Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadter Tankstellen unter Eindruck von Idar-Oberstein

Für Jörg Grubert (rechts) und seine Mitarbeiter in der Jet-Tankstelle gehört das Tragen der Maske beim Kundenkontakt dazu.
Für Jörg Grubert (rechts) und seine Mitarbeiter in der Jet-Tankstelle gehört das Tragen der Maske beim Kundenkontakt dazu.

Während es in einer Neustadter Tankstelle immer mal wieder Diskussionen mit Maskenverweigerern gibt, ist das in einer anderen kein großes Problem. Wobei der Fall des getöteten Tankwarts in Idar-Oberstein schon seine Spuren hinterlassen hat.

Er war 20 Jahre alt und hat nur seinen Job gemacht. Wie oft ist dieser Satz nach dem Vorfall in Idar-Oberstein am Abend des 18. September bereits gefallen. Der Student, der in der Tankstelle jobbte, hatte laut den Ermittlern einen 49-jährigen Kunden ohne Mund-Nasen-Schutz auf die Maskenpflicht hingewiesen. Es soll zum Streit gekommen sein. Der 49-Jährige soll zurückgekommen sein und den jungen Mann erschossen haben. Am Donnerstag wird das Opfer beigesetzt.

Mit Maskenverweigerern hatte auch das Personal der Jet-Tankestelle in Neustadt schon häufiger zu tun. „Das war vor allem zu Beginn der Maskenpflicht so, in den vergangenen Monaten hat es sich wieder beruhigt“, sagt Pächter Jörg Grubert. „Entweder kommen die Leute nach den Diskussionen nicht mehr, oder sie sind einsichtig geworden.“

Kundin ruft die Polizei

Zum Glück habe man einen Nachtschalter, über den die Kunden auch tagsüber zeitweise bezahlen mussten, um Kunden und Mitarbeiter zu schützen, berichtet Grubert. „Aber auch das haben manche als Diskriminierung betrachtet und mit dem Anwalt gedroht. Das war stellenweise sehr schwierig und anstrengend.“ Eine Kundin habe sogar die Polizei gerufen. Die Beamten hätten sie darauf hingewiesen, dass immer noch Hausrecht gelte. „Wir haben ein Attest auch nie als Freibrief erachtet, ohne Maske zu kommen“, so der Tankstellenbetreiber. Natürlich sei das ein zweischneidiges Schwert gewesen, man wolle den Leuten ja auch nichts Böses. „Lieber sind wir raus und haben dort kassiert, sofern es ging, oder eben über den Nachtschalter.“

Ein Maskenverweigerer habe ihm auch ein Informationsblatt von einer Haßlocher Ärztin in die Hand gedrückt und ihm einen „Riesenvortrag“ gehalten. „Am Ende ist es aber immer nur ein kleiner Teil, der einen aus der Fassung bringen kann“, ist Grubert überzeugt. Es habe auch durchaus witzige Situationen gegeben, etwa wenn einer seine Maske vergessen und den Kollegen vorgeschickt habe, um den Kaffee zu bezahlen. „Die allermeisten halten sich ja an die Regeln.“

Mitarbeiter tragen selbst Maske

Aber Ausnahmen gibt es eben immer wieder. Und im schlimmsten Fall kommt dabei jemand wie in Idar-Oberstein zu Tode. „Das war erschütternd, es hätte ja auch uns treffen können – genau wie alle anderen Kassierer in einem Supermarkt oder sonstwo“, sagt der Tankstellenbetreiber. So ein Vorfall sei noch einmal schlimmer als ein Überfall, denn dabei blieben die Mitarbeiter meistens unversehrt.

In der Jet-Tankstelle, wo die zehn Mitarbeiter während des Kundenkontakts ebenfalls Maske tragen, werde weiterhin auf die Tragepflicht hingewiesen: „Wenn wir sie selbst tragen, bieten wir gewissen Leuten auch weniger Angriffsfläche und weniger Grund für Diskussionen.“ Man müsse auch bedenken, dass es nur um eine kurze Zeit gehe, die die Kunden den Schutz tragen müssten.

Andernorts keine Probleme

Apropos Supermarkt: Auch dort gilt natürlich wie in allen Geschäften Maskenpflicht. Im Globus-Markt treffen die Mitarbeiter immer wieder auf Menschen ohne Mundschutz. „Aber dann hat der- oder diejenige ihn schlicht und ergreifend vergessen“, weiß Marktleiter Peter Wessalowski. Maskenverweigerer seien „Gott sei Dank kein großes Thema“. Im Zweifel stehe man immer hinter den Mitarbeitern, aber die Kunden seien zum Glück sehr einsichtig. „Und sollte es doch zu kritischen Situationen kommen, könnten wir das mit entsprechender Manpower regeln“, so Wessalowski.

Keine Probleme mit Maskenverweigerern gab es bislang bei der Esso-Tankstelle in der Nähe des Neustadter Hauptbahnhofs. Laut Stationsleiter Benti Vegna gibt es von der Konzernzentrale die klare Anweisung, die Menschen ohne Maske einmal freundlich auf die Maskenpflicht hinzuweisen und sie dann trotzdem zu bedienen, um möglichst wenig Konfliktpotenzial zu haben. Auch nach dem Tötungsdelikt von Idar-Oberstein habe die Zentrale noch einmal darauf hingewiesen, so Vegna.

Ratschlag von der Polizei

Dazu rät auch die Neustadter Polizei: Kunden höflich, aber bestimmt darauf aufmerksam machen, dass die Regeln der Corona-Bekämpfungsordnung einzuhalten sind. Oft genug komme es vor, dass jemand seine Maske vergessen hat, sagt Sprecher Stefan Molter. Bei der Polizeidirektion seien keine größeren Zwischenfälle im Zusammenhang mit Maskenverweigerern bekannt.

Für den Fall, dass es doch zu einer Bedrohung kommt, hat die für Idar-Oberstein zuständige Polizei in Trier folgende Tipps für Opfer und Zeugen zusammengestellt:

  • die Polizei über 110 informieren
  • markante Merkmale des Tatverdächtigen merken oder notieren
  • Kassenbons oder Rechnungen aufbewahren

wenn möglich das Autokennzeichen, Telefonnummern oder weitere bekannte Informationen über die Person notieren.

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