Maikammer
Ende der Orgelsanierung: Zurück zu den edlen Wurzeln
Im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes stellt die evangelische Gemeinde Maikammer am Sonntag, 18. Februar, 16 Uhr, die restaurierte Orgel in der Johanniskirche offiziell wieder in Dienst. Gestaltet wird die Feier von Pfarrer Jochen Keinath, Bezirkskantor Simon Reichert an der Orgel und dem Chor „Johannissimo“ mit Tatjana Geiger am Pult. Sie interpretieren passend zum historische Kontext Werke der Bel Époque, unter anderem „Cantique de Jean Racine“ von Gabriel Fauré und „Lobe den Herren“ von John Stanford.
Das wertvolle Instrument der renommierten Manufaktur Steinmeyer war 1914, nahezu zeitgleich mit der neu erbauten Kirche erstellt worden und bildet mit dieser nicht allein in denkmalpflegerischer Hinsicht ein Gesamtkunstwerk. Im späten Geiste der Orgelbewegung war das Instrument 1955 extrem verfremdet, „barockisiert“ worden.
Rühriger Förderverein
Die aktuell ohnehin notwendigen Reparaturmaßnahmen bewogen das Presbyterium, eine Gesamtsanierung und Rückführung auf den Urzustand auf den Weg zu bringen. Ermöglicht wurde die rund 180.000 Euro teure Maßnahme mit Hilfe eines soliden Fundraising-Programms – zum Eigenanteil der Kirchengemeinde gesellten sich Zuschüsse der Denkmalpflege, der Landeskirche, Benefizaktionen wie Konzerte, Vorträge und Orgelwein und nicht unerhebliche Spenden aus der Wirtschaft. Koordiniert werden die Aktionen durch einen eigens gegründeten, sehr rührigen Förderverein Orgel.
Betraut mit dem Rückbau wurde die Orgelmanufaktur Lenter, Sachsenhausen. 1955 habe man versucht, so Markus Lenter, „die sehr warm und grundtönig klingende Orgel in neobarocke Klangideale zu verwandeln. Dieses Vorhaben gelang aber nur bedingt, da die umgestellten Pfeifen mit der darunterliegenden Windversorgung nur schwer zurechtkamen. Ebenso wurden technische Ergänzungen vorgenommen, um auf neuen Plätzen diese Klänge noch auszubauen. All jene Ergänzungen sorgten aber im Unterbau der Orgel für ein kompliziertes Wirrwarr an Rohren. Das System war schwer zu warten.“
Pfeifen werden versteigert
Nach dem Gottesdienst, gegen 17.15 Uhr, wird es beim Empfang im Gemeindehaus eine letzte Benefiz-Aktion geben: Acht der jetzt entfernten Pfeifen aus dem unsachgemäßen Umbau sollen versteigert werden. „Etwa 12 cm im Durchmesser und zwischen 2 und 2,5 Meter hoch, sind sie als Dekorationsstücke durchaus interessant“, meint Pfarrer Keinath. Nicht zuletzt vielleicht für Menschen, die sich in den vergangenen Jahren aktiv für das Projekt Steinmeyer-Orgel engagiert haben. Das Mindestgebot pro Pfeife ist angesetzt auf 50 Euro, Interesse darf man auch im Vorfeld bereits anmelden per E-Mail an pfarramt.maikammer@evkirchepfalz.de.
Sein konzertantes Profil darf das Instrument dann am Freitag, 23. Februar, 19.30 Uhr, präsentieren, wenn Bezirkskantor Simon Reichert mit einem exquisiten Programm das neue (alte) Klangbild der wertvollen Orgel feiert. Prominente weitere Solistin des Abends ist Nanette Schmidt, die zweite Geigerin im Mandelringquartett. Und beide Künstler werden mit dem Konzert für Violine und Orgel von Josef Gabriel Rheinberger (1839 bis 1901) eines der bedeutenden Werke der spätromantischen Orgelliteratur interpretieren.
Der Eintritt ist jeweils frei, Spenden sind immer noch willkommen.