Neustadt
Corona: Gastronomen wünschen sich mehr Kunden und Hilfen
Mehr Unterstützung der Stadtverwaltung für die Gastronomie und mehr Entgegenkommen von Vermietern wünscht sich Peter Gallian, stellvertretender Vorsitzender des Neustadter Kreisverbands im Hotel- und Gaststättenverband. Er habe angeregt, dass die Stadtverwaltung zu einem runden Tisch für die Gastronomie einlädt, sei aber auf keine Resonanz gestoßen. „Auf meine Bitte um ein Gespräch mit der Beigeordneten Waltraud Blarr habe ich nicht einmal eine Antwort bekommen“, sagt Gallian. Inzwischen habe die Tourist, Kongress und Saalbau GmbH zu einem Gespräch eingeladen, „aber das hätte schon viel früher sein müssen“.
Grundsätzlich positiv sei die Aktion „NW-Gutschein“, bei der Gutscheine für Neustadter Geschäfte und Lokale gekauft werden können. „Aber das müsste anders gemacht werden. Das habe ich der Stadt schon dreimal mitgeteilt“, so Gallian. „Es ist viel Platz auf der Homepage der Stadt, aber wenn man die Seite aufruft, kommt nirgends ein Hinweis auf die Aktion.“
WEG will Datenbank aktualisieren
Wer die Neustadter Homepage aufruft, muss erst auf den Button Coronavirus drücken, dann auf „zammehalte.neustadt.eu“ und dann auf Gastro. Er gebe diese Kritik an die Stadtverwaltung weiter, sagt Christian Forsch, Geschäftsführer der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (WEG) auf Anfrage. „Vielleicht können sie die Information ersichtlicher platzieren.“ Schneller geht es übrigens über die Internetseite wirhelfen.neustadt.eu.
Die WEG hat laut Forsch sehr viel Werbung für die Aktion gemacht und 28.000 Flyer verteilt. Die Informationen, welche Lokale Essen zum Mitnehmen anböten, habe die WEG im März 2020 gesammelt. „Wenn uns eine Änderung mitgeteilt wird, aktualisieren wir die Datenbank“, erklärt Forsch. Bisher habe die WEG Gutscheine im Wert von 70.000 Euro verkauft.
Essen zum Mitnehmen meist am Wochenende
In dem Lokal „Drei Engel“ in Winzingen wurden einige Gutscheine bei Bestellungen von Essen zum Mitnehmen eingelöst, wie Inhaberin Marta Nguyen berichtet: „Ich denke, die Stadt bemüht sich, wo sie kann.“ Efi Athanasiou, Wirtin des Lokals „Zur Kapelle“ im Schöntal, wünscht sich dagegen mehr Unterstützung. Besonders drückt sie die Gewerbesteuer, bei der sie nicht wisse, wovon sie sie bezahlen soll.
Er fühle sich „von der Stadt sehr gut betreut“, sagt Uwe Weik, Inhaber von „Weiks Vinothek“. Er ist zufrieden mit der Resonanz auf das Angebot Essen zum Mitnehmen: „Unter der Woche lohnt es sich nicht, da machen wir nichts. Aber von Freitag bis Sonntag ist die Nachfrage gut.“
Angestellte in Kurzarbeit
„Es ist sehr wenig Nachfrage, an einem guten Tag sind es zehn Essen, meistens weniger“, berichtet Giuseppe Pirello, Inhaber des Restaurants „Lilienthal“ in Lachen-Speyerdorf. Beim ersten Lockdown, vor knapp einem Jahr, sei mehr bestellt worden. Er habe zehn Mitarbeiter gehabt, die Festangestellten habe er in Kurzarbeit geschickt. „Die meisten Wirte, die ich kenne, machen kein Essen zum Mitnehmen mehr, weil die Nachfrage zu gering war“, berichtet Gallian vom Kreisverband.
„Die Einnahmen reichen gerade, um die Lebensmittel zahlen zu können“, so Efi Athanasious Erfahrung. Sie biete vor allem deshalb Essen zum Mitnehmen an, um etwas zu tun zu haben und um nicht ganz zu verzweifeln. An manchen Tagen habe sie gerade mal 30 Euro Umsatz. Rekord sei ein Sonntag gewesen, an dem der Umsatz fast 900 Euro betragen habe. Bestellt werde vor allem von Gästen aus der Verbandsgemeinde Lambrecht. „Und meine Freunde aus Duttweiler unterstützen mich“, freut sich die Wirtin.
Staatliche Hilfen „dauern viel zu lange“
Die Auszahlung der versprochenen Hilfen vom Staat dauere viel zu lange, erklären die Gastronomen übereinstimmend. Alle haben bisher nur Geld für November bekommen. „Das reicht nicht, um meine Miete, meine Versicherungen und sonstigen Festkosten für die ganze Zeit zu zahlen“, sagt Efi Athanasiou. Er habe Stundungen beantragt, doch nicht überall würden die gewährt, berichtet Weik. Er verweist darauf, dass der Staat ab Januar die finanzielle Hilfe für Gastronomen reduziert habe.
Peter Gallian sagt, dass es helfen würde, wenn Vermieter, die es sich leisten könnten, mal auf die Miete verzichteten. Ihr Vermieter bestehe darauf, dass sie die Miete komplett zahle, sagt Athanasiou. „Mein Vermieter ist ein guter Mensch, er hat mir gesagt, dass ich mir wegen der Miete keine Gedanken machen müsse. Dafür bin ich ihm sehr dankbar“, sagt Pirello.