Reportage
Ein großer Spaß für alle: Kimmle-Kicker trainieren mit U16-Nationalmannschaft
Die erste Übungseinheit in der Südwestpfalz ist eine ganz besondere, ein inklusives Training mit der Heinrich-Kimmle-Stiftung. Kaum in Pirmasens angekommen, geht es am Montagnachmittag nämlich für den gesamten Tross der deutschen U16-Fußballnationalmannschaft per Bus von Emil’s Hotel in Winzeln hinauf auf die Husterhöhe, wo auf dem Kunstrasen die Trainingspartner der Pirmasenser Heinrich-Kimmle-Stiftung warten.
„Wir sind froh, dass wir diese ,Herz-zeigen-Aktionen’ vor Ort wieder durchführen können. Das war während der Pandemie alles zum Erliegen gekommen“, sagt U16-Nationaltrainer Marc-Patrick Meister, der auch mal Cheftrainer des Karlsruher SC war. Auswahlkeeper Leonard Reiners vom 1. FC Köln schwärmt: „Das war ein Empfang! Ich habe nur in nette und vor Begeisterung strahlende Gesichter geschaut.“
Zwei Welten verschmelzen sofort miteinander
Bei diesem inklusiven Training treffen zwei eigentlich völlig verschiedene Fußballwelten aufeinander. Das Erstaunliche: Sie verschmelzen auf herrlich unbekümmerte Art und Weise innerhalb von Sekunden miteinander wie die Glieder eines Reißverschlusses.
Eric Schmitt betreut die 26 Kicker der Stiftung, die sich um Menschen aus der Südwestpfalz mit Beeinträchtigungen kümmert. „Wir sind richtig gut“, zählt Schmitt gleich mal die Erfolge auf: Die Männer waren bei den Turnieren der Werkstätten für beeinträchtigte Menschen von 2017 an viermal Rheinland-Pfalz-Meister und wurden bei der deutschen Meisterschaft 2023 Vierter. Die Frauen mussten sich im Finale um die deutsche Meisterschaft der Auswahl von Schleswig-Holstein erst im Finale nach Elfmeterschießen geschlagen geben.
Geschwitzt, mit roten Bäckchen und Strahlen
„Alles dribbelt durcheinander. Ganzer Platz!“, lautet das Kommando von Nationaltrainer Meister. Athletiktrainer Vassili Kotelis lässt alle dann ordentlich dehnen und stretchen, bevor ein Pass- und Laufspiel in kleinen Gruppen folgt. Nach 20 Minuten die erste Trinkpause. So komplett durchgemischt, geht es bis zum Schluss weiter. Da kicken zwei Teams zwölf gegen zwölf quer über den halben Platz. Herausragend der schnelle Zweibrücker mit dem krachenden Abschluss, Manuel Konrad. Die neuen Mannschaftskollegen, die sonst bei Bayern München oder Eintracht Frankfurt spielen, suchen ihn immer wieder. „Er hat in unserem letzten Testspiel sechs Tore erzielt“, kennt Coach Schmitt die Qualitäten Konrads. Ob er in einem Verein spielt? „Ich hab’ das schon probiert. Als ich dann zu den Spielen kam, hat man mich aber immer nur auf der Bank schmoren lassen. Da hab’ ich wieder aufgehört“, erzählt der gute Kicker mit Beeinträchtigung.
Schweißüberströmt, rote Bäckchen und ein ansteckendes Strahlen im Gesicht – Anne Siegler, die 25-jährige Pirmasenserin, sagt: „Ich hab mich so was von gefreut auf dieses Training. Ich hau’ heut alles raus.“ Auf der anderen Platzhälfte fällt der Torhüter auf. Er fliegt von einer Ecke in die andere, wird angefeuert, wird gelobt. Benjamin Orth heißt er und spielt für den FC Merzalben. „Das habe ich ja nicht alle Tage, dass Nationalspieler versuchen, mir einen Ball ins Netz zu hauen“, merkt er an. Am Freitag (Anstoß: 18 Uhr) kann er nicht zum Länderspiel gegen Italien ins Pirmasenser Framas-Stadion kommen, für das schon über 2000 Karten verkauft sind: „Da hab’ ich Training. Das geht vor.“
Matteo Palma freut sich auf Spiel gegen Italien
Keeper-Wechsel. Das schönste Tor gegen den 1,92 Meter großen Nationalkeeper Reiners erzielt Max Gerlinger, der auch für den SV Ixheim stürmt. „Geil, oder?“, geht ihm das Lob der Umstehenden „runter wie Öl“. Reiners: „Ich bin überrascht von der Qualität der Spielerinnen und Spieler von der Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigung.“
Einen Profivertrag schon in der Tasche hat Matteo Palma. Als Berliner Junge hat er von der U9 bis in die U13 bei der Hertha gespielt. Da sein Papa Italiener ist, kam dann der Wohnsitzwechsel nach Udinese in Italien. Dort spielt der 16-jährige Innenverteidiger mit der U19 von Udinese Calcio in der Klasse Primavera 2. Bei Einsätzen für die italienische Nationalmannschaft wurde er gesichtet für die DFB-Auswahl und freut sich auf seinen ersten Auftritt im deutschen Nationaltrikot am Freitag oder Montag (11 Uhr) in Pirmasens – „ausgerechnet gegen Italien!“ In der Jugend darf man für zwei Nationen spielen. „Sobald man aber das erste Spiel in einer Herren-Nationalmannschaft absolviert hat, ist man festgespielt“, erklärt die Teammanagerin der deutschen U16, Johanna Pierags, die dieses außergewöhnliche Training eingefädelt hat.