Neustadt
Internationale Schule begräbt Internatspläne
Der Start für das Internat der Internationalen Schule Neustadt (ISN) war vorsichtig für das Schuljahr 2022/23 angepeilt. Gebaut werden sollte es nahe dem Parkplatz der Turnhalle am Böbig, wo sich heute noch Schrebergärten und eine Wiese auf städtischem Areal befinden. Ein mittlerer einstelliger Millionenbereich sollte investiert werden. Jetzt sind die Pläne Geschichte: Die ISN muss auf den Wohnraum für rund 55 Schüler verzichten. Das sagt ISN-Leiter Vjeko Kovac im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Das Projekt sei Corona zum Opfer gefallen. Die Stadt werde das Gelände nun anderweitig nutzen. Wegen der Pandemie zählt die Schule auch weniger Schüler, da immer weniger Eltern mit ihren Kindern aus dem Ausland kämen, erklärt Kovac. Waren es 2019 noch 165 und 2020 rund 150 Kinder, sind es aktuell noch 70 aus 20 Nationen. „Wir sind in der Tat kleiner als früher, wachsen aber insgesamt“, sagt Kovac und meint damit die Familie der Internationalen Schule. Mit dem neuen Standort der IS Westpfalz in Landstuhl seien etwa Kinder von Nato-Streitkräften dort hin gegangen – die Schüler wurden also auf zwei Schulen verteilt. „Wir wollen auch in Neustadt wieder wachsen, aber unsere familiäre Atmosphäre beibehalten“, so Kovac. Die Schule wolle sich nicht von Zahlen treiben lassen, sondern von den Talenten und Leidenschaften der Schüler.
Erstmals international anerkannter Abschluss
Das funktioniere insbesondere über ein neues Konzept, das Kovac mitentwickelt hat. In dem Zusammenhang war er zuletzt zwei Jahre als Berater für den schweizerischen Schulträger SBW Haus des Lernens AG tätig. Zuvor war der in Chicago geborene Sohn kroatischer Eltern pädagogischer Leiter an der IS in Essen. Neustadt kennt er seit mehreren Jahren, von gemeinsamen Schulprojekten und Besuchen. Kovac ist überzeugt von dem Standort. „Neustadt ist vor allem für die Kinder von internationalen Mitarbeitern größerer Firmen wie der BASF attraktiv, die für einen kürzeren oder längeren Zeitraum hier arbeiten.“ 65 Prozent der Schüler kämen aus dem Ausland – von Venezuela über Japan bis Indien, 35 Prozent aus der Region. Auch die Lehrkräfte kämen von fünf Kontinenten.
Ab August können die Elft- und Zwölftklässler über „Cambridge International AS & A Level“-Programme die Schule erstmals mit einem international anerkannten Abschluss verlassen. „Wir bieten den Kindern einen Abschluss an, mit dem sie später weltweit studieren können“, sagt der Schulleiter.
Schule will Standort vergrößern
Und er kündigt an: „Wir werden wachsen.“ So gebe es positive Neuigkeiten bezüglich des Gebäudeteils in der Haardter Straße, den die Generalzolldirektion zuletzt als Weiterbildungszentrum genutzt hatte. In Kürze könne er mehr dazu sagen. Zoll und Schule teilten sich bis zum Frühjahr 2021 den hufeisenförmigen Bau zwischen Haardter Straße und Maximilianstraße – links und rechts Räume der Schule, in der Mitte die Bundesbehörde. Charlotte Ducker und Patrick Wesp von der ISN-Geschäftsführung hatten 2020 angekündigt, bei einem Auszug des Zolls das Gebäude kaufen und renovieren zu wollen. Es gehört dem Land Rheinland-Pfalz, früher war dort die Weinbauschule untergebracht, die dann nach Mußbach zog.
Nun, da das Zoll-Weiterbildungszentrum ins ehemalige Telekomgebäude gezogen und überdies noch ein Zoll-Neubau in Lachen-Speyerdorf geplant ist, scheint der Weg für die Internationale Schule frei, den Hufeisenbau schon bald ganz für sich zu haben. Das bedeutet noch mehr Platz, um das neue Konzept umzusetzen, das nach Kovacs Angaben progressiver und moderner ist als zuvor. Bei dem unter anderem auch auf eine Lernplattform mit künstlicher Intelligenz gesetzt wird und die Schüler individuell gefördert werden – „je nach Talent und Leidenschaft“, so Kovac.
Stipendium auch für Ukrainer
Damit davon auch Familien mit kleinerem Geldbeutel profitieren können – je nach Alter kostet die Schule zwischen 14.000 und 16.700 Euro pro Jahr und Kind –, bietet die ISN seit Kurzem Stipendien für Schüler ab der 7. Klasse an. Sie müssen nachweisen, sich die Schule nicht leisten zu können. Auch ukrainische Schüler will die ISN unterstützen: Sie können bereits im jüngeren Alter von einem Stipendium profitieren. Die Schule will pädagogischer Vorreiter in der Region sein, sich darüber hinaus mehr nach außen öffnen und verstärkt mit anderen Neustadter Schulen zusammenarbeiten. Wie zuletzt mit der Hans-Geiger-Schule in Hambach beim internationalen Festival der ISN oder mit Blick auf öffentliche Seminare.