Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Welche Auswirkungen hat der viele Regen auf Wald und Felder?

Unter anderem Waldmardellen wie diese bei Gersbach im Wald in Richtung Windsberg sind derzeit gut mit Wasser gefüllt.
Unter anderem Waldmardellen wie diese bei Gersbach im Wald in Richtung Windsberg sind derzeit gut mit Wasser gefüllt. Foto: kka

Seit Tagen regnet es in der Südwestpfalz. Forst- und Landwirtschaft sind sich einig: Dieser Regen war absolut notwendig. Die Niederschlagsdefizite im Boden sind wieder größtenteils aufgehoben. Die entscheidende Phase steht allerdings noch bevor. Die RHEINPFALZ hat sich umgehört bei Förstern, Bauern und einem Wetterfrosch.

„Für die Ökologie war der Regen sehr wichtig“, stellt Theodor Ringeisen, Leiter des Forstamt Westrich, fest. Bis in den Unterboden, der im Bereich von 1,80 bis zwei Meter Tiefe unter der Erde liegt, sei das Wasser nun durchgedrungen und die verheerenden Niederschlagsdefizite der letzten Dürreperiode seien nun wieder ausgeglichen.

Ein Forstamtsleiter: Dieser Regen war absolut notwendig

Sein Kollege Michael Grünfelder vom Forstamt Hinterweidenthal sieht ebenso den derzeitigen Bedarf des Waldes durch die anhaltende Regenperiode größtenteils gedeckt: „Der Regen war absolut wichtig. Die Quellen laufen wieder, auch wenn der Wasserspeicher sich nach wie vor noch etwas füllen könnte“. Negative Auswirkungen der vergangenen Tage und Wochen sieht Waldarbeiter Ringeisen nur in geringem Ausmaß. Die Widerstandsfähigkeit der Bäume gegenüber Wind habe durch die stark durchfeuchteten Böden etwas gelitten. Vereinzelt kippen Bäume dadurch leichter, allerdings gebe es keine spürbaren Konsequenzen wie größere Kahlflächen. Auch Michael Grünfelder spricht von „kalkulierbaren Schäden“.

Mit 100 Liter pro Quadratmeter Niederschlag liegt laut RHEINPFALZ- Wetterexperte Michael Angne der aktuelle Monat Februar bereits jetzt deutlich über seinem Niederschlagssoll und dem langjährigen Mittel. Mit weiteren Niederschlägen sei zu rechnen.

Kein Grund zur Euphorie

Von einer übermäßigen Euphorie wollen die Forstämter dennoch nichts wissen. Der Regen über den Winter sei nicht das Entscheidende, sondern die Niederschlagsverteilung in der Vegetationszeit von Mai bis August. In dieser Wachstumsperiode der Bäume und Pflanzen fiel in früheren Jahren ein Drittel der gesamten Niederschlagsmenge des Jahres. Von solchen Mengen lasse es sich heute nur Träumen.

Den großen ökologischen Problemen – wie etwa dem prominenten Borkenkäferbefall, der durch massive Schäden an Fichten und anderen Baumarten die Naturschützer beunruhigt –, wurde durch die vergangene Regenzeit nichts elementares Entgegengesetz, meint Ringeisen.

Michael Grünfelder erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass der Frühling im vergangenen Jahr ebenfalls sehr verregnet war, die Niederschlagsmenge in der Folgezeit allerdings rapide nach unten ging. Im Sommer habe es dem Wald dann an der nötigen Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge und Trockenheit extrem gemangelt.

Landwirt Bißbort sorgt sich um die anstehende Vegetationszeit

Auch den Landwirten um Uwe Bißbort, seinerseits Vorsitzender des Kreisverbandes Südwestpfalz im Bauern und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, kommt der Niederschlag der vergangenen Tage grundsätzlich sehr entgegen. Der Regen habe den Boden extrem gesättigt, die Grundwasservorräte seien wieder aufgefüllt. Sogenannte Staunässen, Wasseransammlungen auf dem Boden, die die Sauerstoffzufuhr und die Wurzelfunktionen beeinträchtigen, haben die Bestände vereinzelt sogar „ertränkt“ und dadurch geschädigt. Die Problematik staunasser Flächen sei aber keine Besonderheit. Uwe Bißbort sorgt sich ebenso in erster Linie um die noch anstehende Vegetationszeit und denkt dabei an das vergangene Jahr, in dem es in den letzten drei Monaten mehr Niederschlag gab als in den übrigen neun davor.

Die Auswirkungen einer solchen Trockenheit seien gravierend. Im Kreisverband Südwestpfalz habe man deswegen von Sommergetreide auf Wintergetreide, das bereits vor Winteranfang und nicht erst Anfang Mai gesät wird, umstellen müssen. Landwirte- und Winzer seien auf stabile klimatische Verhältnisse angewiesen, eine Umstellung von Anbauprodukten und Rebsorten könne nicht einfach mal so vollzogen werden. Solche Prozesse würden sich über Jahre und Jahrzehnte ziehen.

Borkenkäferbefall wird es wohl auch 2020 geben

Auch die Forstämter zeigen sich in Sorge was die kommende Wachstumsperiode angeht. Und für die Land- und Forstwirtschaft gilt eben leider der Satz: Wer wissen will, wie das Wetter morgen wird, der möge morgen aus dem Fenster schauen. „Einen Borkenkäferbefall wird es erneut geben, die Frage ist nur, wie intensiv dieser wird. Wir sind allerdings krisenerprobt“, äußert sich Ringeisen optimistisch.

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