Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Handball: Warum die Haßlocherin Lucie Krein ein rosafarbenes Buch hat

Gewissenhaft trägt Lucie Krein in ihr kleines Strafenbuch Vergehen ihrer Teamkolleginnen und Trainer ein.
Gewissenhaft trägt Lucie Krein in ihr kleines Strafenbuch Vergehen ihrer Teamkolleginnen und Trainer ein.

Wenn Lucie Krein zu Spielen oder zum Training des Oberligisten TSG Haßloch kommt, hat sie stets ein rosafarbenes Büchlein dabei. Sollte sie es vergessen, wird es teuer für die 24-Jährige.

Ob die Oberliga-Handballerinnen der TSG Haßloch im Heimspiel am Samstag, 16.30 Uhr, gegen den SV Zweibrücken wieder zur Kasse gebeten werden? Lucie Krein ist auf jeden Fall gewappnet, hat ihr kleines rosafarbenes Büchlein dabei. Sie ist nämlich nicht nur Spielmacherin im TSG-Team, sondern auch Strafenwartin. „Sie hat so ein kleines, ekliges rosafarbenes Buch, darin trägt sie alles ein“, erzählt der Haßlocher Trainer Peter Motz.

Auch er hat bereits Einträge hinter sich, hat schon zahlen müssen. „Er hat einmal vergessen, das Motivationsplakat mitzunehmen“, verrät Lucie Krein Interna, über die sie genau Buch führt. Ein zweites Mal habe der Coach eine Strafe zahlen müssen, weil er vergessen habe, sich rechtzeitig, also mindestens zwei Stunden vor Trainingsbeginn, über Whatsapp von der Übungsstunde abzumelden. „Er war damals krank“, weiß Krein noch. Doch auch Krankheit schützt vor Strafe nicht. Krein indes betont aber, dass Vergehen bei Trainern und Betreuern eher selten vorkämen.

Geld für die Abschlussfahrt

Es sind vor allem die Spielerinnen, die blechen müssen. „Das meiste Geld ist für unsere Abschlussfahrt gedacht“, erzählt die 24-Jährige, wofür all die Strafgelder verwendet werden. „Wir finanzieren damit aber auch Geburtstagsgeschenke oder Weihnachtsgeschenke für Trainer und Betreuer.“

Den Strafenkatalog habe sie gemeinsam mit ihrer Teamkollegin Marlena Schilling aufgestellt. In ihr kleines Buch trage sie Datum und Art des Vergehens ein, natürlich ebenfalls den Namen des Übeltäters. „Alkohol trinken im Trikot kostet vier Euro“, listet Krein einige Vergehen und die dazugehörenden Bußgelder auf. „Wer zu spät ins Training kommt, zahlt zwei Euro pro Minute.“ Dies komme nur sehr selten vor, weiß die TSG-Frau. Wer zu spät zu einem Spiel komme, müsse sogar fünf Euro löhnen. Krein: „Das ist noch nie vorgekommen.“ Schwache Leistungen in einem Spiel, Fehlwürfe oder Fehlpässe, Zeitstrafen kosten indes nichts. „Nur wer zwei Minuten oder eine Rote Karte wegen Meckerns bekommt, zahlt“, berichtet die Haßlocherin.

Zahltag am Monatsende

Teuer wird’s aber für denjenigen, der Utensilien fürs Training oder Spiel vergisst, in der Halle liegen lässt oder aber „nicht im richtigen Outfit“ zum Spiel erscheint. Denn vor jeder Partie werde genau festgelegt, welche Aufwärmshirts, welche Schuhe zu tragen seien. Krein rechnet vor: „Vier Euro pro Teil, das man falsch anhat.“ Sie muss schmunzeln und gibt zu: „Die eine oder andere trifft es schon mal hart am Ende eines Monats.“ Dann ist nämlich Zahltag, dann treibt die Strafwartin die Bußgelder ein. „Ich hake das Vergehen ab, wenn bezahlt worden ist“, betont Krein.

Kein Alkohol im Trikot trinken

Obwohl der Strafenkatalog eine ganze DIN-A4-Seite füllt, stehen dann doch nicht alle möglichen Verstöße darin. Wenn sie selbst mal ihr Strafenbuch vergesse, überlegt Lucie Krein lachend, „dann müsste ich wohl auch zahlen“. Aber dies sei Verhandlungssache. Krein: „Vermutlich wird mir dann Marlena Schilling sagen, was ich zu zahlen habe.“ Eindeutig war hingegen kürzlich Kreins Denkzettel: „Ich hatte mein Aufwärmtrikot in der Helle liegen gelassen“, gibt sie zu und lacht erneut. Die Kosten: „Vier Euro.“

Eines der am häufigsten vorkommenden Delikte: im Trikot Alkohol trinken. „Nach jedem Spiel mindestens einmal“, verrät Krein und muss wieder lachen. Denn sie ist daran nicht ganz unschuldig, hat sie doch den Siegerflachmann in der TSG-Frauenmannschaft eingeführt. Ein anderes öfter vorkommendes Delikt: Eine Spielerin erledigt nicht ihre Aufgaben. „Zum Beispiel nach dem Training die Halle putzen oder die Tore abbauen“, erklärt die 24-Jährige. Die Handballerinnen spielen mit Harz an den Händen und müssen die klebrigen Flecken regelmäßig entfernen, nutzen doch auch andere Sportler das TSG-Sportzentrum. Wer wie oft für welche Verfehlung zahlen muss, verrät die Strafenwartin indes nicht. Sie gibt nur schmunzelnd preis, dass Marlena Schilling eine der größten „Gönnerinnen“ des TSG-Frauenteams sei ...

Zuvor beim SV Zweibrücken

Lucie Krein spielt ihre zweite Saison für die TSG Haßloch, war vorher für den SV Zweibrücken in der Oberliga am Ball. Und genau der stellt sich am Samstag im TSG-Sportzentrum vor. „Die Mannschaft ist recht neu aufgestellt“, weiß die Haßlocherin, die aus Riegelsberg stammt und mit Eulen-Zweitliga-Spieler Marc-Robin Eisel in Mundenheim lebt. „Es sind in Zweibrücken relativ viele Jugendspieler im Team.“ Mit dem dortigen Trainer und der Physiotherapeutin verstehe sie sich auch nach ihrem Wechsel nach Haßloch weiterhin sehr gut, betont sie.

Referendariat im Sommer

In Landau studiert Lucie Krein auf Grundschullehramt. Gerade schreibt sie an ihrer Masterarbeit. Berufserfahrung sammelt sie bereits in Mundenheim an der Grundschule Wittelsbachschule, wo sie aushilft. „Ich habe vor, im nächsten Sommer mein Referendariat anzufangen“, erzählt sie von ihren Plänen.

Bis dahin wird sie von ihren Teamkolleginnen noch so manchen Euro einfordern. Zuletzt beim 30:19 (14:7)-Erfolg bei der SG TSG/DJK Mainz-Bretzenheim II gab es zwei Haßlocherinnen, „die nach dem Spiel im Trikot getrunken haben“. Und eine habe das falsche Paar Schuhe dabei gehabt. Was müsste diejenige wohl zahlen, die wie neulich im Drittliga-Team der TSG-Männer passiert, die Trikots der gesamten Mannschaft fürs Auswärtsspiel vergisst? Krein: „Oh je, das wäre teuer, vermutlich so 25 bis 50 Euro.“ Erneut eine Verhandlungssache.

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