Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Vom Center-Manager zum Lukom-Chef: der neue Marketing-Mann für Ludwigshafen

Christoph Keimes in dem 110 Shops zählenden Center.
Christoph Keimes in dem 110 Shops zählenden Center.

Spätestens zum 1. September wird Christoph Keimes Chef der Marketinggesellschaft Lukom. Der Noch-Manager der Rhein-Galerie folgt auf Michael Cordier, der das Amt zehn Jahre geprägt hat. „Mister Ludwigshafen“ geht Ende Mai in den Ruhestand. „Mister Einkaufszentrum“ möchte ihn nicht kopieren.

Es war eine Art vorgezogenes Geburtstagsgeschenk, das am 3. März verkündete Votum des Lukom-Aufsichtsrats: Unter 35 Bewerbern hat sich eine Findungskommission am Ende für Christoph Keimes ausgesprochen, der am Montag 45 wird. Ein gutes Alter für einen beruflichen Neuanfang, wie er selbst findet – und die richtige Zeit, um das Kapitel ECE zu schließen. „Das passt“, sagt er.

„Es gibt hier viele Ecken mit viel Charme.“

Beim Hamburger Projektentwickler und Rhein-Galerie-Betreiber steht Keimes seit elfeinhalb Jahren in Lohn und Brot. Er ist viel herumgekommen, machte intern Karriere, war in Centern in München, Berlin und Basel beschäftigt. Als ihm 2013 die Leitung eines Einkaufszentrums optional in Hamm oder Ludwigshafen angeboten wurde, entschied er sich gegen Westfalen und für die Vorderpfalz. „Mich hat das Objekt hier begeistert, die Lage direkt am Fluss“, erinnert er sich. „Für mich ist Ludwigshafen eine Stadt auf den zweiten Blick und viel besser als ihr Ruf“, sagt er. „Sie wird zu oft auf die Innenstadt reduziert. Es gibt hier viele Ecken mit viel Charme.“

Das Jubiläum wird gefeiert

Wir treffen uns in einer Bäckerei in der Rhein-Galerie. Keimes ist wie immer sportlich-schick gekleidet: dunkelblaues Sakko, himmelblaues Hemd, hellbraune legere Stoffhosen, weiß-blaue Sneakers. Es ist 10.30 Uhr, er hat noch nicht gefrühstückt, bestellt Tee und ein belegtes Brötchen mit Ei. Schnell kommt beim Warm-up des Gesprächs das Coronavirus ins Spiel. Kein Wunder. Momentan reden alle darüber. Und im Center mit seinen 110 Shops ist zu dieser Zeit weniger los als sonst. Im Schnitt kommen täglich 14.500 Gäste, im Jahr etwa 4,6 Millionen – darunter 50.000 bis 60.000 Passagiere von Flusskreuzfahrtschiffen, die ab April, wenn die Saison beginnt, wieder bis zu dreimal täglich an dem Haus mit dem futuristischen Dach vor Anker gehen. Überwiegend Amerikaner, Kanadier und Australier, die auf Europatour sind und „in kurzer Zeit sehr viel Geld ausgeben“, wie Keimes weiß. Auch so ein Faktor, warum die Rhein-Galerie im Vergleich zu anderen ECE-Centern recht gut dastehe.

„Nachschub“ aus dem Rathaus-Center

Mit Keimes kann man entspannt über Gott und die Welt plaudern. Er ist eloquent, bestens informiert und kann zuhören. Über die Lukom, bei der er Chef von über 50 Mitarbeitern werden wird, für halb so viele ist er im Center verantwortlich, möchte er lieber nicht reden. Noch, betont er, wolle er sich mit ganzer Kraft auf die Umstrukturierung im eigenen Haus konzentrieren, nach zuletzt einigen Zu- und Abgängen. „Nachschub“ kommt aus dem ebenfalls von ECE betriebenen Rathaus-Center wenige Meter Luftlinie entfernt, das Ende 2021 geschlossen wird. Die Stadt hat es für 46 Millionen Euro gekauft, um freie Hand bei der Sanierung der Hochstraße Nord und bei der Entwicklung des Quartiers „City West“ zu haben.

Trotz des nahenden Abschieds fällt die Vorbereitung des zehnten Galerie-Geburtstags unter Keimes Regie – im Herbst 2010 wurde der Konsumtempel eröffnet, über 200 Millionen Euro wurden dafür investiert. Im November dieses Jahres soll es spezielle Veranstaltungen, ein Unterhaltungsprogramm und Sonderangebote geben. Mehr möchte der Manager noch nicht verraten.

„Ein Teil Ludwigshafens geworden“

Kritiker behaupten, mit dem Bau der Rhein-Galerie sei die Innenstadt vollends in den Ruin getrieben worden. Keimes hält dagegen und verweist darauf, wie trostlos das Gelände zuvor ausgesehen habe. Mit dem Center sei Ludwigshafen an den Rhein gerückt. „Die Rhein-Galerie ist ein Teil Ludwigshafens und der Vorderpfalz geworden.“ Ihre ungebrochene Anziehungskraft verdeutliche ein Blick auf die Kennzeichen im 1400 Autos fassenden Parkhaus.

Chance, in der Region heimisch zu werden

Vor sechseinhalb Jahren löste der gebürtige Düsseldorfer Center-Managerin Andrea Poul ab, die ins Milaneo nach Stuttgart wechselte. In der Branche ist es üblich, nach einer gewissen Zeit an einen anderen Standort versetzt zu werden. Keimes ist schon länger in Ludwigshafen an Bord als vorgesehen. Seine neue Aufgabe bei der städtischen Tochtergesellschaft sieht er auch als Chance, in einer Region heimisch zu werden, in der er sich sehr wohlfühle und in der er mittlerweile bestens vernetzt sei. Mit seiner Frau und den drei Kindern – elf, neun und sechs Jahre alt – wohnt er in Plankstadt.

Coronavirus als Hypothek

Dass er Ludwigshafen inzwischen gut kennt – es könnte auch daran liegen, dass er mit seinem Lukom-Vorgänger bereits viele Gespräche geführt hat. Dass der 67-Jährige nach Bekanntwerden der Personalie von einer „sehr guten Entscheidung“ sprach, hat Keimes geschmeichelt. Kopieren möchte er den Stil Cordiers aber nicht und mehr nach vorne schauen als zurück. „Ich bin ja 22 Jahre jünger. Wir leben im Hier und Jetzt und müssen uns auf die Zukunft vorbereiten. Wer das nicht beherzigt, hat schon verloren“, sagt er mit Blick auf die Lukom, die das Stadtmarketing betreut, Parkplätze verwaltet, den Pfalzbau, die Eberthalle sowie die Bürgerhäuser managt. Wegen des Coronavirus sind derzeit allesamt für Veranstaltungen geschlossen. Dieser Umstand macht Keimes’ Job perspektivisch gesehen nicht unbedingt einfacher.

Auch sein eigener Nachfolger in der Rhein-Galerie tritt in recht große Fußstapfen und blickt angesichts der grassierenden Pandemie sicher keinen boomenden Verkaufszeiten entgegen. Wer es werden wird, stehe noch nicht fest, sagt Keimes. Einen Rat hat er aber schon mal parat, der auch für ihn selbst als Maxime taugen dürfte: „Voll reinhängen und Kontakte knüpfen.“

Zur Person: Christoph Keimes

„Mit seiner Verpflichtung liegt die Lukom-Geschäftsführung in erfahrenen und auch mit den Ludwigshafener Gegebenheiten bestens vertrauen Händen“, begründete Kämmerer Andreas Schwarz (SPD) als Vorsitzender des Aufsichtsrats Anfang März die Verpflichtung von Christoph Keimes. „Vom Wechsel an der Spitze der Geschäftsführung erhoffe ich mir frische Impulse, um die Position der Lukom als bedeutende Veranstalterin in der Metropolregion zu stärken.“ Keimes ist 1975 in Düsseldorf geboren und schloss nach dem Fachabitur seine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel im Jahr 1997 bei der Industrie- und Handelskammer seiner Heimatstadt ab. Danach folgte ein einjähriger Auslandsaufenthalt in den USA und ein Wirtschaftsstudium an der Düsseldorfer Hochschule (2002 bis 2006), das er als Diplom-Kaufmann (FH) beendete. Er lebt mit seiner Familie in Plankstadt bei Schwetzingen. Sein Hobby: Radfahren.

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