Interview RHEINPFALZ Plus Artikel „Mit Ian Gillan aufzutreten, ist großes Kino“

Alex Beyrodt bei einem Konzert im Pirmasenser Quasimodo.
Alex Beyrodt bei einem Konzert im Pirmasenser Quasimodo.

Der Elversberger Alex Beyrodt, der wiederholt im Pirmasenser Quasimodo aufgetreten ist, ist ein viel beschäftigter Gitarrist, sei es beim Projekt „Rock meets Classic“ oder der Band Primal Fear. Mit seiner eigenen Formation Voodoo Circle hat er nun mit „Locked & Loaded“ ein neues Studioalbum veröffentlicht, das gleich auf Platz 24 in die deutschen Verkauf-Charts eingestiegen ist. Darüber sprach Beyrodt mit Peter Schneider.

Das neue Album ist fertig. Mit was vertreiben Sie sich nun die Zeit – wann Sie wieder Konzerte geben können, ist trotz der Lockerungen des Lockdowns ja noch ungewiss ?
Ich stand vor genau einem Jahr zum letzten Mal auf der Bühne, und zwar mit „Rock meets Classic“ in Berlin unter anderem mit Alice Cooper. Dann sind wir nach Hause gefahren und standen vor der Entscheidung, was machen wir mit der Band Voodoo Circle? Damals war ja der ganz harte Lockdown. Wir haben uns dann dazu entschieden, das Album trotz des Lockdowns zu machen. Ich hatte damals natürlich auch viel Zeit, mich um die Gitarren-Aufnahmen zu kümmern, habe mir neues Equipment besorgt und mich in die Gitarrenspuren reingekniet. Als das Album schließlich abgeschlossen war, habe ich angefangen, neue Songs für das nächste Voodoo-Circle-Album zu schreiben – bin ja ein fleißiges Kerlchen. Ich dachte mir damals, so viel Zeit wie jetzt, werde ich nie wieder haben, wenn alles so langsam wieder zur Normalität zurückkehrt. Ich habe momentan also schon vier oder fünf Songs für Voodoo Circle fertig und mit dem Songwriting für die nächste Primal-Fear-Platte habe ich auch schon angefangen.

Und dann haben Sie doch auch noch ein Instrumental-Album in Planung...
Als mich so die Muse geküsst hat, habe ich mir gedacht, ich könnte ja auch mal das tun, was ich schon immer mal tun wollte – nämlich ein Instrumentalalbum aufnehmen. Jeder sogenannte Guitar-Hero, der was auf sich hält, macht irgendwann mal ein Instrumentalalbum. Also ein ganz neues Terrain für mich. Und das ist ja gar nicht so einfach, denn du musst die Spannung halten, du hast keinen Gesang – das ist also schon eine andere Hausnummer. Und dafür habe ich jetzt angefangen, zu komponieren.

Haben Sie die neue Voodoo-Circle-Platte allein komponiert, oder war das Teamwork?
Es ist so, dass bei mir zu Hause erstmal die Musik entsteht. Wenn ich dann genügend Songs zusammen habe, von denen ich glaube, dass sie stark genug sind, schicke ich diese Demos zu meinem Freund und Kollegen Mat Sinner, der dann noch mal drüber hört. Dann wird diskutiert und geändert. Danach kommt David Readman vier oder fünf Tage zu mir nach Hause und wir arbeiten an den Melodien. Diese Vorgehensweise war bisher bei allen Voodoo-Circle-Alben so und ist ein schönes Teamwork. Aber man hört natürlich heraus, dass alles meine Handschrift trägt.

Der Titelsong „Locked & Loaded“ mit seinen Bläser- und Funk-Parts ist wohl die experimentellste Nummer, die Sie bislang veröffentlicht haben.
Dieser Song ist mit einem Augenzwinkern zu hören. Ich habe das Lied mit der folgenden Herangehensweise geschrieben: Wir brauchen einen Song, der Mitte der 1980er Jahre in einer Rock-Disco gelaufen wäre, wo die Mädels in ihren Neon-Kleidern und High Heels auf die Tanzfläche gehen und einfach tanzen müssen, weil sie gar nicht anders können. Wenn man das jetzt im Hinterkopf hat, erklärt sich dieser Song. „Locked & Loaded“ ist stilistisch gesehen quasi Lenny Kravitz on Steroids.

Haben Sie Alice Cooper bei „Rock meets Classic“ persönlich kennengelernt?
Ja klar habe ich ihn kennengelernt. Der ist ziemlich gut drauf, ziemlich locker und sehr nett. Ich hatte einmal das Glück, bei einem Essen in Passau bei ihm am Tisch zu sitzen. Neben mir Joe Lynn Turner, der einstige Rainbow- und Deep-Purple-Sänger, und Alice Cooper mir gegenüber. Dabei hat Alice so einige fast unglaubliche Geschichten aus seinem Leben erzählt.

Hat er auch von seiner aktuellen Band Hollywood Vampires gesprochen?
Nein. Es ging in die Zeit zurück, als er 18 Jahre alt war. Damals hatte er das erste Treffen mit seinem Manager, der ihn noch heute betreut. Cooper kam also damals in Los Angeles in das Büro dieses Manager. Der saß hinter einem riesigen Schreibtisch, und rechts daneben auf einer Couch saßen Janis Joplin, Jimi Hendrix und Jim Morrison nebeneinander und haben Joints geraucht. Hendrix hielt dem blutjungen Alice Cooper auch einen Joint hin und fragte, ob er mal ziehen wolle. Das war an diesem Abend nur eine Story von ganz ganz vielen.

Welche anderen Stars haben Sie bei „Rock meets Classic“ kennengelernt?
Ich mache die „Rock meets Classic“-Sache ja nun seit zehn Jahren. Mit Steve Lukather von Toto, der ein Wahnsinns-Gitarrist ist, bin ich mittlerweile gut befreundet. Wenn ich dem eine SMS schicke, habe ich innerhalb von einer Minute eine Antwort. Und mit Ian Gillan von Deep Purple verbindet mich jetzt auch schon eine richtig enge Freundschaft – der nennt mich ja nur „The German Blackmore“. Mit Gillan habe ich in Basel an einer Hotelbar den ganzen Abend lang Whiskey getrunken und er hat dabei Geschichten erzählt, die kann man mit Geld nicht bezahlen. Das geilste und schönste Erlebnis mit Ian Gillan war während unseres ersten gemeinsamen Konzerts in Frankfurt. Gillan hat damals zu uns gesagt, dass er nicht zur Probe kommen würde, da er Songs wie „Highway Star“ oder „Smoke On The Water“ natürlich schon tausend Mal live gesungen habe. Er kam also erst kurz vorm Konzert zum Intro von „Highway Star“ auf die Bühne. Da habe ich ihn zum ersten Mal gesehen. Und es ging direkt gut los. Er lief hinter mir vorbei und hat mir so auf die Schulter geklopft, dass ich mich zur falschen Seite hin umdrehte. Der hatte mich also schon direkt auf dem Schirm mit meiner weißen Stratocaster und den schwarzen Klamotten.

Gillan dachte sicherlich, er hätte einen Zeitsprung gemacht und hier würde der junge Richie Blackmore stehen?
Dass er so cool zu mir war, hat mich beflügelt. Dieses Gitarrensolo von „Highway Star“ ist ja ein Klassiker, und ich habe zu mir gesagt: „Alex, gleich kommt das Solo. Jetzt musst du irgendwas machen, damit der Gillan durchdreht.“ Also habe ich das Solo hinter dem Kopf gespielt, ohne das bei diesem Song zuvor jemals geprobt zu haben. Beim schnellen Part des Solos habe ich die Gitarre dann auf den Boden geworfen und habe sie von oben gespielt wie ein Klavier. Es gibt ein Foto, wo Ian Gillan zusieht, wie ich das Solo hinterm Kopf spiele. Es war lange Zeit das Profil-Foto meiner Facebook-Seite. Da steht er also mit weit aufgerissenen Augen und sieht mich an. Ich bin während des Solos auf ihn zugegangen und habe ihn angelacht – da ist er ausgerastet. Als ich nach dem Konzert hinter der Bühne noch kurz auf einem Instrumentenkoffer saß und durchgeatmet habe, kam Gillan die Bühnentreppe zu mir herunter. Da dachte ich nur „hoffentlich ist er nicht sauer, weil ich ihm ein bisschen die Show gestohlen habe. Vielleicht will er ja auch nicht, dass ich ihm auf der Bühne zu nahe komme.“ Aber er stellte sich vor mich, sah mich an und fragte: „Wie heißt Du? Was du heute Abend bei ,Highway Star’ gemacht hast, machst du ab jetzt bitte jeden Abend!“ Da war das Eis zwischen uns gebrochen. So ging es also mit Ian Gillan und mir los, und mittlerweile haben wir etwa 80 Konzerte zusammengespielt. Das ist schon großes Kino!

Denken Sie, die momentane Krise verändert die Rock- und Metal-Musikszene nachhaltig, oder wird es nach Corona genauso weiter gehen wie zuvor?
In fünf Jahren wird man zurückblicken und sagen: „Damals war alles Scheiße“. Ich glaube auch nicht, dass ich dieses Jahr noch irgendwelche Konzerte spielen werde. Das kann ich mir in der derzeitigen Situation nicht vorstellen. Außerdem stellt sich die Frage, wer überhaupt hingeht, wenn wieder Konzerte erlaubt sind. Trauen sich die Leute das noch? Ist es überhaupt noch finanzierbar und wird es Regelungen geben, dass nur Geimpfte dorthin dürfen? Wir blicken da ja momentan noch in ein riesiges schwarzes Loch. Es wird sicher noch eine Weile dauern, bis wir alle wieder in der ersten Reihe stehen, Bier trinken und uns anlachen können.

Infos

Mehr zu Alex Beyrodt steht im Internet unter www.voodoocircle.de, www.rockmeetsclassic.de/ und https://www.facebook.com/Alex.Beyrodt.

Das Cover der neuen CD von Voodoo Circle.
Das Cover der neuen CD von Voodoo Circle.
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