Lambrecht RHEINPFALZ Plus Artikel Kundgebung gegen rechts mit 120 Teilnehmern

Deutliche Worte auf den Plakaten.
Deutliche Worte auf den Plakaten.

Etwa 120 Teilnehmer waren am Samstag bei der Kundgebung „Das Lambrechter Tal solidarisch: Gegen Extremismus, Rassismus und Diskriminierung“ auf dem Friedrich-Ebert-Platz in Lambrecht. Die Veranstaltung hatten Alt-Bürgermeister Michael Stöhr (CDU), die frühere Beigeordnete Eva Ockenfuß-Boese (Grüne) und der Lambrechter Jürgen Köppler initiiert und organisiert.

Er sei gefragt worden, ob eine Veranstaltung für Demokratie möglich sei, wie sie in den vergangenen Wochen in vielen Orten stattfanden, sagte Stöhr auf Anfrage. Über „seine Netzwerke“ habe er die Veranstaltung als Abschluss der Beteiligung des Lambrechter Seniorenheims der Arbeiterwohlfahrt an der „Internationalen Woche gegen Rassismus“ organisiert.

Das Lambrechter Tal solle „nicht wieder in einer Diktatur aufwachen“, wie dies vor 90 Jahren der Fall gewesen sei, sagte Stöhr zum Auftakt der Veranstaltung, ausgehend von einem Zitat des Sozialdemokraten Hans Bongas. Stöhr zitierte aus Berichten darüber, wie 1933 Lambrechter Kommunisten und Sozialdemokraten in Schutzhaft genommen wurden. Auch heute würden sich manche „Mitbürger aus Angst vor Repressalien“ nicht trauen, ihre Überzeugung öffentlich kund zu tun. Stöhr berichtete, dass Fahnen und Banner mit Aussagen über Frieden, die am Tag zuvor an Bäumen aufgehängt worden waren, zerstört wurden.

„Kein Bock auf Rechte“

„Nie wieder ist jetzt“ und „Lambrecht ist bunt. Vielfalt und Toleranz“ stand unter anderem auf Fahnen und Bannern, die Teilnehmer der Kundgebung in die Höhe hielten. Der Lambrechter Geißbock war auf eines der Plakate gemalt, zusammen mit dem Satz „Kein Bock auf Rechte“.

In der Verbandsgemeinde Lambrecht würden etwa 970 Menschen aus anderen Ländern leben, berichtete die Lambrechterin Ilka Schulz. Das seien bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 12.500 Personen „lächerlich wenige“. „Herzlich willkommen alle, die kommen wollen“, so Schulz.

Die „breite Mitte unserer Gesellschaft“ gehe auf die Straße, um ein Zeichen zu setzen für Demokratie und Menschenwürde, sagte Verbandsbürgermeister Gernot Kuhn (CDU). Man wolle nicht akzeptieren, dass durch „radikale Kräfte“ Hass, Verunsicherung und Angst geschürt werden. Ein „respektvolles Miteinander“ sei ein Grundsatz der Demokratie. Kuhn betonte, dass es nicht sinnvoll sei, die Wähler extremer Parteien nicht zu beachten oder zu beschimpfen. Vielmehr müsse das Vertrauen in demokratische Kräfte und Institutionen wieder gestärkt werden. Kuhn forderte dazu auf, in Rathäusern und Gremien „Hand in Hand zu arbeiten“.

Zeichen gegen Rassismus setzen

Angriffe gegen die AfD kamen von den Bundestagsabgeordneten Isabell Mackensen-Geis (SPD) und Johannes Steiniger (CDU). Die AfD sei „im rechtsradikalen Bereich angesiedelt“, und ihre Vertreter hätten „keine gute Kinderstube“, sagte Steiniger. Beide Bundestagsabgeordneten äußerten sich erfreut und beeindruckt, dass bei der Kundgebung „so viele Menschen ein deutliches Zeichen gegen Rassismus setzen“. Es sei „ein schönes, tolles Land, in dem wir leben dürfen“, so Steiniger. Er forderte dazu auf, Menschen in Gesprächen davon zu überzeugen, Parteien der Mitte zu wählen.

Als „liebe Demokraten“, begrüßte der CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Herber die Teilnehmer der Kundgebung. Auf dem Platz sei das gesamte demokratische Spektrum vertreten, das für die Demokratie aufgestanden sei. Der SPD-Landtagsabgeordnete Claus Schick bedankte sich dafür, dass „so viele Leute gekommen sind“. Als einziger Redner forderte er dazu auf, auch gegen Extremisten von links wachsam zu sein. Er habe Angst, dass wir die „Werte unserer Demokratie verlieren“, bekannte Schick.

Vertreter der in der Verbandsgemeinde tätigen politischen Gruppierungen trugen Zitate früherer Bundespräsidenten und Bundeskanzler zu Demokratie vor. Renate Bauer, Präsidentin des Bundes der Freireligiösen Gemeinschaft, erinnerte daran, dass die Freireligiösen in Iggelbach und Lambrecht von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Der Lambrechter Roland Schottner sang einige Lieder, gemeinsam wurde „We shall overcame“ gesungen. Vom Friedrich-Ebert-Platz ging es zum Herzog-Otto-Platz, wo Plakate und Transparente an einen Zaun gehängt wurden.

Beeindruckt zeigten sich Ockenfuß-Boese, die die Veranstaltung moderierte, und Stöhr davon, dass „so viele Menschen gekommen sind“. „Ich bin richtig stolz auf unser Lambrechter Tal“, sagte Stöhr.

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