Maikammer
Comedian Markus Maria Profitlich spricht über seine Parkinson-Erkrankung
Herr Profitlich, Sie haben 2018 Ihre Parkinson-Erkrankung öffentlich gemacht und gehen seitdem sehr offensiv mit dem Thema um – warum?
Ich wollte zeigen, dass man trotz dieser – Tschuldigung – beschissenen Krankheit noch sehr agil und voll berufsfähig sein kann. Es ist bei Parkinson ja ein schleichender Prozess. Man weiß, wie es in vielen Fällen endet. Aber ich wollte demonstrieren, dass man trotz allem gut damit leben kann, dass es eben nicht nur schlechte Zeiten gibt. Im Gegenteil: Die guten Tage überwiegen ganz eindeutig, besonders, wenn man einen so tollen Job hat wie ich.
Wie haben Sie damals bemerkt, dass etwas nicht stimmte?
Das hat mit so einer Art Schwankschwindel begonnen. Das heißt, ich hatte das Gefühl, ich schwanke hin und her. Von außen hat man davon aber gar nichts bemerkt. Das war nur in meinem Kopf. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt hat mir dann geraten: Gehen Sie mal zum Neurologen.
Die Diagnose war dann ein Schock?
Ja, natürlich. Aber fast schlimmer noch war die Art, wie sie verabreicht wurde. Ich war bei so einem Dat-Scan, wo der Schädel durchleuchtet und geschaut wird, ob genügend Dopamin produziert wird. Und dann kam da dieser empathische Arzt, der meinte: „Sie haben Parkinson in weit fortgeschrittenem Stadium, aber ich habe jetzt Mittagspause und kann Ihnen nicht mehr dazu sagen“ ...
Oh Gott, das ist ja fast wie Comedy ...
Ja, jetzt kann ich auch darüber lachen, aber in dem Moment habe ich es einfach nur als unverschämt empfunden. Und es stimmte ja auch gar nicht. Die Krankheit war noch ganz am Anfang. Der Mann wäre wirklich besser Metzger geworden.
Wie geht es Ihnen aktuell? Ich habe gelesen, dass Sie sehr viele Tabletten nehmen müssen und trotzdem häufig Schmerzen haben ...
Ja, mit den Tabletten bin ich inzwischen aber schon wieder etwas runter. Es sind jetzt nur noch sieben Stück am Tag. Und die Schmerzen halten sich zum Glück auch sehr in Grenzen. Es geht so schubweise. Mal hat man einen guten, mal einen schlechten Tag. Aber insgesamt geht es mir im Moment sehr gut, und vor allem freue ich mich auf die Auftritte, die jetzt hoffentlich endlich wieder stattfinden können.
Ja, Sie starten jetzt im Oktober so richtig durch mit Ihrer Tournee. Haben Sie keine Sorge, dass Sie sich da ein bisschen übernehmen?
Nö, das ist eher Therapie für mich. Wenn ich auf der Bühne stehe, geht es mir saugut. Das Adrenalin, das ich da ausschütte, bringt mich so richtig in Schwung. Besser geht es gar nicht. Ich kann auftreten, ich will auftreten und ich werde auftreten, und ich will dabei auch überhaupt nicht auf die Tränendrüse drücken. Über mich und die Krankheit ist schließlich schon so vieles geschrieben worden, auch Negatives, Berufsschädigendes ...
Sie haben kürzlich auch ein Buch geschrieben, das den schönen Untertitel trägt: „Gesund kann jeder!“ Über die Krankheit lachen – ist das Ihr Rezept?
Auf jeden Fall. Allerdings geht es in dem Buch ja generell um das deutsche Gesundheitswesen. Krankenhäuser, Ärzte, Pfleger. Meine Krankheit thematisiere ich nur in einem einzigen Kapitel. Auch das mit der Diagnose schildere ich da. Und natürlich nehme ich mir auch das Recht heraus, mich darüber lustig zu machen. Das ist übrigens eine unter Kranken sehr verbreitete Haltung. Bei einem Parkinson-Treffen kam zum Beispiel einmal ein Mann mit starkem Tremor auf mich zu, gab mir die Hand und sagte: „So, jetzt haben wir Wackelkontakt.“
Ähnlich lustig sind in dem Buch ja die Whatsapp-Dialoge, die sich entwickelten, als Sie die Info von Ihrer Krankheit in die Gruppe stellten. Ich hoffe, dass das nicht wirklich so passiert ist ...
Nein, aber ähnliche Erfahrungen habe ich schon gemacht. Dass man sich über etwas austauschen möchte, was einem hilft, und dann etwas völlig anderes dabei herauskommt. In dem Sinn, dass man sich den Finger verrenkt hat und bei den anderen dann hängenbleibt, man habe den Arm amputiert bekommen.
Eines Ihrer früheren Bücher hieß ja „Stehaufmännchen“. Sind Sie ein Stehaufmännchen?
Ich denke schon. Ich hatte in meinem Leben so viele Jobs und bin eigentlich immer irgendwie auf die Füße gefallen. Und auch jetzt mit der Krankheit, ist das ja so: Dass ich alles, was ich mir vornehme, immer noch so machen kann, ist eigentlich ein Wunder.
Ihr aktuelles Programm heißt „Das Beste aus 35 Jahren“. Das klingt allerdings schon ein bisschen nach Abschiedstournee, oder?
Nein, so ist das nicht gemeint. Ich habe eben recht spät angefangen als Komiker aufzutreten, und richtig Geld verdient damit habe ich erst mit 31. Deshalb erscheint mir jetzt der Zeitpunkt richtig, das auszupacken, was mir selbst am besten gefallen und am meisten Spaß auf der Bühne bereitet hat. Ich bin ja schon über 60, und vielleicht mache ich noch die 40 voll. Aber die 50 will ich mir nicht mehr antun. Irgendwann sollte man dann auch mal an den Ruhestand denken.
Stammen die ältesten Nummern im Programm also wirklich von 1986?
Ja, es ist tatsächlich eine Nummer dabei, die so alt ist. Die gibt es als Zugabe. Das ist meine Lieblingsnummer. Ich will ja nicht spoilern, aber da biete ich ein Stück von Prince dar, wie es noch nie dargeboten worden ist. Ansonsten ist das Programm ein Mix aus älteren und neueren Sachen.
In Maikammer wird auch Ihre Frau Ingrid Einfeldt mit Ihnen spielen. Tut das einer Ehe gut, wenn man gemeinsam auf der Bühne steht?
Ja, sicher. In den Sketchen, die wir spielen, können wir uns so richtig anschnauzen und uns ausleben. Das macht richtig Spaß.
Sie sind ja ein Urgestein der deutschen Comedy-Szene. Seit den 90er Jahren ununterbrochen dabei. Wenn Sie zurückblicken: Was hat verändert?
Oh, es hat sich einiges verändert. Es ist schneller geworden, kürzer geworden. Man achtet nicht mehr so sehr auf Qualität. Es gibt einige gute Nachwuchskräfte, aber leider auch viel Schrott. Da merkt man, dass sich niemand mehr die Zeit nimmt, etwas wirklich auszuarbeiten.
Ihre große Zeit im Fernsehen waren ja die Nullerjahre. Was ist passiert, dass Sie heute nicht mehr diese Präsenz auf dem Bildschirm haben?
Ich habe damals zu viel im Fernsehen gemacht. Ohne Unterlass hintereinander weg und nebenher auch noch auf Tournee. Das hat zwar extrem viel Spaß gemacht, „Happiness“, „Die Wochenshow“, dann „Mensch, Markus“. Das Ergebnis aber war ein klassischer Burnout. Ich habe das dann bewusst reduziert, wollte lieber Theater spielen, auf der Bühne stehen. Heute kann ich sagen: Mir fehlt das Fernsehen nicht. Wenn wirklich jemand mit einer guten Idee um die Ecke kommt, lasse ich mich vielleicht umstimmen, aber grundsätzlich bin ich zufrieden mit meinem Leben, so wie es ist.
Sie sind ja mit 14 von der Schule abgegangen, haben jede Menge Jobs ausprobiert – hilft diese Lebenserfahrung einem als Komiker?
Ja, das war meine Komiker-Schule. Ich habe wirklich einiges gemacht: Ich war Kurierfahrer, ich war Schweißer auf einer Werft, ich bin Bofrost gefahren zwei Jahre lang, war Verkäufer im Lebensmittelladen, habe auf dem Bau gearbeitet – was ich da mit Leuten erlebt habe, davon zehre ich bis heute. Damals kam auch dieses Talent in mir durch, Menschen zu beobachten und dann ihre Haltung, ihren Duktus nachzuahmen, mir ihre Sprache anzueignen.
Sie sind ja berühmt für Ihre wunderbaren Gesichtsverrenkungen: Müssen Sie das üben, diese Grimassen?
Nö (lacht), das kommt von selbst. Seit der Parkinson-Diagnose muss ich es aber leider einschränken. Irgendwann wird die Mimik ganz verloren gehen. Aber das dauert hoffentlich noch einige Zeit.
Als Ihre persönlichen Vorbilder haben Sie mal Jerry Lewis, Heinz Erhardt und „Monty Python“ genannt. Das sind aber schon recht unterschiedliche Arten von Humor, oder?
Ja, aber das spiegelt genau das wider, was ich gern mache. Verrückte Sachen wie „Monty Python“, Dinge, bei denen man den Kopf einschalten muss, wie bei Heinz Erhardt. Auch Didi Hallervorden wäre jemand, den man da noch nennen könnte. Ich habe mich an denen orientiert und daraus dann meinen eigenen Stil entwickelt.
Letzte Frage: Ist Markus Maria Profitlich eigentlich Ihr echter Name? Das klingt ja eher wie bei einer fröhlichen Fete erfunden ...
Ja, der ist aber echt. Markus haben meine Eltern gewählt, weil ich zwölf Pfund bei der Geburt wog, also schon damals ein richtig markiger Bursche war. Maria kommt vom Krankenhaus Maria Verkündigung in Bonn, in dem ich auf die Welt kam. Das wurde damals noch von Nonnen geleitet. Und Profitlich ist sozusagen echter rheinischer Uradel. Der bekannteste Namensträger war ein Bäckermeister aus Rhöndorf, der in der Nachkriegszeit eine Seilbahn auf den Drachenfels bauen wollte. Das scheiterte aber daran, dass die direkt über das Grundstück von Kanzler Konrad Adenauer geführt hätte. Dieser Peter Profittlich schrieb sich zwar mit zwei T, aber wir sind trotzdem irgendwie über sieben Ecken verwandt.
Termin
Markus Maria Profitlich kommt am Sonntag, 10. Oktober, um 17 Uhr mit seiner Show „Einmal alles! Das Beste aus 35 Jahren“ als Gast des Boulevardtheaters Deidesheim-Maikammer ins Bürgerhaus Maikammer. Karten (31,90/28,60 Euro) unter www.boulevard-deidesheim.de.