Spontaninterview
Wie schnell es in US-amerikanischen Firmen vorbei sein kann
Können Sie mal ein bisschen was über sich erzählen?
Ich heiße Joachim Reidenbach und bin gerade für ein paar Einkäufe in der Stadt unterwegs. Von Beruf bin ich Serviceleiter bei Coca-Cola, bin jetzt allerdings zuhause.
Was macht man denn als Serviceleiter bei Coca-Cola?
Da ist man für die Technik zuständig, aus der Coca-Cola heraus verkauft wird – Automaten, Zapfanlagen oder auch Kühlschränke. Eben alles, woraus man das Getränk verkaufen kann. Ich bin Serviceleiter für den Saarpfalz-Kreis.
Wo genau arbeiten Sie da?
Das war in Ramstein und ist jetzt in Mainz.
Da sind Sie bestimmt viel unterwegs…
Ja, das war so. Jetzt eher weniger. Das hat aber immer gepasst. Die Familie hat mir den Rücken gestärkt, das hat gepasst. Sie wissen das. Es war schon immer so, dass ich viel unterwegs war.
Warum sind Sie das jetzt nicht mehr?
Es gab beim Unternehmen ein Restrukturierungsprogramm, da bin ich jetzt unter Weiterzahlung meiner Bezüge zuhause.
Das tut mir leid zu hören…
Na ja, ab und zu macht man auch mal was richtig (lacht). Wenn das alles vorbei ist, bin ich 44 Jahre bei Coca-Cola gewesen.
Das ist lang und heutzutage sehr selten, dass man so lange beim selben Arbeitgeber tätig ist…
Ja, da haben Sie recht.
Was tun Sie jetzt, damit es Ihnen zuhause nicht langweilig wird?
Mich meiner Familie zuwenden! Ich habe eine Tochter und einen Sohn. Die Tochter studiert in München, der Sohn absolviert ein Studium bei der Polizei, das passt alles.
Okay, die Kinder sind schon einmal unter…
Ja, das ist ein sehr wichtiger Punkt in der heutigen Zeit.
Was würden Sie Ihren Kindern mit ihrer Erfahrung in Bezug auf die heutige Arbeitswelt raten?
Ich habe meinen Kindern geraten, nicht in die Industrie zu gehen, denn diese Hire-and-Fire-Mentalität kenne ich ja aus den USA. Bei Coca-Cola habe ich angefangen, da waren wir knapp 12.000 Beschäftigte, jetzt sind es knapp 6000. Das ist schon eine Hausnummer! Das ist alles in den letzten zehn Jahren passiert. Ich sagte meinen Kindern, dass sie, wenn möglich, beim Staat arbeiten. Egal, ob im gewerblichen Bereich oder im Bildungsbereich – oder wie mein Sohn bei der Polizei. Für spätere Planungen ist das das Vernünftigste! Für Hire and Fire muss man geboren sein. Ich war Betriebsratsvorsitzender bei Coca-Cola, ich weiß, von ich rede. Da geht es richtig ab! Es interessiert da nicht, ob Sie effektiv sind oder nicht. Irgendeiner schaut auf die Zahlen und sagt, wir müssen da was einsparen – und dann wird eingespart. So wie wir rechnen, rechnen die alle nicht mehr.