Beindersheim
Angst vor Grundwasser: Folgen der Beregnung sind wieder Thema
Mehr als anderthalb Jahre lang war es still um das Thema Hochwasser- und Grundwassergefahr in Beindersheim, nachdem das Vorhaben des Wasser- und Bodenverbands zur Beregnung der Vorderpfalz 2017 und 2018 für Aufregung in der Region gesorgt hatte. Zur Erinnerung: Der Verband will Landwirte im Norden des Rhein-Pfalz-Kreises unterstützen, indem er Wasser aus dem Otterstädter Altrhein über Leitungen hierher transportiert. Damit sollen, wie andernorts schon lange üblich, Felder bewässert werden.
Das geht einher mit der Abschaltung der vielen Brunnen, aus denen bislang Grundwasser hochgepumpt wird. Weil dieses nach Ansicht der Kommunen Beindersheim, Großniedesheim und Bobenheim-Roxheim ohnehin recht hoch steht und das Projekt demnach nasse Keller wahrscheinlich mache, wehrten sie sich im April 2018 gegen die Genehmigung der Wasserleitung vor dem Verwaltungsgericht – allerdings erfolglos, weil sie laut Gericht gar nicht klagebefugt waren.
In Beindersheim wurde nach der Kommunalwahl 2019 ein Ausschuss für Grund- und Hochwasserschutz gebildet, der seitdem beabsichtigt, ein Gutachten in Auftrag zu geben, damit die Ortsgemeinde für sich und ihre Bürger ein Gefahrenabwehrkonzept entwickeln kann. Weil die Materie kompliziert und schon das Leistungsverzeichnis für potenzielle Gutachter schwer zu erstellen ist, holte man sich professionelle Hilfe.
Am Dienstag nun stellte Dominic Demand, promovierter Naturwissenschaftler und im weltweit tätigen Ingenieurbüro CDM Smith tätig, die von ihm ausgearbeitete Leistungsbeschreibung im zuständigen Ausschuss vor. Sie soll laut Empfehlung des Gremiums an den Gemeinderat zur Anwendung kommen, sobald eine Förderzusage vorliegt und die Kosten geklärt sind. Laut Demand hält die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd einen Zuschuss von bis zu 70 Prozent der Kosten für möglich.
Demands Leistungsbeschreibung zufolge liegt der Grundwasserflurabstand, also der Abstand zwischen Oberkante Gelände und Grundwasser, im bebauten Ortsbereich von Beindersheim bei circa zwei Metern im Westen und drei Metern im Osten. Im Außenbereich westlich des Orts beträgt der Abstand teilweise nur 50 bis 100 Zentimeter, östlich bei 2,5 bis vier Metern. Hinsichtlich der Grundwasserproblematik hatte Demand eine vom Beregnungsverband veranlasste Studie aus dem Jahr 2012 geprüft. Deren Kernaussage lautet, dass auch bei hoher Beregnung mit bis zu 105 Millimetern pro Quadratmeter und trotz Stilllegung der Brunnen sich der Grundwasserspiegel nur um bis zu 25 Zentimeter erhöhen würde.
Demand bezeichnete die Aussage als „nicht komplett falsch“, auch seien die Berechnungen „sauber durchgeführt“ worden. Jedoch sieht er in dem Modell die Schwankungen nicht ausreichend berücksichtigt, etwa bei langem Dauer- oder Starkregen. Gerade bei einem generell hohen Grundwasserstand könnten Schwankungen erhebliche Folgen haben. Das soll nun in einem Gutachten untersucht und es soll daraus folgend der mittlere Grundwasserspiegel für den Bereich Beindersheim berechnet werden. Aus dem Ausschuss kam die Anregung, die Berechnungen mit Blick auf den Anschluss Dirmsteins an die Zentralberegnung weiter in westlicher Richtung auszudehnen, um so die Fließrichtung des Grundwassers von der Haardt zum Rhein berücksichtigen zu können.
In der Studie, die in Auftrag gegeben werden soll, wird es auch um Lösungsvorschläge gehen. Wobei die SGD Süd laut Demand den Fokus auf die Kommunikation und die Eigenvorsorge der Bürger lege. Unterstützen sollen Karten, aus denen hervorgeht, welche Flächen von Grundwasserhochständen betroffen beziehungsweise welche Kellertiefen problematisch sind. Demand schlug die Herausgabe einer Broschüre vor, mit der Bürger über Gefahren, Schäden und Vorsorgemöglichkeiten informiert werden. Diese Broschüre könne die Gemeinde in einer Bürgerversammlung vorstellen.
Was die Gefahren durch Starkregen betrifft, so wies Dominic Demand auf eine aktuell am 17. November von der Landesregierung veröffentlichte Sturzflutkarte hin, die im Internet unter www.wasserportal.rlp-umwelt.de zu finden sei. Er empfahl, die Karte auf kommunaler Ebene im Detail zu betrachten und daraus ein Starkregenvorsorgekonzept zu erarbeiten.