Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Anwohner genervt vom Spielplatzlärm

Das Kicken mit Fußbällen gegen die Kunststoffbande verursacht einen dumpfen Schlag, der die Anwohner stört.
Das Kicken mit Fußbällen gegen die Kunststoffbande verursacht einen dumpfen Schlag, der die Anwohner stört.

Mit der Eröffnung des sanierten Spielplatzes Am Speyerer Weg im vergangenen Jahr ist dieser aus einem langen Dornröschenschlaf erwacht. Er wird wieder rege genutzt, vor allem das Kleinspielfeld. Die Geräusche, die die spielenden Kinder und Jugendlichen dort verursachen, rauben aber einigen Anwohnern die Nerven.

Bis zu seiner Sanierung gab der Spielplatz am Speyerer Weg ein trostloses Bild ab. Die Seilbahn war seit Jahren außer Betrieb, die Geräte waren zum Teil verwittert und entsprachen nicht mehr den Sicherheitsstandards, erinnern sich Stefan Bummel, stellvertretender Fachbereichsleiter Bauverwaltung, und Mutterstadts Erste Beigeordnete Andrea Franz (SPD). Vor allem der große Bolzplatz war kaum bespielbar, denn dieser stand ständig unter Wasser. „Aufgrund dieses Zustands wurde Platz in den vergangenen 15 Jahren kaum genutzt“, sagt Stefan Bummel, was ja nicht im Sinne des Erfinders sei.

Das änderte sich schlagartig ab Mai vergangenen Jahres, als die Komplettsanierung abgeschlossen war. „Nun ist es einer unserer schönsten Spielplätze im Ort“, sagte Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) jüngst. Und auch viele Bürger, besonders die Eltern, hätten seit Eröffnung positive Rückmeldung an die Verwaltung gegeben, meint Franz.

Problem: Kunststoffbande

Etwa 200.000 Euro habe die Sanierung gekostet, allein 70.000 Euro davon seien für das neue, große Klettergerät ausgegeben worden. Es ist eine Art Kletterparcours mit abwechslungsreichen Hindernissen, wie Stangen oder Wackelbrücken, in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Laut Stefan Bummel ist das Gerät nach neuesten pädagogischen Erkenntnissen entwickelt worden. Auf Wunsch der Kinder sei auch wieder eine Seilbahn (25.000 Euro) angeschafft worden. Mit etwa 60.000 Euro schlug das neue Kleinspielfeld zu Buche, eine 13 mal 20 Meter große Fläche mit einem dämpfenden Bodenbelag, zwei Toren und Basketball-Körben. Begrenzt wird das Feld von einer Kunststoffbande, die nun aber für einige Anwohner zum Stein des Anstoßes wurde. Werden die Bälle dagegen gekickt, was ein Teil des Spielspaßes ist, verursacht das einen dumpfen Schlag, der sich potenziert, je mehr Kinder dort spielen.

Einige Anwohner seien davon sehr genervt. Zwei von ihnen sind Klaus Vossen und Wolfram Weiss. Obwohl beide etwa 20 Meter weg wohnen und zwischen Platz und Wohnhaus ein Grünzug, Garagen und Stellplätze seien, sei das Geräusch im Haus deutlich zu hören, berichten die beiden. Besonders in den Sommer- und Ferienzeiten würden viele Kinder und Jugendliche den Platz nutzen. Die dumpfen Kick-Geräusche gepaart mit dem Geschrei ergäben eine hohe Lärmbelästigung, die in der hellen Jahreszeit mitunter bis 23 Uhr andauern würde. Ein weiteres Ärgernis sei, dass trotz der 3,50 Meter hohen Netze die Bälle immer wieder auf die Autos prallen, die auf den Stellplätzen in unmittelbarer Nähe geparkt sind. Die Anwohner wünschen sich, dass die Netze erhöht werden. Sie betonen auch, dass sie grundsätzlich nichts gegen Geschrei und spielende Kinder und Jugendliche haben.

Mit ihren Unterschriften und denen 17 weiterer Anwohner haben sie sich mit dem Anliegen an die Verwaltung gewandt. Bei einem Termin vor Ort Anfang September mit Bürgermeister Schneider, der Beigeordneten Franz und dem Leiter des Ordnungsamtes, Klaus Hübner, sei das noch einmal besprochen worden, doch geschehen sei bis jetzt nichts. Es sei unter anderem vereinbart worden, dass ein Schallschutz an die Bande angebracht werde. Das bestätigt Andrea Franz, bittet aber auch um Geduld. Man sei dabei, mit der Herstellerfirma abzuklären, was in Sachen Lärmschutz machbar sei. Die Absprache sei auch notwendig, um die Gewährleistungspflicht der Firma zu erhalten, erläutert Stefan Bummel. „Bis zum Frühjahr soll aber eine Lösung gefunden und umgesetzt sein“, sagt die Beigeordnete. Auch werde derzeit geprüft, ob es statisch überhaupt möglich ist, die etwa 3,5 Meter hohen Netze noch einmal um zwei Meter zu erhöhen.

Ordnungsamt kontrolliert

Eine weitere Zusage sei gewesen, die Spielplatzordnung zusätzlich am Eingang des Spielfelds anzubringen, auch das soll in den nächsten Monaten geschehen. Derzeit weisen zwei Schilder an zwei Seiten des Spielplatzes auf die Ordnung hin, auf der unter anderem die Benutzungszeiten stehen. „Uns wäre auch schon geholfen, wenn die eingehalten werden“, sagt Wolfram Weiss. Offiziell geöffnet ist der Spielplatz von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 19 Uhr. „Doch daran wird sich nicht gehalten“, sagt er, besonders nicht im Sommer – und das Ordnungsamt würde kaum kontrollieren.

Die Anwohner wünschen sich auch, dass Kinder und Jugendliche sich an die Zeiten der Spielplatzordnung halten.
Die Anwohner wünschen sich auch, dass Kinder und Jugendliche sich an die Zeiten der Spielplatzordnung halten.

Dem widerspricht die Beigeordnete: „Der Spielplatz ist fester Bestandteil der Route des kommunalen Vollzugsdienstes, dort wird im Schnitt jeden zweiten Tag kontrolliert“, sagt Andrea Franz. In der jüngsten Vergangenheit habe es keine Verstöße gegeben, in den Sommermonaten aber schon. Auch haben die Anwohner die Durchwahl des Dienstes bekommen, sodass sie diesen bei Bedarf rufen können. Das sei auch schon gemacht worden. Andrea Franz betont, dass sich die Verwaltung dem Anliegen der Bürger annehmen werde. Sie stellt aber auch klar: „Wir vertreten die Rechte aller Bürger, auch der jüngeren, die meist ohne Lobby sind.“ Dass der Spielplatz so rege genutzt wird, bestätige den Bedarf. Darum sei seitens der Verwaltung auch kein Spielverbot sonntags oder eine Altersbegrenzung geplant. „Gerade am Wochenende möchten vielleicht auch Eltern mit ihren Kindern zusammen dort spielen“, sagt sie.

Kein Trimm-dich-Pfad

Stefan Bummel weist noch einmal darauf hin, dass das schon immer ein Spielplatz war, der jetzt saniert wurde, darum sei auch kein Geräusch-Emissions-Gutachten für das neue Spielfeld notwendig, wie Klaus Vossen es fordert. Vossen bezweifelt zudem, dass so ein Kleinspielfeld überhaupt für den Einsatz in einem Wohngebiet gedacht ist. „Die Spielfelder sind von der Fachfirma für den innerstädtischen Bereich konzipiert, und es gibt sie zu Hunderten in Städten und Kommunen“, sagt Bummel.

Eigentlich hätte auf dem Spielplatz noch ein Trimm-dich-Pfad mit Übungsgeräten entstehen sollen. Aus Kostengründen wurde dieser im vergangenen Jahr von der Kommune erst einmal zurückgestellt. „Nach den Beschwerden haben wir entschieden, diesen nun gar nicht zu bauen“, informiert Andrea Franz – obwohl ihn sich die Bürger gewünscht hätten.

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