Neustadt / Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Tischtennis: Material kann in der Spielpause Schaden nehmen

Der ein oder andere Tischtennisspieler sollte vielleicht mal genauer nachsehen, wie er seinen Schläger gerade gelagert hat. Denn
Der ein oder andere Tischtennisspieler sollte vielleicht mal genauer nachsehen, wie er seinen Schläger gerade gelagert hat. Denn sonst kann das Material in der langen Pause Schaden nehmen.

Seit Beginn des Lockdowns im November verstauben die Tischtennisschläger in den Sporttaschen. Ob und wann wieder trainiert werden kann, steht noch in den Sternen. Warum sich der ein oder andere Spieler wundern wird, wenn er den Schläger wieder auspackt.

Der Pfälzische Tischtennis-Verband (PTTV) hatte die laufende Saison 2020/21 samt aller anhängenden Mannschaftswettbewerbe abgesagt und will wieder im August oder September in die neue Runde starten. Training in den Sporthallen ist noch nicht wieder möglich. Die Hoffnung auf einen Saisonspielbetrieb wie in pandemiefreien Zeiten ist aber zumindest bei einigen Spielern vage vorhanden. Doch wenn die Akteure dazu wieder ihre Schläger aus der Tasche holen, werden sich einige wundern. Denn manches Tischtennis-Material lässt bei Nichtgebrauch nach, während das für anderes sogar besser ist.

Beläge wie Fahrradreifen

„Bei Belägen ist es wie bei Fahrradreifen. Das kennt jeder. Das Fahrrad steht zwei Jahre im Keller, man will es rausholen, und der Reifen ist platt. Wenn man Tischtennisbeläge nicht nutzt, werden sie spröde. Die Weichmacher gehen raus“, erklärt Thorsten Mehlhorn, Mitarbeiter eines Tischtennisgeschäfts in Siebeldingen bei Landau. Der in Kleinsteinhausen wohnende Akteur des SV Mörsbach warnt vor allem davor, die Schläger während der Spielpause zu großer Hitze, im schlechtesten Fall der Sonne (UV-Licht) oder besonderer Kälte auszusetzen. Denn das könne dazu führen, dass Beläge Qualität und besondere Spieleigenschaften verlieren.

Sebastian Edel, Spieler und Sportwart des TTV Neustadt, sieht das Material-Problem in seinem Verein eher nicht. „Wir wechseln ohnehin einmal im Jahr die Beläge. Da legen wir großen Wert drauf“, umgeht Edel das Weichmacher-Problem. Bei den Platten hingegen agiert der TTV äußert vorsichtig. Er ist vorgeprägt von einem Wasserschaden, der nur drei Jahre zurückliegt. „Damals hat zum Glück die Versicherung der Stadt die kaputten Platten bezahlt“, ergänzt Edel. Erst kurz vor dem ersten Corona-Lockdown im vergangenen Jahr hatte der TTV Neustadt neue Platten angeschafft. „Wir werden uns die Platten anschauen, wenn wir wieder in die Halle kommen. Sie stehen zusammengeklappt in einem Raum. Wir werden sie dann auf jeden Fall erst mal reinigen“, erklärt Edel, der nicht die ganz großen Ängste vor beschädigten Tischen hat. Er empfehle jedem Hobbyspieler, der in Garage oder Carport eine Platte hat, eine halbjährliche Reinigung mit einem dafür vorgesehene Reinigungsmittel, sowie eine trockene Lagerung.

Schlägerblatt mag es ruhig

Beim TuS Maikammer erzählt Christiane Lobe, Spielerin in der Verbandsoberliga, dass sie sich ihre Beläge noch nicht näher angeschaut habe. „Der Belag, den ich gerade drauf habe, ist schon etwas älter. Ich habe aber auch schon einen neuen Belag zu Hause“, sagt der Teamkapitän. Sie sei sicher, dass der noch originalverpackte neue Belag, keine Schäden nehme. Bei der Reinigung der Tischtennisplatten empfiehlt sie Spülmittel und Wasser. Erstaunlicherweise würde aber die Farbe auf der Oberfläche des Tisches bei der Reinigung zum Teil mit abgetragen. „Das liegt nicht nur am Desinfektionsmittel, dass die Farbe mit abgeht. Auch beim normalen Reinigen geht sie mit ab“, sagt Lobe. Sie empfinde dies jedoch nicht als sonderlich schlimm. Dennoch könne sie zur Zeit ohnehin nichts für die Plattenreinigung machen, da ein Verbot bestehe, die Halle zu betreten. Da Hobbyplatten ständig in Benutzung seien, sehe sie auch eine ständige Reinigung als entbehrlich an. „Bei den Hobbyspielern wird es auch keine Belagprobleme geben. Sie nutzen die Schläger ständig“, fügt die TuS-Akteurin an.

Anders verhält es sich laut Mehlhorn beim sogenannten Holz – dem Schlägerblatt, auf dem die aus Gummi und Kunststoffen bestehenden Beläge festgeklebt werden. Die Hölzer werden von den Akteuren meist über Jahre gespielt, können durch das Spielen aber durchaus faserige Risse bekommen. Im schlechtesten Fall bricht das Holz dann an einer Stelle. Am häufigsten gehen Hölzer aber kaputt, wenn die Spieler während des Matchs damit an der Platte hängen bleiben, den Schläger aus der Emotion heraus auf den Tischtennistisch donnern – oder eben durch unglückliche Lagerung in den Sporttaschen. „Ein Holz spielt man eigentlich ewig. Manche Leute haben es sogar 20 bis 25 Jahre. Wenn es bei normalen Temperaturen in der Tasche liegt, ohne dass es benutzt wird, ist es sogar besser“, erklärt Mehlhorn. Denn das mehrlagige Material, das auch Carbon enthalten kann, wird durchs Spielen und nasse, schwitzige Hände angegriffen. Auch wenn der Schläger über Monate in feuchten Räumen abgelegt wird, kann dies dazu führen, dass ein Holz sich etwas aufweicht und an Qualität verliert.

Tischtennisbälle wie alter Wein

Ganz anders – wie bei einem guten Wein – kann es sich hingegen bei Tischtennisbällen verhalten. „Bei den Zelluloid-Bällen war es früher so: Je länger sie gelagert wurden, desto mehr sind sie ausgehärtet und haben sogar an Qualität gewonnen“, erklärt Mehlhorn. Auch bei den seit einigen Jahren im Betrieb befindlichen Plastikbällen gibt es kaum Probleme. „Mittlerweile sind die Plastikbälle etwa so gut wie die aus Zelluloid. Sie sollten in den Monaten, in denen nicht gespielt wird, keine Qualität verlieren“, sagt Mehlhorn.

Einer möglicherweise bald höheren Nachfrage bei Belägen sieht Mehlhorn gelassen entgegen. „Zurzeit ist es so, dass der Hobbybereich die Tischtennis-Unternehmen stützt. Der Amateurbereich ist, da nicht gespielt wird, weggebrochen. Es werden kaum noch Trikots, Bälle und Material verkauft“, erklärt der Angestellte eines Tischtennisgeschäfts. Er befürchtet ein wenig, dass etliche Spieler nach der Pandemie nicht mehr zum Schläger greifen und so auch die Fachunternehmen nicht mehr mit den Absatzzahlen vergangener Jahre rechnen können.

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