Kommentar
Warum jetzt mal geklärt werden muss, ob der FK Pirmasens in einer Profifußball-Liga spielt
Die meisten Vereine in der Regionalliga Südwest, der vierthöchsten Klasse in Deutschland, arbeiten unter Vollprofi-Bedingungen, haben also Spieler und Trainer, die ihren Lebensunterhalt ausschließlich mit dem Fußballspielen verdienen. Da unterscheiden sie sich nicht von Bayern München oder Borussia Dortmund, wobei deren finanzielle Möglichkeiten natürlich um ein Vielfaches höher sind. Dann gibt es in der Regionalliga jene Vertragsamateure, die – wie beim FK Pirmasens – noch einem anderen Beruf nachgehen, aber die Fußball-Einnahmen auch fest im monatlichen (Familien-)Budget eingeplant haben. Von Amateursport ist man also ziemlich weit entfernt.
Spiele ohne Zuschauer?
Da stellt sich nun die Frage, ob jene Fußball-Regionalliga auch von dem am Donnerstag von der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten beschlossenen Sport-Verbot bis Ende November betroffen ist, ob sie nicht wie Bundesliga, Zweite und Dritte Liga mit Spielen ohne Zuschauer im Stadion weitermachen kann. Die Regionalliga Südwest GbR, in deren Gesellschafterversammlung sieben Fußball-Landesverbände (Baden, Rheinland, Saarland, Südwest, Hessen, Südbaden und Württemberg) ihre Vertreter entsenden, hat sich in dieser Frage noch nicht positioniert. Die Partien am nächsten Wochenende, auch die des FKP am Samstag beim FSV Frankfurt, sind noch angesetzt.
Riesiges Programm
In der ersten Corona-Welle im Frühjahr brach die Regionalliga Südwest ihre Saison ohne Absteiger ab und wuchs daher mit den vier Aufsteigern auf 22 Mannschaften an. Im erst Anfang September und damit einen Monat später als normal begonnenen Spieljahr 2020/21 sind in dieser Riesen-Liga nun 42 Spieltage zu absolvieren. Das funktioniert nur mit mehr englischen Wochen, einer erheblichen Verkürzung der Winterpause – letzter Spieltag vor Weihnachten erst am 19. Dezember, und am 30. Januar soll trotz nicht vorhandener Rasenheizungen schon wieder gespielt werden – und einer bis 12. Juni 2021 verlängerten Saison. Wenn nun einen ganzen Monat pausiert werden müsste, könnte das Mammutprogramm nicht mehr bis Juni abgespult werden.
Geisterspiele im November wären da die Option, hätten aber natürlich den Nachteil der fehlenden Zuschauereinnahmen. Doch es scheint kein Weg daran vorbei zu führen – falls die Politik die Regionalliga lässt.
