Interview „Ohne Idealismus läuft in der Musikbranche nichts“

RockXn spielt in der Besetzung (von links) Felix Jäger, Christoph Seibel, Otto Ritter, Peter Fischer und Philipp Graf.
RockXn spielt in der Besetzung (von links) Felix Jäger, Christoph Seibel, Otto Ritter, Peter Fischer und Philipp Graf.

RockXn gehört zu den wenigen Bands in der Region, die auch unter Corona-Bedingungen auftreten. So auch am Freitag beim Finale des Pirmasenser Sommerintermezzos. Peter Schneider sprach mit den Gitarristen Philipp Graf und Christoph Seibel über die aktuellen Probleme der Musikbranche.

Auf der Webseite Ihrer Band steht, dass von sieben geplanten Konzerten drei abgesagt werden mussten. Liegt das allein an den Beschränkungen zur Corona-Bekämpfung, denn die sind doch gerade erst gelockert worden?
Seibel: Tatsächlich sind die Konzerte aufgrund der Corona-Verordnungen abgesagt worden. Die Veranstaltungsbranche leidet sehr darunter. Und so sind wir trotz dieser Absagen froh, zu den Bands zu gehören, die auch in dieser schweren Zeit angefragt werden. Umso glücklicher sind wir, am Freitag in Pirmasens spielen zu können. Das ist eine mutige und tolle Aktion der Stadt.

Was können die Besucher bei diesem Konzert erwarten?
Graf: Wie spielen ein zweistündiges, breitgefächertes Programm. Unseren Sound haben wir weiterentwickelt und bleiben nicht nur auf der Akustik-Schiene stehen. Rock-Hits brauchen E-Gitarren und Schlagzeug. Gerade – bei einem Open Air entfaltet sich die Stimmung so umso besser.

In früheren Jahren hat um diese Zeit die Konzertsaison begonnen. Wie schätzen Sie aktuell unter dem Corona-Einfluss die Lage für Musiker und Veranstalter ein? Einige Clubs sind sehr kreativ geworden. Der 7er Club in Mannheim beispielsweise hat die Freiluftsaison bis zum 22. Oktober verlängert, und die Garage in Saarbrücken bietet für den Saison-Beginn am 25. September mit „Rock’n’Eat“ ein neues Veranstaltungskonzept an, um Besucher in den Club zu locken.
Graf: Diese Beispiele beziehen sich nicht auf Rheinland-Pfalz. Hierzulande stirbt die Veranstaltungstechnik und Musikerbranche. Ohne Finanzierung, Idealismus und großes Engagement läuft da momentan nichts. Wichtig ist aber, den Menschen weiterhin Kultur anzubieten, so wie es die Stadt Pirmasens vormacht.

Seibel: Viele unserer Kollegen und Freunde, die ganz von der Musik und der Sound- und Veranstaltungstechnik leben, kämpfen ums wirtschaftliche Überleben.

Planen Sie unter den derzeitigen Einschränkungen im Dezember wieder Ihre Kirchen-Konzertreihe „Candlelight Evening“?
Seibel: Das können wir jetzt noch nicht sagen. Wir warten ab. Es wäre aber schön, wenn es klappt.

Infos

  • Karten für das Konzert am Freitag ab 19 Uhr auf dem Joseph-Krekeler-Platz vor der Alten Post in Pirmasens gibt es für zehn Euro im Kulturamt, Telefon 06331/842352. Das Kartenkontingent ist begrenzt, daher ist eine Reservierung vorab erforderlich. Bei schlechtem Wetter findet das Konzert in der Festhalle statt.
  • Mehr zur Band steht im Internet unter https://www.rockxn.de/.

Maximal 250 Besucher

Die Elfte Corona-Bekämpfungsverordnung Rheinland-Pfalz vom 11. September ist am gestrigen Mittwoch in Kraft getreten und sieht unter bestimmten Voraussetzungen weitere Lockerungen vor, nach denen auch eine größere Besucherzahl bei Konzerten möglich ist. Die beiden Abschlusskonzerte des Pirmasenser Sommerintermezzos am Freitag und Samstag profitieren davon allerdings nicht. „Die Kapazität auf dem Joseph-Krekeler-Platz bleibt vorerst bei maximal 250 Besuchern“, hieß es dazu gestern aus dem Kulturamt. Um die neue Verordnung umzusetzen, müssten erst entsprechend neue Hygienepläne erstellt werden. Eine Erweiterung der Kapazität auf über 250 Besucher ist für diese beiden Konzerte allerdings auch nicht nötig, da für den Auftritt von RockXn am Freitag bislang etwa 200 Karten verkauft wurden, für das Konzert von Johannes Meyerhöfer und Moritz Ebert am Samstag sogar nur rund 80.