Neustadt
Mandelblütenfest: Wo Touristen Gimmeldingen lieben lernen
Ein junges Pärchen drängt sich noch hinten in den Bus, dann schließt der Fahrer die Türen. Das Shuttle ist proppenvoll. Die anderen Fahrgäste, die am Samstagmittag vom Neustadter Hauptbahnhof zum Mandelblütenfest in Gimmeldingen fahren wollen, müssen zehn Minuten warten – bei zartem Sonnenschein nicht schwer. Ein Paar aus South Carolina, USA, Anfang 30, das seit ein paar Monaten in Mainz wohnt und per Zug angereist ist, fragt sich auf dem Weg, wie der Busfahrer es durch die engen Haardter Straßen schafft. Er sagt auf Englisch: „Ich bin schon gespannt auf die Blüten und den Wein. Es gibt doch Wein, oder?“ Gibt es. Und neben der Königin, die er unbedingt sehen will, auch noch eine Prinzessin. „Exciting!“, entfährt es ihr.
Das Shuttle hält wider Erwarten nicht wirklich nah am Festgelände, sondern An der Althart in Haardt – näher gibt es keine Wendemöglichkeiten für den Bus, wie die Stadt erklärt. Bis zum Kirchplatz ist es von hier ein Stück, und die Beschilderung ist für Ortsunkundige nicht ausreichend. Der Mehrheit hinterher, erreicht man aber doch den ersten Ausschank im Feld am Ortseingang Gimmeldingen/Peter-Koch-Straße. „Wir kommen gerne in die Pfalz,“ erzählt ein Paar mittleren Alters aus dem Raum Karlsruhe auf dem Weg. Die Leute seien hier anders, geselliger, „man kann sich einfach dazusetzen“. Muss man auch, weil die Bierbänke mittlerweile alle voll besetzt sind.
„Wir sind das Original“
Bei der Eröffnung auf dem Kirchplatz posieren Mandelblütenkönigin Evra Saturn und ihre Prinzessin Maja Nett mit Weinhoheiten aus den umliegenden Weindörfern für Fotos, der Mandelblütenexpress spielt Blasmusik, das Publikum wippt mit. „Den Hype um die Mandelblüte in der Pfalz gäbe es nicht ohne Gimmeldingen“, sagt Ortsvorsteherin Claudia Albrecht (CDU), die zum zehnten und letzten Mal das Fest eröffnet, zur Menge auf dem Kirchplatz. „Wir sind das Original und ordentlich stolz drauf.“ Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) lobt die starken Ehrenamtlichen, die das Fest – „ ein Aushängeschild Neustadts“ – auf die Beine stellten. „Ohne euch und die Gastfreundschaft der Gimmeldinger wäre das alles nicht möglich.“
Matthias Frey vom Verkehrs- und Verschönerungsverein Gimmeldingen fordert die Stadtverwaltung am Mikrofon auf, mit einer Verlängerung der derzeit 18 erlaubten Ausschanktage rund um die Mandelblüte auf den Besucherandrang zu reagieren. „Die Leute waren letztes Wochenende schon da, und als guter Gastgeber sollten wir unseren Gästen etwas bieten.“
Internationale Gäste
An den Essens- und Ausschankstellen bilden sich langsam Schlangen. Besonders beliebt: der Mandelino, ein Cocktail mit Mandel. Lohnt sich das Anstehen?, will eine Gruppe aus dem Saarland wissen. Man teilt kurz – typisch Pfalz – das Glas, dann stellen sie sich an. Die Gimmeldinger Mandelblüte sei „weltberühmt“, sagen sie, die Atmosphäre super, die Menschen seien lustig. „Wir entdecken hier immer wieder neue Plätze.“ Eine Frau aus Kronberg im Taunus kennt die Pfalz gut, war aber noch nie zur Mandelblüte da. „Das wollte ich noch erlebt haben, bevor ich 60 werde.“
Am Rande der Mandelmeile probiert ein Italiener, der mit einem Tschechen und zwei Frauen aus Franken und Berlin unterwegs ist, seine allererste Dampfnudel mit Vanillesoße. „Knusprig“, so sein Urteil. Letzte Woche war die Gruppe schon mit dem Rad auf dem Mandelblütenpfad unterwegs. Das Gimmeldinger Fest erinnert sie an das Kirschblütenfest in Japan. „Aber wir müssen nicht hinfliegen.“
Einmal „Akkus aufladen“
Die Besucher setzen sich auf Mauern und Decken, entspannen in der Sonne und machen die obligatorischen Fotos vor den rosa Blüten. Auf einer Bank lassen eine 68-Jährige und ihr 75-jähriger Mann aus Kaiserslautern den Blick über den Neuberg schweifen. „Die Leute hier wissen, wie man lebt“, begründen sie, warum sie oft an die Weinstraße kommen. Auch ein 78-Jähriger aus Bretten im westlichen Kraichgau fährt „seit Jahrzehnten in die Pfalz, um meine Akkus aufzuladen“. Der Pfälzer sei kommunikationsfreudig und hilfsbereit, erzählt er am Tisch neben dem König-Ludwig-Pavillon.
Um kurz nach 15 Uhr ist der Parkplatz Süd voll und muss für knapp anderthalb Stunden geschlossen werden. Die Videodrohne hilft der Polizei zu entscheiden: Um Rückstaus auf die Autobahn zu vermeiden, wird für rund zehn Minuten die Zufahrt am Steinkreisel gesperrt. Am frühen Abend, als die meisten Touristen den Heimweg antreten, entspannt sich die Lage.
Bilanz: Ruhig und friedlich
Für Polizei und Rettungsdienst war es ein ruhiges und sehr entspanntes erstes Festwochenende, wie sie auf Nachfrage sagen. „Ein paar Pflaster, sonst nichts“, heißt es vom DRK-Einsatzleiter. Auch Aline-Kristin Großstück vom Stadtmarketing zieht am Sonntagnachmittag eine positive, erste Bilanz: „Es hat alles gut geklappt, wir sind zufrieden.“ Es sei ruhig und friedlich gewesen, und auch das Parkraumkonzept habe insgesamt gut funktioniert.
Auf dem Fußweg in Richtung Mußbach kommen einem gegen Abend plötzlich doch Einheimische entgegen, und es beginnt das, was der Neustadter an seinen Festen schätzt: Man trifft Leute, die man kennt und manchmal auch lange nicht gesehen hat. „Ich wollte eigentlich nicht, aber wurde von Freunden überredet“, sagt ein Gimmeldinger im Vorbeigehen und hebt zum Gruß sein Schorleglas.
Fest hat Tradition
„Es ist überlaufen, aber es ist seit zehn Jahren unser Brauch, auf dem Mandelblütenfest einen Kringelfritz zu essen“, erklären zwei Brüder aus Haßloch, die mittlerweile zum Studium weggezogen sind. „Das gehört dazu.“ Ihre Getränke haben sie sich mitgebracht. Der Schorlepreis von fünf Euro bei der Mandelblüte sei „krass“, aber im Vergleich mit den Preisen auf dem Dürkheimer Wurstmarkt „etwas erträglicher“.
Alle Infos rund ums Mandelblütenfest, das noch bis zum 17. März gefeiert wird, lesen Sie hier:Fragen und Antworten zur Mandelblüte