Neustadt
Wieso es weniger gepflegte Wanderwege geben soll
Die Anzahl der ausgeschilderten und gepflegten Wanderwege im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen soll reduziert werden. Dieses Ziel verfolgen die Verantwortlichen des Naturparks schon seit 2010. Unter anderem, weil die Ausschilderung der Abschnitte unübersichtlich ist und ein Teil der Wege durch ökologisch sensible Bereiche führt, die unberührt bleiben sollen. Die Stadt Neustadt wurde deshalb ebenso wie alle anderen Kommunen mit Wegen im Reservat dazu aufgefordert, ihre Strecken in einem Besucherlenkungskonzept abzubilden.
Das Konzept soll Wege enthalten, die im Pfälzerwald ausgeschildert und gepflegt werden und für die geworben werden soll. Die endgültige Entscheidung darüber, welche Wege Teil des Konzepts sein sollen, trifft der Bezirksverband Pfalz als Träger des Biosphärenreservats.
Wieso es Verzögerungen bei der Umsetzung gab
Unter anderem die Stadt Bad Dürkheim und die Verbandsgemeinde Lambrecht haben ihre Hausaufgaben gemacht. In Neustadt, das den größten Waldbereich in Rheinland-Pfalz besitzt, tat sich erst einmal lange nichts. Die städtische Umweltabteilung begründete dies unter anderem mit technischen Problemen bei der Digitalisierung der Wege und personellen Engpässen. Doch nun kommt Bewegung in die Sache. Der Geschäftsführer der Tourist, Kongress und Saalbau (TKS) GmbH, Martin Franck, sagt: „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels.“
TKS-Mitarbeiterin Cathia Mullem habe mit Unterstützung von Klaus Hünerfauth, stellvertretender Leiter der Umweltabteilung, eine Bestandsaufnahme der Wanderwege erstellt. Die erforderliche Software, die eines der Probleme war, das bei der Umsetzung des Konzepts zu Verzögerungen führte, habe der Neustadter Radverkehrsbeauftragte Arnold Merkel zur Verfügung gestellt.
Wer beim Konzept mitentscheiden soll
Auf der von Mullem und Hünerfauth erstellten Liste stehen 120 Wanderwege. „Wir hoffen, dass 25 bis 30 Prozent gestrichen werden können“, sagt TKS-Geschäftsführer Franck. Dazu habe man Vorschläge gemacht. In die Entscheidung mit einbezogen werden neben dem Forst und dem Pfälzerwald-Verein die Ortsbeiräte der Neustadter Weindörfer, in deren Wald es gekennzeichnete Wanderwege gibt. Darüber hinaus sei eine Abstimmung mit den Nachbarkommunen erforderlich. Laut Franck sei es schließlich nicht sinnvoll, wenn ein grenzüberschreitender Wanderweg auf der Gemarkung der einen Gemeinde ausgeschildert wird und auf der Gemarkung der anderen nicht.
Einige der Wege im Pfälzerwald sollen als sogenannte Themenwege beworben werden. Das bedeutet, dass sie einen Namen bekommen, der wiederum mit Besonderheiten entlang der Strecke verbunden ist. Wieso beispielsweise eine Strecke in Esthal als Brunnenweg bezeichnet wird, lässt sich schon vom Namen her erklären.
Wenn es an die Umsetzung geht
Wie Franck berichtet, war ursprünglich vorgesehen, dass die Stellungnahmen aller Beteiligten bis Ende März vorliegen. Da aber viele Gremien wegen der Pandemie nur selten zusammenkommen, werde sich dieser Termin wohl etwas verschieben. Wenn alle Rückmeldungen eingetroffen sind, müsse entweder der Aufsichtsrat der TKS oder der Stadtrat entscheiden, welche Wanderwege im Pfälzerwald erhalten werden sollen. Dieser Vorschlag gehe dann am Ende zur Genehmigung an die Verantwortlichen des Naturparks.
„Dann geht es an die Umsetzung“, sagt Franck. Das bedeutet, die Wege müssen einheitlich beschildert und in Ordnung gebracht werden. Auch Bänke sollen an einigen Wegen aufgestellt werden. „Die Umsetzung können wir nicht selbst machen“, sagt Franck. Die Arbeiten werden ausgeschrieben, damit ein externer Dienstleister damit beauftragt werden kann. 100.000 Euro stehen nach Angaben von Franck für das Besucherlenkungskonzept im Haushalt der TKS. Er gehe aber schon jetzt davon aus, dass das Geld nicht reichen wird.
Sollten die Wanderwege feststehen, bestehe keine Pflicht, nur auf diesen zu laufen. Franck erklärt: „Wer möchte, kann natürlich auch weiter auf allen anderen Wegen wandern.“ Allerdings würden die anderen Strecken im Pfälzerwald nicht mehr gepflegt. Es sei aber möglich, dass beispielsweise Wandergruppen, Fördergemeinschaften oder andere die Pflege einzelner Wege übernehmen.