Interview mit Thomas Helmer RHEINPFALZ Plus Artikel Doppelpass in Landau: „Es soll ein launiger Abend werden“

Mario Basler und Thomas Helmer spielten zusammen bei den Bayern.
Mario Basler und Thomas Helmer spielten zusammen bei den Bayern.

Thomas Helmer (58) war Europameister, mit Borussia Dortmund DFB-Pokalsieger, mit dem FC Bayern München dreimal Deutscher Meister. Sechs Jahre lang moderierte er den sonntäglichen „Doppelpass“ über die Fußball-Bundesliga. Lustig wird’s im Fantalk auf Sport 1, wenn in der Champions League gespielt wird. Am Dienstag gastiert er mit seinem „Doppelpass on Tour“ in Landau.

Herr Helmer, was erwartet die Fans?
Es soll ein launiger Abend werden, wo der Spaßfaktor im Vordergrund stehen soll. Meine Gäste haben sicher viele Anekdoten parat. Doch es werden auch aktuelle Entwicklungen des Fußballs diskutiert, die Anwesenden können Fragen stellen. Der regionale Aspekt soll auch eine Rolle spielen. Deshalb freue ich mich, dass viele lokale Größen zugesagt haben.

Treffen Sie Hans-Peter Briegel häufiger?
Ich habe ihn schon länger nicht mehr gesehen, doch es gibt immer wieder Berührungspunkte. Er war ja 1980 Europameister und Sepp Maier 1972. Deshalb waren wir mal gemeinsam auf einem Nutella-Glas zu sehen. Hans-Peter ist einfach ein angenehmer Mensch. Seine Mentalität würde vielen aktuellen Spielern guttun. Er hat das Maximale aus seiner Karriere und bei jedem Spiel rausgehauen.

Wie erlebten Sie die Spiele auf dem Betzenberg?
Es waren immer spezielle Spiele. Es ging schon los, wenn man mit dem Bus durch die Menschenmassen den Berg hochfuhr. Wir wurden häufig mit Schirmen bearbeitet. Ich musste deutliche Niederlagen hinnehmen. Doch am 17. März 1999 gewannen wir das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League mit 4:0, so still hatte ich das Stadion noch nie erlebt.

Bei ihrem Wechsel 1992 von Dortmund zu den Bayern war die damalige Ablöse von 7,5 Millionen D-Mark Rekordwert, die „Helmer-Affäre“ ging in die Geschichte ein. Wie war das?
Ich hatte beim BVB einen gültigen Vertrag mit einer Auslandsklausel für vier Millionen D-Mark. Um Geld zu sparen, wollte Uli Hoeneß mich zunächst zum belgischen AJ Auxerre transferieren und dann verpflichten. Was viele nicht wissen: Dortmund hatte zugestimmt. Doch ich ging dann direkt zu Bayern. Schließlich durfte ich doch zur Europameisterschaft 1992 nach Schweden, wo wir das Endspiel 0:2 gegen Dänemark verloren.

Was meinen Sie zu den Transfersummen heutzutage?
Ich frage mich auch: Wo führt das noch alles hin? Gut ist diese Entwicklung sicher nicht. Doch ich sehe keine realistische Möglichkeit, das einzudämmen. Es treten immer neue Geldgeber auf den Plan, so können immer weitere Märkte erschlossen werden.

Wie bewerten Sie Aussage von Bundestrainer Julian Nagelsmann, dass die Nationalmannschaft wegen fehlender Verteidiger den Erfolg in der gegnerischen Hälfte suchen muss?
Endlich sagt mal einer, wie es wirklich ist. Vielleicht war das zu deutlich. In der Offensive sind wir gut aufgestellt, aber in den letzten Jahren wurden einfach keine Verteidiger mehr ausgebildet. Ohne stabile Defensive gibt es keinen sportlichen Erfolg. Wir müssen wieder simple Basics wie Zweikampfverhalten oder Stellungsspiel vermitteln. Der deutsche Fußball wird viel zu sehr verwissenschaftlicht.

Wäre ein Trainer aus dem Ausland eine Alternative?
Das wäre auf jeden Fall diskutabel. Man sieht ja, was ein Xabi Alonso bei Bayer Leverkusen gerade leistet. Es war ganz wichtig, dass er sehr schnell die deutsche Sprache gelernt hat. Das wäre sicher Grundvoraussetzung.

Was meinen Sie zur One-Love-Binde und der Mund-Zu-Geste bei der WM?
Es geht mir entschieden zu weit, diese Dinge für das schlechte Abschneiden der Mannschaft verantwortlich zu machen. Doch ein gutes Bild haben wir damit nicht abgegeben. Eine gewisse politische Haltung muss man den Spielern schon zugestehen. Die Außendarstellung des DFB war stark verbesserungswürdig.

Der FC Bayern betont immer wieder stolz seine jüdischen Wurzeln, lässt aber Moussair Mazraoui für israelfeindliche Posts ungestraft davonkommen. Wie passt das?
Zu meiner Zeit gab es keine Handys oder soziale Medien. Heute kann eben jeder zu allem was posten. Die Vereinsführung hat es verpasst, da ein deutliches Zeichen zu setzen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein fast keine Abwehrspieler zur Verfügung. Das hat sicher auch eine Rolle gespielt.

Info

„Doppelpass on Tour“ am Dienstag, 20 Uhr, in der Landauer Festhalle. Gäste sind unter anderem Mario Basler, Hans-Peter Briegel und Benjamin Auer. Karten ab 31 Euro gibt es noch an der Abendkasse, im Internet unter www.s-promotion.de.

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