. Zum einen, weil ein Sparkassen-Automat in einer anderen Bank die Gefahr berge, die Erwartungen der Kunden zu enttäuschen, die sich bewusst für einen Anbieter entschieden haben. Zum anderen verweist das Vorstandsmitglied auf eine Analyse, die gezeigt habe, dass sich ein Standort in Harthausen nicht mehr auf wirtschaftlicher Basis betreiben lasse, unter anderem aufgrund des Einzugsbereichs, der Wettbewerbssituation sowie dem Nutzungsverhalten und der Nutzungsfrequenz. „Das können wir nicht ignorieren, vielmehr müssen wir unser Geschäftsmodell an die neuen Rahmenbedingungen anpassen und in tragfähige Zukunftsstrukturen investieren“, macht Kolb deutlich.
Deshalb konzentriert sich die Sparkasse etwa auf die Geschäftsstelle in Dudenhofen, wo „ausreichend Bankdienstleistungen nachgefragt werden“. Neben der Tatsache, dass das Bezahlen mit der Karte immer mehr an Bedeutung gewinne, könnten die Kunden aus Harthausen Geld rund um die Uhr im benachbarten Römerberg und Dudenhofen abheben. Zudem könnten sie sich Bargeld zwischen 300 und 1000 Euro auch nach Hause liefern lassen. Älteren Kunden, denen der Zugang zu Online-Diensten nicht einfach möglich ist, empfiehlt Kolb den telefonischen Beratungsservice der Sparkasse. Das Team sei unter der Woche von 8 bis 20 Uhr unter 0621 59920 erreichbar.
Kommentar: Zeichen gesetzt
Dass sich Bürger gegen die Sparkassen-Schließung aussprechen ist verständlich. Ändern wird das jedoch nichts.
Die Sparkasse in Harthausen ist seit Kurzem geschlossen. Das Bankinstitut hat dafür gute Gründe. Es argumentiert mit dem veränderten Kundenverhalten und der dadurch fehlenden Wirtschaftlichkeit. Mit der Unterschriftenaktion, bei der sich Bürger für den Erhalt eines Selbstbedienungsstandorts aussprechen, setzen sie ein Zeichen und machen auf den Umstand aufmerksam, dass (noch) nicht jeder mobil oder digital unterwegs ist. Das ist auch der Sparkasse bewusst. Sie setzt ein Zeichen, indem sie versucht, solchen Kunden etwa mit dem Bargeld-Bringservice die Hand zu reichen.