Pirmasens
Missbrauchsfälle durch Bistum bestätigt: Übergriffe in Pirmasenser Kinderheim
Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann sorgte vor einigen Tagen für bundesweites Aufsehen. In einem Interview mit der Bistumszeitung „Der Pilger“ machte er Missbrauchsfälle in einem kirchlichen Kinderheim in Speyer öffentlich. Außerdem benannte er einen Täter namentlich: den ehemaligen Generalvikar der Diözese Rudolf Motzenbäcker. Die Vorfälle liegen mittlerweile Jahrzehnte zurück.
Kaum vorstellbar
Auch im Nardini-Haus ereigneten sich Übergriffe, die heute kaum vorstellbar sind. Bei den unabhängigen Missbrauchsbeauftragten des Bistums Speyer sind seit dem Jahr 2010 vier Missbrauchsanzeigen eingegangen. Bei den Vorfällen in Speyer spielten Ordensschwestern offenbar eine größere Rolle. Die Missbrauchsopfer der Pirmasenser Einrichtung haben ebenfalls Vorwürfe gegen Nonnen, einen Priester und einen weltlichen Mitarbeiter erhoben. Die Übergriffe ereigneten sich laut Bistumssprecher Markus Herr in den 50er, 60er und 70er Jahren.
Die Diözese Speyer nimmt die Vorwürfe ernst. Die unabhängigen Missbrauchsbeauftragten des Bistums haben mit den Betroffenen gesprochen und dem Bericht von ihren Leiderfahrungen Glauben geschenkt. Gemäß einer Absprache der Deutschen Bischofskonferenz habe die zentrale Koordinierungsstelle mit Sitz in Bonn die Höhe der Leistungen „in Anerkennung des Leids“ festgelegt. Laut Bistumssprecher Herr flossen an die vier Opfer Summen zwischen 2000 und 10.000 Euro.
Mehr Geld?
Allerdings ist durchaus möglich, dass sie demnächst noch weitere Zahlungen erhalten. Ab Januar gilt ein neues Verfahren, das die Möglichkeit höherer Leistungen vorsieht. Die unabhängigen Missbrauchsbeauftragten des Bistum sprechen den Angaben zufolge derzeit alle Betroffenen an, ob sie höhere Leistungen nach dem neuen Verfahren beantragen wollen.
Die namentlich bekannten Beschuldigten seien zum Zeitpunkt der Anzeige jedoch bereits alle verstorben und die Taten verjährt gewesen, heißt es. Die Betroffenen haben sich laut dem Bistumssprecher bei den unabhängigen Missbrauchsbeauftragten zwischen 2014 und 2019 gemeldet.
Opfer waren zwischen acht und 15 Jahren
Zum Zeitpunkt des Missbrauchs waren die Opfer den Angaben zufolge zwischen acht und 15 Jahren alt. Auf Nachfrage teilt das Bistum Speyer zudem mit, dass der Geistliche, der sich an einem Kind vergriffen hatte, für die Seelsorge im Nardini-Haus zuständig gewesen sei. Der Beschuldigte sei bis zu seinem Ruhestand in Pirmasens tätig gewesen. Bistumssprecher Herr räumt ein, dass man sich aus heutiger Sicht frage: Wie kann das sein? Dazu müsse man sich jedoch vor Augen führen, dass sich die Betroffene erst 2018 an die unabhängigen Missbrauchsbeauftragten des Bistums gewandt hat, also viele Jahre später, nachdem der Beschuldigte schon lange verstorben war.
Zwei der Opfer gaben an, durch Ordensschwestern mehrfach gewaltsam behandelt und gequält worden zu sein. Insgesamt seien fünf Nonnen namentlich benannt worden.
